29.01.2014 | Von Die Stiftung

Mitmachen statt alles selber machen

Der zunehmende Wunsch nach mehr gesellschaftlicher Wirkung auf der einen und sinkende Kapitalerträge auf der anderen Seite lassen für viele Stiftungen Kooperationen sehr attraktiv erscheinen. In der Tat können Organisationen, die gut harmonieren, auf diese Weise Ergebnisse erzielen, die größer sind als die Summe ihrer Teilnehmer. Eine Zusammenarbeit in der Vermögensanlage sollte dagegen gut überlegt sein.

Der zunehmende Wunsch nach mehr gesellschaftlicher Wirkung auf der einen und sinkende Kapitalerträge auf der anderen Seite lassen für viele Stiftungen Kooperationen sehr attraktiv erscheinen. In der Tat können Organisationen, die gut harmonieren, auf diese Weise Ergebnisse erzielen, die größer sind als die Summe ihrer Teilnehmer. Eine Zusammenarbeit in der Vermögensanlage sollte dagegen gut überlegt sein.
von Gregor Jungheim

Wenn Caren Glück-Kretschmer von der Elternbegleitung wellcome Hilfe bei der Planung einer Veranstaltung braucht, fragt sie beim Kaffeekochen in der Küche schnell eine Eventmanagerin der <a class="gco-link" mir in Minuten eine Kalkulation machen“, schwärmt die bayerische Landeskoordinatorin des Sozialunternehmens. Auch ihr Nachbar Dr. Philip Scherenberg, Geschäftsführer des Schülermentoring-Programms Die Komplizen, weiß den Flurfunk seines Arbeitsortes zu schätzen: „Die Wege sind kurz, man tauscht sich aus und weiß, welchen Leuten man welche Fragen stellen kann.“

Ebenfalls sehr beliebt sind die sogenannten Insulanertreffen der im gleichen Gebäude ansässigen NPOs. Als kürzlich eine der Organisationen ihren Ein-Tages-Workshop für Jugendliche vorstellte, regte eine andere prompt an, diesen in ihr Programm aufzunehmen. Bei einer weiteren Gelegenheit sorgte ein Impulsreferat zu den größten eigenen Fehlern noch lange danach für reichlich Gesprächsstoff und einen großen Lerneffekt.

“Gemeinsam arbeiten und voneinander lernen”
Wer sich erkundigt, was sieben bekannte Akteure aus der Kinder- und Jugendarbeit in einem mehrstöckigen Haus auf der zentral gelegenen Münchner Praterinsel zusammengebracht hat, erhält darauf eine zunächst kryptisch klingende Antwort: Eleven. Ein fast schon veraltetes Synonym für „Schüler“ und das englische Wort für die Größe einer Fußballmannschaft. Gemeint ist damit eine als gemeinnützige GmbH firmierte Tochter der Benckiser Stiftung Zukunft, die nach eigenen Angaben einen Ort geschaffen hat, wo „wirksame Organisationen der Kinder- und Jugendförderung gemeinsam arbeiten und voneinander lernen“. Die Einrichtung vergleichbarer Arbeitsorte in anderen Städten wird gegenwärtig diskutiert.
Foto: Gregor Jungheim
Alles begann im April 2012, als die Benckiser Stiftung ihren heutigen Vorstandsvorsitzenden, den Stiftungsexperten Dr. Christoph Glaser, und den Strategieberater Dr. Stefan Shaw mit einem Beratungsprojekt beauftragte. Sie sollten ermitteln, wie Jugendarbeit noch besser gefördert werden kann. Das Ergebnis war eindeutig: „Vieles läuft gut, nicht viel läuft zusammen“, resümiert Shaw. Daraus entstand die Idee, die nach eigener Einschätzung wirksamsten Organisationen in diesem Bereich zusammenzubringen. Alle Angesprochenen sagten sofort „ja“ und mieteten im vergangenen Jahr Büroräume an oder verlegten ihren Sitz sogar ganz auf die Praterinsel.

Wie seine Kollegen schätzt auch Shaw den „Austausch zwischen Tür und Angel“ in diesem Haus. Doch für Akteure jenseits der Praterinsel werde sich der Zusammenschluss ebenfalls rentieren, ist er überzeugt. Will eine Kommune z.B. ihre Schulabbrecherquoten senken, erhalte sie eine Fülle von isolierten Angeboten, die jeweils an ganz unterschiedlichen Stellen ansetzen. Eine NPO möchte bereits im Kindesalter Freude am Lernen vermitteln und dadurch das Problem frühzeitig angehen. Eine andere biete Hausaufgabenhilfe an, wieder andere kümmerten sich um den Übergang zwischen Schule und Beruf. „Eleven kann dagegen mit der Gemeinde zunächst über die Aufgabe sprechen und ihr dann einen Vorschlag unterbreiten, wer die geeigneten Partner für eine integrierte Lösung sein könnten“, meint der Strategieberater.

Nur wie man die Gemeinschaft über das Wort „Eleven“ hinaus beschreiben soll, ist noch nicht ganz raus. Philip Scherenberg von Die Komplizen fällt spontan der Begriff „Sozialunternehmer-WG“ ein, die BMW Stiftung Herbert Quandt spricht dagegen von einem „Social Hub“, Shaw bevorzugt die Bezeichnung „Home of Social Impact“.

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