17.07.2014 | Von Die Stiftung

Lernen und Demokratie

„Unsere Vision ist freie Bildung, die von einer offenen und unabhängigen Gesellschaft gestaltet wird. Durch breite Beteiligung entstehen verständliche und fundierte Lernmaterialien, die allen gleichermaßen kostenlos zugänglich sind. Freie Bildung ist somit Bestandteil einer vielfältigen und vernetzten Gesellschaft mit starkem Gemeinsinn und selbstbestimmten Menschen, die Freude am Lernen haben.“

„Unsere Vision ist freie Bildung, die von einer offenen und unabhängigen Gesellschaft gestaltet wird. Durch breite Beteiligung entstehen verständliche und fundierte Lernmaterialien, die allen gleichermaßen kostenlos zugänglich sind. Freie Bildung ist somit Bestandteil einer vielfältigen und vernetzten Gesellschaft mit starkem Gemeinsinn und selbstbestimmten Menschen, die Freude am Lernen haben.“

 

DIE STIFTUNG: Diese Vision der Gesellschaft für freie Bildung ist sehr prozessorientiert und, gemessen an den Debatten, die normalerweise in Deutschland geführt werden, angenehm neutral formuliert, was Werte und normative Vorstellungen betrifft…
Tobias Müller: Vielleicht kurz zur Entstehungsgeschichte – sehr viele Menschen in unterschiedlichen Ländern haben daran mitgewirkt. Es war sehr umkämpft, was unsere Vision ist, vor allem, was die Werte betrifft. Beispielsweise, was über Bildung an Nachhaltigkeit, sozialem Bewusstsein, Werten übermittelt werden soll. Diese Überlegungen sind im Prinzip sehr wichtig, allerdings haben wir uns dazu entschlossen, unsere Vision nur über den Prozess der Bildung und den Wert der Bildung an sich zu schreiben, ohne den Inhalt zu stark vorzugeben. Dadurch kann der Gedanke des sich selbst entwickeln, selbst Werturteile fällen, selbst sich Wissen aneignen und dann zu Entscheidungen kommen, stärker gefördert werden.
Simon Köhl: Bei uns gibt es einige, die starke eigene Meinungen und normative Vorstellungen davon haben, was gute Bildung ausmacht und gutes Zusammenleben von Menschen. Aber trotzdem waren wir uns einig in dem Selbstverständnis, dass unsere Organisation diese Werte nicht vor sich herträgt, sondern vor allem ein Ermöglichungsraum ist; der all den Menschen, die etwas mitteilen wollen, die Bildung gestalten wollen, einen Rahmen und die technische Möglichkeit an die Hand gibt, um die Vorstellungen umzusetzen.
Müller: Wenn man so möchte, ist das der Spiegel eines prozeduralen Demokratieverständnisses: Nicht die Idee, zu sagen, dass sich unsere Demokratie vor allem dadurch auszeichnet, dass wir ganz bestimmte Werte haben. Sondern dadurch, dass wir gewisse Regeln haben, nach denen wir uns unterhalten und Diskurse führen. Wir sind davon überzeugt, dass es zu guten Ergebnissen führt, wenn man diese Prozesse fördert.

DIE STIFTUNG: Ihr wollt also die Strukturen geben, innerhalb derer man etwas umsetzen kann, ausgeklammert von normativen Vorstellungen. Der Verein ist somit die Plattform, die das ermöglicht, und die Projekte wie Serlo einzelne Ausläufer, in denen man sich engagieren kann?
Köhl: Gerade Serlo ist eine Ermöglichungsplattform. Im Prinzip ist das eine leere Seite, die jeder gestalten, an der jeder mitmachen kann.

DIE STIFTUNG: Die auch gefüllt werden muss? Es gibt hier ja verschiedene Ansätze. Andere Anbieter bieten fertiges, umfängliches Material in geschlossenen Nutzerbereichen.‘
Köhl: Genau. Wir unterscheiden uns da von anderen Anbietern, die ebenfalls mit geringem Aufwand eine wahnsinnige Wirkung entfaltet haben und einen großen Beitrag dazu geleistet haben, dass Bildung frei verfügbar ist, wie die Khan-Academy. Entscheidend ist bei diesen Angeboten allerdings nicht, dass es Personen  ermöglicht werden soll, ihren Beitrag selbst dazu zu leisten. Das Ziel ist vielmehr ein gutes, geschlossenes Angebot zu erstellen, mit Redakteuren. Im Gegensatz zu Serlo, das ein Wiki bereitstellt, welches wie in der Wikipedia den Raum öffnen soll, dass alle ihr Wissen beitragen und, in unserem Fall, ihre pädagogischen Fähigkeiten.

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