01.08.2016 | Von Die Stiftung

„Ein Patentrezept gibt es nicht“

DIE STIFTUNG: Aktuell weiß niemand so recht, ob die EU dauerhaft weiterexistieren wird, die Annehmlichkeiten des Sozialstaats noch lange Bestand haben werden und das politische System eine Generalüberholung braucht, um den neuen Rechtspopulismus zu überwinden. Wie soll ein Stifter da noch für die Ewigkeit planen?
Dr. Martin Fasselt:
Natürlich geben derzeit viele Entwicklungen Anlass, nicht unbesorgt in die Zukunft zu schauen. Aus stiftungsspezifischer Sicht ist allerdings darauf hinzuweisen, dass der Stiftungsgedanke seit vielen Jahrhunderten existiert und schon viele auch sehr ernste Krisenzeiten überdauert hat. Man geht davon aus, dass es immerhin etwa 250 rechtsfähige Stiftungen gibt, die mehr als 500 Jahre alt sind. Stifter sollten dementsprechend die Entwicklungen natürlich nicht ignorieren, sich aber bei der Umsetzung ihrer Stiftungsidee nicht allzu sehr davon beeinflussen lassen. Vielleicht bedarf es sogar, gerade in einem schwieriger werdenden Umfeld, mehr Menschen, die bereit sind, positiv in die Zukunft zu schauen und sich mit einer eigenen Stiftung oder auch durch finanzielle Unterstützung wie einer Zustiftung oder Organarbeit bei einer bestehenden Stiftung „für die Ewigkeit“ zu engagieren.

DIE STIFTUNG: Wie muss denn eine Satzung aussehen, um auf möglichst viele Eventualitäten vorbereitet zu sein?
Fasselt:
Eine gute Satzung muss einerseits die Grundentscheidungen des Stifters so fest zementieren, dass diese gegen ungewollte Änderungen gefeit sind. Auf der anderen Seite muss sie ein gewisses Mindestmaß an Flexibilität lassen. Dafür gibt es verschiedene Wege. Die Entscheidung, welcher Weg im Einzelfall der richtige ist, hängt unter anderem von den Stiftungszwecken und der Zusammensetzung des Stiftungsvermögens ab. Je mehr Stiftungszwecke eine Stiftung hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass auf lange Sicht der eine oder andere Zweck obsolet wird. Besteht das Stiftungsvermögen aus einer Unternehmensbeteiligung, sollte die Satzung beispielsweise hinsichtlich der Zusammensetzung des Vermögens und damit des Vermögenserhaltes vielleicht etwas flexibler sein als bei einer Geldstiftung. Grund ist unter anderem, dass Unternehmen einem ständigen Wandel unterliegen und erforderliche Umstrukturierungen nicht ausgeschlossen sein sollten.
Ein Weg, Stiftungen zu ermöglichen, auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren, ohne das „Tor zu weit zu öffnen“ ist beispielsweise die Etablierung eines Systems von Checks and Balances sowohl zwischen den Stiftungsorganen intern also auch zwischen diesen und der Stiftungsbehörde.

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