20.03.2019 | Von Die Stiftung

Münchner Stiftungsfrühling: Wie humanitäre Hilfe wirkt

Oft hilft Wirkungsmessung, das Profil von Organisationen zu schärfen. Dies kann zum Beispiel in Form von internationalen Untersuchungen geschehen. Einen Einblick in die Wirkung der SOS-Programme in Somalia gibt die Hermann-Gmeiner-Stiftung beim Münchner Stiftungsfrühling.

Münchner Stiftungsfrühling
SOS-Emergency Medical Center in Badbado, Somalia – auch in der humanitären Hilfe sind Kosten-Nutzen-Analysen von Vorteil. Foto: Kevin Ouma

Klimawandel, Katastrophen und Konflikte stehen heute einer positiven wirtschaftlichen, sozialen und medizinischen globalen Entwicklung gegenüber. Menschen leben gesünder, länger, sicherer und wohlhabender – und das nicht nur in den westlichen Industriestaaten, sondern zum Teil auch in den Entwicklungsländern. Dennoch gibt es weiterhin extreme Armut zu bekämpfen.

Welche Auswirkungen Armut, permanenter Konflikt und die oft darauf folgende Vertreibung für Familien und Kinder haben, und wie eine Klinik, die seit 30 Jahren quasi im Nothilfemodus operiert, dennoch nachhaltige Erfolge erzielen kann, erzählen Somalias SOS-Kinderdörfer-Direktor Abdikadir Dakane und Nothilfeexpertin Katharina Ebel im Rahmen des Münchner Stiftungsfrühlings am Beispiel ihrer Arbeit in Somalia.

Dabei wird aber nicht nur über die SOS-Klinik gesprochen, sondern auch über die Wirkung der von der Hermann-Gmeiner-Stiftung unterstützten Programme. Denn das Thema Wirkung ist für Stiftungen in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Gerade in Zeiten von niedriger Rendite stellt sich umso mehr die Frage, wie Mittel so eingesetzt werden können, um einen möglichst großen gesellschaftlichen Nutzen zu generieren.

Wirksamkeit und ein Social Return on Investment

Zur Autorin: Claudia Straßer leitet bei den SOS-Kinderdörfern weltweit die Abteilung Stiftungen. Hier ist sie für die Kooperation mit externen Stiftungen und die hauseigene Hermann-Gmeiner-Stiftung zuständig. Zudem ist sie Lehrbeauftragte für Stiftungsmanagement an der Universität Freiburg. Foto: Anna Olivia Weimer

Um die Wirksamkeit der eigenen Arbeit genauer zu untersuchen, startete die Kinderhilfsorganisation 2015 die Studie „Social Impact Assessment“. Sie wurde gemeinsam mit Experten der Boston Consulting Group aufgesetzt und hat zunächst Standorte in afrikanischen Ländern – Äthiopien, der Elfenbeinküste, Senegal, Swasiland, Tansania und Togo – auf ihre langfristige Wirkung untersucht. Unterteilt ist die Befragung ehemaliger SOS-Kinder in acht Kategorien wie Einkommen, soziales Umfeld, Unterkunft oder körperliche Gesundheit. Diese werden  jeweils anhand von vier Stufen (von sehr gut bis mangelhaft) bewertet werden.

Zusätzlich wurden die Indikatoren „Nutzen für die nächste Generation“ sowie „Spenden und ehrenamtliches Engagement“ untersucht. Dies war wichtig, da viele ehemals von SOS-Kinderdörfer Unterstützte regelmäßig etwas für ihre Gemeinschaft tun. Aus diesen Indikatoren lässt sich ein Social Return on Investment (SROI) errechnen, indem man den Nutzen für die unterstützte Familie und die jeweilige Gemeinde mit den Kosten pro Programm-Teilnehmer gegenrechnet.

Auswertung der Wirkung

Bisher wurden quantitative und qualitative Daten der SOS-Wirksamkeit aus 33 Ländern ausgewertet, wobei die SOS-Kinderdörfer allgemein auf eine Kosten-Nutzen-Rechnung von eins zu sechs kommen. Für jeden eingesetzten Spenden-Euro erwirtschaften die Kinderdörfer also in den jeweiligen Gemeinden einen Mehrwert von sechs Euro. In den untersuchten Ländern in Afrika betrug diese Relation sogar 1:14. Mit einem gespendeten Euro konnte das Hilfswerk in seinen Projekten in Afrika also einen Nutzen von 14 Euro für die Gemeinde schaffen.

Eine solche Wirksamkeits-Studie sagt aber noch mehr aus: Die Organisation kann nun sehen, welche Programme einen hohen und welche einen niedrigen Nutzen haben. Verständlicherweise fällt die Kosten-Nutzen-Rechnung geringer aus, je länger die unterstützten Kinder oder Familien in den Programmen verbleiben. Ein Kind, das mit zwei Jahren im SOS-Kinderdorf aufgenommen wird und bis zum Alter von 21 im Programm verbleibt, verursacht letztlich höhere Kosten als ein Kind, das bei seinen Eltern bleiben kann und bei dem SOS die Familie nur über zwei bis drei Jahre mit Fortbildungen, einem Familienplan oder Beratung unterstützt.

Mehr als nur Zahlen

Ein grundsätzlicher Antrieb sollte solch eine Kosten-Nutzen-Analyse allerdings nicht sein, geht es doch um humanitäre Arbeit. Nicht alle Probleme sind analysier- oder quantifizierbar und nicht immer ist der größte finanzielle Nutzen auch der größte Nutzen für die Betroffenen. Dennoch sind die Zahlen ein wichtiges Hilfsmittel für die Evaluierung der Hilfe vor Ort. Und sie zeigen dem Spender, wie sinnvoll und wirksam sein Geld eingesetzt wird.

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Zur Hermann-Gmeiner-Stiftung:

Die Stiftung wurde von dem Verein SOS-Kinderdörfer weltweit 2001 gegründet, um zur Finanzierung der Einrichtungen und Programme der SOS-Kinderdörfer auf der ganzen Welt beizutragen und Kindern ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Die Programme in Afrika werden neben der klassischen Spendenfinanzierung und durch Partnerschaftsprojekte auch durch Erträge aus der Stiftung ermöglicht.

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Anmeldungen zum Vortrag „Im Einsatz für Kinder in Somalia: Arbeiten mit Kindern und Familien in Krisengebieten“ am Mittwoch, 27. März 2019 um 18 Uhr, beim Münchner Stiftungsfrühling sind unter anmeldung-muenchen@sos-kd.org möglich. Veranstaltungsort: SOS-Kinderdörfer weltweit, Ridlerstraße 55, Raum „Palaver“, 4. Stock, 80339 München

Vom 23. bis 29. März 2019 präsentieren beim Münchner Stiftungsfrühling die Stiftungen der bayrischen Landeshauptstadt ihr Engagement.

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