08.10.2012 | Von Die Stiftung

„Innovationen sind Erfindungen, die am Markt erfolgreich sind“

Im Gespräch mit Thorsten Pinkepank, Head of Corporate Sustainability Relations bei BASF, über die Abgrenzung verschiedener Nachhaltigkeitsbegriffe, nachhaltiges Leben in der Welt und wirkliche Innovationen.

Im Gespräch mit Thorsten Pinkepank, Head of Corporate Sustainability Relations bei BASF, über die Abgrenzung verschiedener Nachhaltigkeitsbegriffe, nachhaltiges Leben in der Welt und wirkliche Innovationen.

Quelle: panthermedia/Chalid Georg GeorgesDIE STIFTUNG: Was sind die Wurzeln der CSR-Strategie Ihres Unternehmens?
Thorsten Pinkepank: BASF wird bald 150 Jahre alt. Bereits im zweiten Jahr des Bestehens hat BASF einen Werksarzt engagiert. Damit fingen wir an soziale Dienstleistungen für unsere Mitarbeiter zu erbringen. Die ökologische Fragestellung kam dann in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hinzu. Anfang der 90er begann man dann diese ökologischen und sozialen Bemühungen ganzheitlich zu sehen. Nur wurde das damals noch nicht immer Nachhaltigkeit genannt. Im Unternehmen haben wir vor mehr als zehn Jahren das erste Nachhaltigkeitscenter und einen Nachhaltigkeitsrat geschaffen. Damit wurde eine durchgehende Betrachtung von Fragen der Nachhaltigkeit im Unternehmen auch strukturell verankert.

DIE STIFTUNG: Wie definieren Sie CSR und Nachhaltigkeit? Das sind ja Begriffe, die gerne in einen Topf geworfen werden.
Pinkepank: Völlig richtig, aber das genau ist der Fehler vieler Nachhaltigkeitsansätze. Für uns ist CSR schlichtweg der Beitrag des Unternehmens zu einer nachhaltigen Entwicklung durch seine eigentlichen Kernprozesse: in den Funktionen und im Geschäft. CSR wird häufig missverstanden als das gemeinhin bekannte „Gutes tun“. Das ist aber Corporate Philanthropy. Dies ist ein notwendiger aber nicht hinreichender Bestandteil unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Für uns spielt sich Nachhaltigkeit vor allem in unseren Kernprozessen ab. Wir haben Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt der Unternehmensstrategie gestellt. Wir sehen Nachhaltigkeit als Chance für unsere Produkte und als Verpflichtung für unsere Produktion. Durch unsere Produkte können auch unsere Kunden ihre Produkte nachhaltiger gestalten und so langfristig erfolgreicher werden.

DIE STIFTUNG: Das müssen Sie uns erklären.
Pinkepank: Mobilität, Urbanisierung, Bau, Ernährung – alles zentrale Themen einer nachhaltigen Entwicklung – all das kann durch unsere Produkte nachhaltiger, also energieeffizienter und ressourcenschonender werden. Das ist umso wichtiger, weil im Jahr 2050 voraussichtlich rund neun Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben werden. Wenn sie gleich mobil sein, denselben Lebensstandard pflegen und dieselbe Lebensqualität genießen wollen, dann wird das mit den verfügbaren Ressourcen nicht funktionieren. Es sind Innovationen gefragt, um Lösungen für die Ressourcenfrage zu finden. Wenn Autos mit weniger Sprit fahren, Häuser durch Isolierung und Beschichtungen energieeffizienter werden oder Wände durch Wachskügelchen Klimaanlagen ersetzten, dann sind das Lösungen für mehr Nachhaltigkeit. Diese Lösungen wiederum ermöglichen Unternehmen, die sich dieser strategischen Orientierung verschreiben, Wachstum.

