03.05.2016 | Von Die Stiftung

In Afrika stirbt man nicht

Jeder Mensch trägt Frieden in sich. Jeder Mensch ist auf der Suche nach Zufriedenheit. Und jede Suche beginnt mit Bewusstmachung. Davon ist Claude Kalume Mukadi, Prinz von Abomey, Benin, überzeugt und setzt sich in Deutschland und Afrika für mehr Frieden und ein besseres Verständnis zwischen den Kulturen ein.

„Ich wünsche mir, dass Armanor mich nicht mehr schlägt“, schreibt Albert aus der dritten Klasse. „Ich wünsche mir, dass mein Bruder seine Comics nicht in meinem Bett liegen lässt“, notiert Cleo aus der fünften Klasse. „Dass mich auf dem Heimweg niemand mehr mit Kieselsteinen bewirft.“ „Dass es in Afrika und in Uganda viel Wasser gibt.“ „Dass der Papst Franziskus zwischen Afghanistan und uns Frieden stiftet.“ All das sind Friedenswünsche von Kindern, die sich in einem der Friedensbücher von Mukadi verewigt haben. Die Bücher sind eine seiner Methoden im Kampf für den Frieden. Er möchte, dass Menschen sich bewusst damit auseinandersetzen, was Frieden oder Zufriedenheit für sie bedeuten. Sein Motto dahinter: „Frieden beginnt in meiner Stadt“.

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Viele Kinder und Erwachsene haben bereits ihre Friedenswünsche in eines der inzwischen vier Friedensbücher von Prinz Mukadi eingetragen. Foto: Samir Sakkal

“Ich lasse die Menschen über Frieden schreiben”
„Ich kann nichts gegen die Waffen unternehmen. Dazu bin ich zu schwach. Aber ich kann ihnen eine Symbolkraft entgegenstellen“, erklärt Mukadi seinen ganz eigenen Ansatz. Er ließ deshalb Glocken gießen. Aus Eisen. Demselben Material, aus dem Waffen gefertigt werden. Friedensglocken. Manche sind nicht größer als ein Apfel, andere müssen an kräftigen metallenen Gestellen gerollt werden.

Wenn möglich, nimmt Mukadi sie mit, wohin er geht, und lässt Menschen ihren ganz individuellen Klang des Friedens erzeugen. Danach tragen sie sich in das Buch ein. Irgendwann möchte er diese Sprüche gesammelt veröffentlichen. „Das ist keine Träumerei, das ist echt. Ich schreibe nicht über Frieden, ich lasse die Menschen schreiben.“

Die Hände im Schoß gefaltet wirkt jedes seiner mit afrikanischem Akzent gesprochenen Worte wohlüberlegt. An seinem linken Handgelenk glitzern zwei goldene Armreife unter der braunen Anzugjacke hervor. „Für Schutz“, wie Mukadi erklärt.

Er strahlt Ruhe aus. Zuversicht. Liebe für seine Mitmenschen. „So viele Menschen wie möglich mit der Vision des Friedens zu begeistern, das ist für mich Zufriedenheit“, sagt er. Und wirkt dabei in der Tat höchst zufrieden mit seinem selbst gesteckten Ziel.

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Der Oberbürgermeister von Augsburg, Dr. Kurt Gribl, beim Glockenschlag während des Augsburger Hohen Friedensfestes. Foto: Samir Sakkal

„Hier und hier und hier und hier.“ Ein Foto nach dem anderen hebt Mukadi nun von einem dicken Stapel auf und legt es auf den Tisch vor ihm. Von jedem seiner Einsätze für den Frieden gibt es mindestens eines. Er hat sie alle DIN-A4-groß ausgedruckt. Darauf sind Kinder zu sehen, Botschafter aus Afrika, Ministerpräsident Horst Seehofer und seine Frau Karin, mit der er inzwischen per Du sei, Georg Ratzinger, der Bruder des emeritierten Papstes.

Sein Blick ruht eine Weile auf dem Foto eines Mädchens, das sich gerade in sein Buch einträgt. „Mein Gott. Ich fühle mich so reich.“ Seine Augen werden feucht. Die Erinnerungen an all diese Begegnungen sind für ihn die Bestätigung dafür, dass er etwas erreicht mit seiner Vision.

Seiner Vision des Friedens. Selbst bei der UNO hat er sie bereits vorstellen dürfen – und rollte hierfür an einem sonnigen, warmen Julitag im Jahr 2010 eine 380 Kilogramm schwere Glocke bei den Vereinten Nationen in Wien ein. Worauf er auch mächtig stolz ist. „Einige der höchsten deutschen Politiker haben noch nie eine Rede bei der UNO gehalten – ich schon. Das muss mir mal jemand nachmachen.“

Dass der Prinzentitel ihm manchmal Tür und Tor in einer anderen Form öffnen mag, gibt er selbst zu. Doch der Name macht aus ihm nicht den Menschen, der er ist. Der sich schon lange vor seiner Ernennung zum Prinzen auf seine ganz eigene Art und Weise engagiert hat.

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