03.05.2016 | Von Die Stiftung

In Afrika stirbt man nicht

Jeder Mensch trägt Frieden in sich. Jeder Mensch ist auf der Suche nach Zufriedenheit. Und jede Suche beginnt mit Bewusstmachung. Davon ist Claude Kalume Mukadi, Prinz von Abomey, Benin, überzeugt und setzt sich in Deutschland und Afrika für mehr Frieden und ein besseres Verständnis zwischen den Kulturen ein.

Mukadi wurde 1957 in Lubumbashi, der zweitgrößten Stadt der Demokratischen Republik Kongo, geboren. Heute prägen dort vielerorts Krieg, Korruption und Krankheit das Bild. Konflikte und Waffen sind unweigerlich miteinander verknüpft.

Doch als Kind hat er noch miterleben dürfen, wie Konflikte im Dialog gelöst wurden. Gemäß der afrikanischen Tradition. Mukadi erinnert sich noch gut an seine Zeit als Ministrant bei einem belgischen Pfarrer. Dieser hatte mit seinem afrikanischen Hausangestellten Streit wegen eines zerbrochenen Tellers. Es wurde so lange geredet, bis eine Lösung gefunden wurde. Der Angestellte entschuldigte sich, der Pfarrer segnete ihn. Ein alter afrikanischer Mann war Streitschlichter. Dennoch: Wirklich verstanden haben sich die Männer im Grunde nicht. Das ist Mukadi bis heute nicht aus dem Kopf gegangen. Es hat ihn geprägt und bestärkt ihn in seinen Bemühungen um Verständigung unter den Menschen.

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Auf dem Schulfest einer Münchner Grundschule lässt Prinz Mukadi Kinder die Glocke läuten und sich in das Buch eintragen. Foto: Samir Sakkal

Ein Brückenbauer zwischen den Kulturen
Er sieht sich deshalb nicht nur als Friedenskämpfer, sondern auch als Brückenbauer zwischen Afrika und Europa. Mukadi nennt das sein Schicksal und gibt interkulturelle Seminare mit dem Titel „Europa hat die Uhr, Afrika hat die Zeit“. Zum Beispiel bei der bayrischen Polizei. „Es kommen immer mehr Menschen aus Schwarzafrika nach Deutschland. Aber wie kann ein Polizist seine Arbeit korrekt ausüben, wenn er diese Menschen nicht versteht?“, erklärt er die aktuelle Relevanz seiner Seminare. Auch an Unternehmen, Schulen und Hochschulen setzt er sich so für ein friedlicheres interkulturelles Miteinander auf Augenhöhe ein. Und es läuft so gut, dass der Stifter damit den Lebensunterhalt für sich, seine Frau und drei Söhne verdienen kann.

Mukadi analysiert in seinen Seminaren und Vorträgen unter anderem die „lineare Denkweise“ der Europäer und grenzt sie von der afrikanischen ab: „Nach der Kindheit kommt die Jugend, dann das Erwachsenenalter, dann ist man Greis und dann tot. Der Europäer ist geprägt, so zu denken. In Afrika stirbt man nicht. Der Afrikaner denkt im Kreis. Er geht über in die unsichtbare Welt, lebt in den Enkeln weiter. In Afrika ist man froh, alt zu sein, denn Alter wird gemessen in Weisheit. Alte Menschen können die Gesellschaft dadurch ganz anders bedienen.“ Deshalb sei gerade der Dialog der Generationen so ungeheuer wichtig, den Deutschland in seinen Augen längst verloren hat und dringend wieder aufleben lassen sollte.

Viele Jahre hat er sich mit all seinen Ideen alleine durchgeschlagen. „Ich konnte schon nicht mehr. Aber ich habe es auch nicht geschafft aufzugeben“, gesteht Mukadi. 2015 lernte er dann die jetzige Treuhänderin seiner Stiftung, die Münchner NPO-Beraterin Giulia Roggenkamp, kennen. Und gemeinsam setzen sie sich nun für seine Vision sowie für konkrete soziale Projekte ein.

Im Kongo soll ein Bildungssystem aufgebaut werden, das Jugendliche und junge Erwachsene auf eine Zukunft als Kleinunternehmer vorbereitet. In Deutschland will die Stiftung Friedensstadtpläne für Kinder entwerfen. Diese sollen Symbole des Friedens aufzeigen: Friedensstraßen, Friedensengel, Orte benannt nach Menschen, die sich für den Frieden eingesetzt haben. So wie NS-Stadtführungen auf die Nazigeschichte Deutschlands verweisen. Nur eben das komplette Gegenteil.

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Prinz Mukadi und Giulia Roggenkamp haben es geschafft, den Sprecherrat des Wertebündnisses Bayern von der Arbeit der Bell Amani Friedensstiftung zu überzeugen. Amani ist Swahili für Frieden. Foto: Martina Benz

Und gemeinsam sind er und Roggenkamp vor Kurzem auch den nächsten wichtigen Schritt gegangen: die Bewerbung um eine Aufnahme beim Wertebündnis Bayern. Der Zusammenschluss bayernweit aktiver Organisationen setzt sich für Werte wie Demokratie, Verantwortung und Teamgeist ein.

15 Minuten hatte Mukadi Zeit, um den Sprecherrat von seiner Arbeit zu überzeugen. Ein Ding der Unmöglichkeit für einen so erzählfreudigen Menschen. „Ich komme aus einer gesprochenen Kultur“, so seine ruhige Entschuldigung in die Runde, nach insgesamt mehr als einer halben Stunde.

Doch überzeugt hat er. Wieder einmal hat Mukadi erfolgreich seine wohl stärkste Waffe im Kampf für den Frieden eingesetzt: die Gabe, Menschen in seinen Bann zu ziehen und für seine Ideen zu gewinnen. Die Bell Amani Friedensstiftung wurde beim Wertebündnis aufgenommen und hat nun ganz neuen Zugang zu Kooperationen – und somit bessere Chancen bei der Finanzierung ihrer Projekte. Seine selbstverständliche Erklärung für die typisch langen Gespräche mit ihm: „Sie haben sich auf Afrika eingelassen.“

www.bell-amani.org

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