16.05.2014 | Von Die Stiftung

Und täglich grüßt das Murmeltier…

Die Björn-Steiger-Stiftung hat schon wieder auf die falschen Straßenfundraiser gesetzt. Oder immer noch.

Im sauerländischen Menden konfrontiert ein Fundraiser junge Mütter mit einem absoluten Horrorszenario: dem Tod des eigenen Kindes. Um solche Szenen zu vermeiden, sollen die Mütter spenden – für die Baby-Krankenwagen der Björn-Steiger-Stiftung. Doch die junge Frau will nicht spenden und geht weiter. Der Spendensammler schimpft laut hinter ihr her, berichtet die WAZ.

Nicht ganz so schlimm wie im Film mit Bill Murray geht es der Björn-Steiger-Stiftung: Sie hat einfach kein Glück mit ihren Straßenfundraisern. Bereits im September 2012 stand die Stiftung massiv in der Kritik, nachdem ein Fundraiser in Duisburg einer Frau, die nicht spenden wollte „einen angenehmen Unfalltod“ gewünscht hatte. Schon damals verwies die Stiftung darauf, dass die engagierten Straßen-Fundraiser keine Mitarbeiter der Stiftung seien, sondern einer externen Agentur angehören, die mit dem Spendensammeln für die Stiftung beauftragt wurde. Es hieß, das sei ein absolut einmaliger Fall. Der aufdringliche und unhöfliche Spendensammler wurde abgemahnt.

So einmalig scheint der Fall nun doch nicht zu sein, wie die Mendener Mütter bestätigen können. Aber auch in Osnabrück, nur knappe 120 km weiter nördlich, sorgte das Fundraising  der Stiftung für Aufregung. Auch hier ist ein Spendensammler im Einsatz, der Geld zur Finanzierung von Baby-Krankenwagen für in und um die Stadt sammeln will.

Passanten, die sich lieber vor einer Spende im Internet über die Stiftung informieren wollten, sagte er, dass das Geld dann nicht mehr zweckgebunden für einen Osnabrücker Baby-Notarztwagen eingesetzt werde. Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung gaben der Städtische Rettungsdienst und das Christliche Kinderhospital Osnabrück an, dass dafür aber in Stadt und Landkreis überhaupt kein Bedarf bestehe.

Die Zeitung berichtet weiter, der Mann habe zudem die Osnabrücker Passanten unter Druck gesetzt: Die potenziellen Spender sollten bedenken, dass die Mitnahme von Säuglingen auch abgelehnt werden könne. Eines seiner drei Kinder sei fast dabei ums Leben gekommen, als er es selbst ins Krankenhaus habe bringen müssen.

Die Steiger-Stiftung hat sich also erneut entschuldigt und angekündigt, dass besagter Fundraiser „zurechtgewiesen“ werde.

Den Passanten kann dagegen niemand einen Vorwurf machen. Dass man sich nach diesem durchsichtigen Versuch, jemandem ein schlechtes Gewissen einzureden, zunächst über die Organisation, die solche Menschen auf die Straße schickt, informieren möchte, scheint mir absolut natürlich. Ebenso sollte es doch völlig normal sein, dass man sich nicht auf der Straße, quasi zwischen Tür und Angel, dafür entscheiden möchte, sein Geld herzugeben. Wieso man sich deswegen unter Druck setzen und beschimpfen lassen muss, erschließt sich mir nicht. Was ich allerdings noch wesentlich unverständlicher finde ist, dass sich die Stiftung nicht allmählich massiv Sorgen um ihren Ruf macht. Gerade gemeinnützige Organisationen, die auf Spenden angewiesen sind, sollten stets Sorge um ihren einwandfreien Ruf haben. Und ebenso wie ein Spendenskandal kann auch der Versuch Spenden zu erzwingen fatale Folgen haben.

Nach mehreren Vorfällen, die ja nun alle die gleiche Tendenz aufweisen, wäre es unter Umständen angebracht sich Gedanken zu machen, ob man die richtigen Menschen mit der Spendenakquise betraut hat.

Denn wer sich unter Druck gesetzt fühlt, wird sicherlich immer ein ungutes Gefühl mit der betreffenden Organisation verbinden. Und im Zweifelsfall sein Geld das nächste Mal lieber woanders hin spenden. Und zwar freiwillig.

 

Jennifer E. Muhr

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