Quelle: panthermedia/Dmitry NaumovDIE STIFTUNG: Wachstum, das ist ein guter Punkt. Unser jetziges Wirtschaftssystem ist ja zum Wachstum verdammt. Denn Geld oder Kredite können beliebig bzw. per Knopfdruck geschaffen werden, der Zins dafür muss jedoch durch die Wirtschaft verdient werden. Brauchen wir solches Wachstum eigentlich? Und wenn nicht, kann die Welt nicht auch ohne Wachstum prosperieren?
Pinkepank: Wenn man den Ressourcenverbrauch den Kriterien für ein gutes menschliches Leben gegenüberstellt, dann wird ersichtlich, dass momentan kein Land hier eine gute Balance findet. Die OECD-Staaten haben zwar einen hohen Lebensstandard, aber um den Preis zu hohen Ressourcenverbrauchs. Die Entwicklungsländer wiederum überstrapazieren die Ressourcen derzeit noch nicht, haben dafür aber einen niedrigeren Lebensstandard. Damit wird die künftige Richtung vorgezeichnet: Die Entwicklungsländer müssen ihren Lebensstandard erhöhen, ohne den Verbrauch der Ressourcen dabei zu erhöhen, und wir wiederum müssen den Lebensstandard halten, aber die Ressourcenbelastung herunterfahren. Aber „weniger verbrauchen“ ist nicht die Antwort. Die notwendige Innovation liegt im Einsatz von Produkten, die weniger Ressourcen verbrauchen. Ob wir eines Tages Ressourcen und Wachstum voneinander vollständig entkoppeln können, kann niemand versprechen. Das vordringliche Ziel ist jetzt, die Technologien für die Herausforderungen von heute und morgen zu entwickeln.

DIE STIFTUNG: Das Wachstum in den Entwicklungsländern formiert sich anders als hierzulande. Wie reagieren Sie darauf? Mit verschiedenen CSR-Strategien für die jeweiligen Länder?
Quelle: panthermedia/Hermann KienastPinkepank: Natürlich haben verschiedene Länder und Regionen unterschiedliche Herausforderungen. Mit welchen Themen aber muss sich das Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit auseinandersetzen? Um diese Frage zu beantworten, haben wir unsere Stakeholder gefragt, was die Themen sind, mit denen wir uns vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Entwicklung beschäftigen sollen. Ergeben haben sich die Themen Klima, Energie, Wasser, Biodiversität, Menschenrechte, Mitarbeiterentwicklung oder auch Renewables. Diese Themen werden regional unterschiedlich stark gewichtet. In Asien sind wichtige Themen die Verfügbarkeit von sauberem Wasser und die Müllproblematik, die die Stoßrichtung vorgeben. In Südamerika diskutiert man stark die Biodiversität, die es zu erhalten gilt. Ungeachtet dessen brauchen sowohl Entwicklungs- als auch Industrieländer Klimaschutzprodukte.


DIE STIFTUNG: Das müssen Sie uns erklären.

Pinkepank: Ein Klimaschutzprodukt ist für uns ein Produkt, das auf seinem Lebensweg mehr Kohlendioxid einspart, als es verbraucht. Auch durch solche Produkte, können wir unseren Kunden helfen, nachhaltiger zu werden.

DIE STIFTUNG: Sind denn Unternehmen der entscheidende Motor für Innovationen? Die Politik nimmt ja teilweise diese Rolle für sich in Anspruch?
Pinkepank: Es wird nicht ohne die Wirtschaft gehen, aber auch nicht ohne die Politik. Kein Sektor kann das alleine leisten Der Motor dabei ist für mich eher die Wirtschaft als die Politik. Das Produkt der Politik ist Regulierung und Regeln, das Produkt der Wirtschaft sind innovative Produkte – und beides ist gut so. Beides muss zusammengeführt werden, und beides muss den gesellschaftlichen Bedarf treffen. Innovationen sind ja nur Erfindungen, die am Markt langfristig erfolgreich sind. Das wiederum entscheidet der Konsument, und nicht die Politik. Letztere kann aber das langfristige Denken und Handeln befördern, denn Langfristigkeit ist ja bekanntermaßen ein Teil von Nachhaltigkeit. Käme zum Beispiel der Kapitalmarkt noch stärker weg vom alleinigen Quartalsdenken und würden Anleger noch stärker langfristig in unternehmerische Substanz investieren, dann wäre das der Beitrag, den der Kapitalmarkt leisten könnte.

DIE STIFTUNG: Haben Sie herzlichen Dank für Ihren Blick über den Tellerrand.

 

Thorsten Pinkepank leitet die Corporate Sustainability Relations der BASF. Nach betriebswirtschaftlicher Ausbildung und Studium der Publizistik, Politikwissenschaften und Psychologie baute er ein Politik- und Unternehmensberatungsinstitut mit auf. 2002 wechselte er zur BASF und hatte verschiedene Funktionen in der politischen Kommunikation inne. Zuletzt leitete er die Einheit HR Communications bevor er 2010 Verantwortung für die Nachhaltigkeitskoordination des Chemieunternehmens übernahm. Thorsten Pinkepank ist Mitglied verschiedener CSR-Leitungsgremien u.a. bei UN Global Compact. econsense, CSR-Europe oder GRI.

Das Interview führten Katharina Meindl und Tobias M. Karow am Rande der Verleihung des SAM Substainability Awards 2012 am 14. Juni 2012 in Berlin.

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