22.02.2013 | Von Die Stiftung

„Wir möchten Berührungsängste abbauen“

DIE STIFTUNG: Der MSF erlebt seine Premiere. Geben Sie uns doch einen Eindruck davon, was hinter den Kulissen bis zum Start noch alles passiert?
Julia Landgrebe:
Momentan gönnen wir uns eine kurze Verschnaufpause. Soeben sind unsere Programmhefte frisch aus dem Druck gekommen und die Webseite ist online gegangen. Die ersten großen Meilensteine des MSF haben wir also geschafft und starten in die nächste Runde: Wir werden dafür sorgen, dass unser Frühlingsmotiv unter die Leute kommt und die Menschen auf den MSF aufmerksam werden. Hierzu werden Plakate und Programmhefte verteilt, Pressearbeit gemacht. Natürlich gilt es auch noch einiges zu organisieren: Die Themeninseln wollen koordiniert und umgesetzt werden, Eröffnungs- und Abschlussfeier geplant. Langweilig wird es sicher nicht…

DIE STIFTUNG: Ist die Berliner Stiftungswoche das Vorbild für den MSF gewesen?
Landgrebe: Berlin ist sicherlich ein tolles Beispiel für eine gelungene große Stiftungsveranstaltung. Aber wir möchten das nicht als Benchmark sehen. München funktioniert als Stadt ganz anders als Berlin. Unser Konzept ist speziell auf die Münchner zugeschnitten.

DIE STIFTUNG: Was sind nun aus Ihrer Sicht die Highlights des MSF?
Landgrebe:
Wir haben um die 200 Teilnehmer für den MSF an den Start bekommen und alle haben sich etwas einfallen lassen. Für mich ist das alleine schon ein Highlight. Ich muss gestehen, selbst mir fällt es schwer, eine Auswahl zu treffen – am liebsten würde ich bei allen Veranstaltungen dabei sein. Im Endeffekt kommt es ja auf den eigenen Geschmack an. Wenn ich ein paar benennen muss, würde ich sagen: die Unterbiberger Hofmusik (19.3.), die Oper im Taschenbuchformat (18.3.), eine Exkursion zu den Bernrieder Baumriesen (16.3.), der Tag der offenen Tür der Stiftung ecclesia mundi (20.3.), der ein Eintauchen in die Lebenswirklichkeit Afrikas und Asiens ermöglicht, und Angebote zum Thema Alter, das in unserer Gesellschaft immer wichtiger wird.

DIE STIFTUNG: Welche Ziele verbinden Sie für die Stadt und vielleicht auch ganz persönlich mit dem MSF?
Landgrebe:
Ganz einfach. Wir, d.h. unser Projektbüro und damit auch ich und die Stadt, wollen eine gemeinsame Plattform schaffen, für engagement-interessierte Bürger einerseits und für Stiftungen auf der anderen Seite. Angesichts der Tatsache, dass es in München allein über 1.000 rechtsfähige Stiftungen gibt, war es also nur eine Frage der Zeit, bis eine Veranstaltung wie der MSF kommt. Mir persönlich liegt viel daran, die Berührungsängste abzubauen, die viele nach wie vor beim Begriff Stiftung an den Tag legen, und zu verdeutlichen, welch unersetzbaren und wachsenden Wert Stiftungen und bürgerschaftliches Engagement für unsere Gesellschaft haben. Ein positiver Überraschungseffekt ist das Ziel.

