22.03.2019 | Von Martina Benz

Münchner Stiftungsfrühling: „Ehrenamt macht glücklich“

Ehrenamtliches Engagement wird in Bayern vom Sozialministerium gefördert – so wie auch der Münchner Stiftungsfrühling, der morgen beginnt. Staatsministerin Kerstin Schreyer bewertet die Bereitschaft zum Ehrenamt positiv – die richtigen Rahmenbedingungen vorausgesetzt.

Ehrenamt
Ehrenamtliches Engagement lebt davon, dass viele Hände mit anpacken. Um das zu fördern, wurde die Zukunftsstiftung Ehrenamt Bayern ins Leben gerufen. Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Was meinen Sie, wenn Sie von einer „Infrastruktur“ fürs Ehrenamt sprechen?
Kerstin Schreyer: Ehrenamt ist nicht selbstverständlich. Der Staat kann dieses Engagement weder einfordern noch ersetzen. Er kann aber dafür sorgen, dass sich möglichst viele Menschen gerne engagieren. Das tun wir, indem wir gemeinsam mit den Kommunen gute Rahmenbedingungen für das Ehrenamt schaffen.

Welche sind das?
Schreyer: Ehrenamtliches Engagement braucht Raum für Kreativität, Eigenverantwortung und Eigeninitiative. Deshalb fördern wir eine flächendeckende Infrastruktur mit unseren Freiwilligenagenturen und den Koordinierungszentren Bürgerschaftliches Engagement. Deren Aufgaben sind Beratung, Information, Qualifizierung und Vernetzung. Damit haben engagierte und engagementbereite Bürgerinnen und Bürger gute Zugänge zum Engagement vor Ort. Wir stellen Ehrenamtlichen außerdem in verschiedenen Bereichen und auf verschiedenen Ebenen Ansprechpartner zur Verfügung. Zudem bieten wir zusammen mit dem Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement ein Vereins-Wiki, das die Vereinsarbeit erleichtert. Neben guten Rahmenbedingungen ist es auch wichtig, die Anerkennungskultur zu stärken. Denn unsere vielen engagierten Ehrenamtlichen verdienen Wertschätzung für ihren Dienst am Gemeinwohl. Als sichtbares Zeichen der persönlichen Anerkennung für ein herausragendes, über einen längeren Zeitraum geleistetes Engagement gibt es in Bayern die Bayerische Ehrenamtskarte. Das ist ein ganz besonderes Dankeschön: Die Inhaber erhalten damit viele Vergünstigungen bei staatlichen, kommunalen und privaten Anbietern.

Und wie motiviert man Menschen fürs Ehrenamt?
Schreyer: Ehrenamtliches Engagement macht glücklich. Das bestätigen mehrere Studien. Sich freiwillig zu engagieren, erfüllt. Man betätigt sich sinnvoll, kann sich als wichtig und wertvoll für andere erleben, Kontakte knüpfen und Neues lernen. Es dient auch der Persönlichkeitsentwicklung. Mit dem Ehrenamt kann man unsere Gesellschaft aktiv mitgestalten. Das fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Welche Rolle können Stiftungen sonst noch einnehmen?

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Kerstin Schreyer ist seit März 2018 Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales. Foto: Atelier Krammer – Margot Kramer

Schreyer: Bayern lebt davon, dass sich die Menschen in die Gesellschaft einbringen. Das kann in Form von zeitlichem Engagement erfolgen, es kann aber auch ein finanzielles Engagement sein. Die Stiftung ist eine ideale Möglichkeit, Vermögen dauerhaft, nachhaltig und den individuellen Vorstellungen entsprechend für das öffentliche Wohl einzusetzen. Sie sind ein wichtiger Teil bayerischer Ehrenamtskultur und eine unverzichtbare Stütze der Gesellschaft. Stiftungen stecken – gerade im sozialen Bereich – fast überall drin, vom Kindergarten bis zum Altenheim. Sie haben in Bayern eine reiche und lange Tradition. Die Stiftungen der Fugger beispielsweise bestehen seit dem 16. Jahrhundert!

Seit 2018 gibt es die „Zukunftsstiftung Ehrenamt“. Wozu wurde sie ins Leben gerufen und wie unterstützt das Sozialministerium die Stiftung?
Schreyer: Die Zukunftsstiftung Ehrenamt Bayern schafft verlässliche Unterstützungsstrukturen und vernetzt Organisationen, Institutionen, Privatpersonen und andere Stiftungen. Als Vorstandsvorsitzende ist es mir besonders wichtig, den Aktiven vor Ort das Bürgerschaftliche Engagement zu erleichtern. Unsere Stiftung fördert Projekte, Initiativen, Organisationen und Vereine, die mit zukunftsgerichteten Konzepten und Ideen durch ehrenamtlichen Einsatz das Gemeinwohl nachhaltig stärken. Die Geschäftsstelle veröffentlicht jährlich eine Projektausschreibung. Noch bis zum 10. April gibt es die Möglichkeit, einen Antrag bei der Zukunftsstiftung Ehrenamt Bayern zu stellen. Noch bis 10. April gibt es die Möglichkeit, einen Antrag bei der Zukunftsstiftung Ehrenamt Bayern zu stellen. Das Sozialministerium unterstützt die Stiftung, indem wir zwei Büroräume betriebskostenfrei zur Verfügung stellen. Ansonsten gestaltet die Stiftung ihre Arbeit eigenständig und unabhängig.

Nimmt die Zukunftsstiftung Ehrenamt Bayern auch am Münchner Stiftungsfrühling teil?
Schreyer: Die Zukunftsstiftung wird mit einem Informationsstand am 23. März den ganzen Tag in der BMW-Welt vertreten sein. Zudem finden zwei dezentrale Veranstaltungen am Montag und Mittwoch mit der Zukunftsstiftung statt. Die eine dreht sich um die Zukunft des Ehrenamts, die andere um Inklusion.

Welche Rolle spielt das Sozialministerium beim Münchner Stiftungsfrühling?
Schreyer: Am 23. März bin ich bei der Eröffnungsfeier in der BMW-Welt vor Ort und auf der Bühne. Das Sozialministerium fördert den Münchner Stiftungsfrühling auch finanziell, schließlich sind alle Veranstaltungen in der Woche kostenlos.

In Bayern engagiert sich heute mit 47 Prozent fast jeder Zweite über 14-Jährige ehrenamtlich. Wie sehen Sie die Zukunft des Ehrenamts?
Schreyer: In einem Wort: positiv. Das Ehrenamt hat in Bayern eine lange Tradition und trägt wesentlich zum sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei. Daran werden auch Veränderungen in der modernen Lebens- und Arbeitswelt, die Digitalisierung oder andere Entwicklungen nichts ändern. Denn Bürgerschaftliches Engagement ist nicht statisch, sondern lebendig und verändert sich – wie auch die Gesellschaft insgesamt – fortlaufend. Diese Veränderungen begleitet der Freistaat Bayern, indem er die notwendigen Rahmenbedingungen schafft und das Bürgerschaftliche Engagement mit neuen Ideen und Ansätzen beständig weiterentwickelt.

Vom 23. bis 29. März 2019 präsentieren beim Münchner Stiftungsfrühling die Stiftungen der bayrischen Landeshauptstadt ihr Engagement.

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