DIE STIFTUNG: Die Idee der Themeninseln klingt ja ganz besonders spannend. Können Sie uns das vielleicht erklären?
Landgrebe:
Generell fußt der MSF auf drei Säulen. Das Grundkonzept ist dezentral angelegt: Die Besucher sollen zu den Stiftungen, den Projekten, kommen können, um sich ein möglichst genaues Bild machen zu können. Da jedoch viele Stiftungen keine eigenen Räumlichkeiten haben und viele gemeinsame Ziele verfolgen, haben wir uns dazu entschlossen, zusätzlich an 4 Tagen sogenannte Themeninseln zu errichten. Das bedeutet, dass sich an einem Tag zu einem bestimmten Thema mehrere Stiftungen gemeinsam unter einem Dach präsentieren. Aufgeteilt sind die Inseln in die Themenbereiche Kunst/Kultur, Bildung/Soziales, Umwelt/Internationales und Wissenschaft/Gesundheit/Sport. Der Besucher hat so den ganzen Nachmittag bis in den Abend hinein Zeit, unter einem Dach in Veranstaltungen unterschiedlicher Stiftungen hinein zu schnuppern. In den Pausen besteht die Möglichkeit zum Austausch mit den Stiftungsmitarbeitern oder auch mit anderen Besuchern. Als dritten Aspekt gibt es schließlich noch das Stiftungs KnowHow, bei dem es vertiefend um Fachwissen zum Thema Stiftungsmanagement geht.

DIE STIFTUNG: Was wünschen Sie sich, wenn nun am 22. März der Vorhang fällt?
Landgrebe:
An das Ende denkt man vor dem Beginn einer Veranstaltung selten, aber es ist natürlich trotzdem präsent. Wenn ich das Gefühl habe, dass Partner, Teilnehmer und Besucher zufrieden nach Hause gehen und sich schon auf das nächste Mal freuen – dann haben wir unser Ziel erreicht. Ich würde mir wünschen, dass wir dazu beitragen konnten, das Netz der Stiftungen etwas dichter zu weben und Stiftungen wie Besucher auf eine Augenhöhe zu bringen. Das bedeutet auch, dass es in Zukunft eine Fortsetzung geben kann.

DIE STIFTUNG: Das ist sicher ein Ansporn. Für wen ist denn  der StiftungsFrühling „gemacht“?
Landgrebe:
Ganz klar: Für die Öffentlichkeit. Die Stiftungen sollen sich und ihr Schaffen präsentieren und zwar allen, die interessiert sind. Das mag der potentielle Stifter ebenso sein wie der bedürftige Student, der interessierte Unternehmer und alle, die sich gerne engagieren möchten, bisher aber keinen richtigen Zugang gefunden haben. Der MSF soll ein Bewusstsein schaffen – dafür, dass Stiftungen ein wichtiges Instrument für die Gesellschaft sind, das es zu nutzen, erhalten und unterstützen gilt.

DIE STIFTUNG: Noch eine Frage zum Abschluss: Wenn Sie sich die Münchner Stiftungslandschaft anschauen, was zeichnet diese ganz besonders aus?
Landgrebe:
Das Stiftungswesen in München ist fast so alt wie die Stadt selbst. Schon vor über 800 Jahren ermöglichte der Gründer der ältesten Münchner Stiftung, der Heiliggeistspital-Stiftung, durch Spenden Hilfe für alte Menschen. Wie enorm auch heute noch das Engagement in München ist, zeigen die 200 angemeldeten Teilnehmer für den MSF. Ich gehe davon aus, dass sich das in Zukunft noch verstärken wird. Die Münchner Stiftungslandschaft ist vielfältig wie eine bunte Frühlingswiese – und genau das wollen wir zeigen.

DIE STIFTUNG: Frau Landgrebe, haben Sie vielen Dank für diesen tiefen Einblick in den MünchnerStiftungsFrühling.

 

Das Interview führten Tobias M. Karow und Jennifer E. Muhr

 

 

Julia Landgrebe ist Projektleiterin des MünchnerStiftungsFrühlings. Bereits seit 2011 ist sie im Team der Münchner Kultur GmbH in den Bereichen Kulturmanagement und Pressearbeit tätig. Ergänzend zu ihrem Studium der Theaterwissenschaften und Italianistik in München und Florenz folgten Stationen in verschiedenen Kultureinrichtungen und Redaktionen, unter anderem am Deutschen Museum in München und am Kunsthistorischen Institut in Florenz.

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