16.03.2016 | Von Die Stiftung

Patentrezepte? Leider Fehlanzeige!

DIE STIFTUNG: Die Welthungerhilfe kämpft auch in Uganda seit vielen Jahren an mehreren Fronten gegen Hunger und Armut. Waren die letzten 50 Jahre Entwicklungshilfe mehr oder weniger umsonst?
Christian Schniepper: Da muss ich ganz entschieden widersprechen.

DIE STIFTUNG: Die Welthungerhilfe kämpft auch in Uganda seit vielen Jahren an mehreren Fronten gegen Hunger und Armut. Waren die letzten 50 Jahre Entwicklungshilfe mehr oder weniger umsonst?
Christian Schniepper: Da muss ich ganz entschieden widersprechen. Denn die Vielzahl an großen und kleinen Erfolgen findet angesichts immer neuer Katastrophenmeldungen vielleicht nicht jedes Mal den Weg in die Medien. Aber sie führen für unzählige Menschen vor Ort zu ganz klaren Verbesserungen – gerade auch hier in Afrika, und ganz speziell in Uganda.

DIE STIFTUNG: Dennoch leben auch hier noch sehr viele Menschen in unbeschreiblicher Armut – woran liegt’s?
Schniepper: Wenn sich das so einfach in zwei, drei Sätzen erklären ließe! Wir wissen nach mehr als einem halben Jahrhundert praktizierter Entwicklungshilfe: Es gibt keine Patentlösung zur Bekämpfung der Armut. Es gibt nur die Möglichkeit, immer wieder neu auf die jeweils aktuelle Situation zu reagieren. Nicht zu vergessen: Immer wieder wurden und werden schon erreichte Entwicklungsschritte vor allem durch Kriege und bewaffnete Auseinandersetzungen wieder zunichte gemacht und die Menschen müssen erneut „bei null“ anfangen – wir Hilfsorganisationen dann übrigens auch.

Landwirtschaft ist in Uganda nach wie vor die wichtigste Existenzgrundlage. Foto: Harald Gruber
Landwirtschaft ist in Uganda nach wie vor die wichtigste Existenzgrundlage. Foto: Harald Gruber

DIE STIFTUNG: Hier in Uganda liegt der Schwerpunkt der Welthungerhilfe-Projekte nach wie vor auf Ernährungssicherung und ländlicher Entwicklung…
Schniepper: …weil die Landwirtschaft nach wie vor die wichtigste Existenzgrundlage ist. Rund 80% der Menschen in Uganda haben zum Leben nicht mehr als das, was ihr oft winzig kleines Stück Land hergibt. Bei einer stark wachsenden Bevölkerung ist ländliche Entwicklung also enorm wichtig – und muss zur nachhaltigen Bekämpfung von Armut weit über die reine Ernährungssicherung hinausgehen.

DIE STIFTUNG: So wie bei Youth Encouragement Services in Fort Portal, mit der die Welthungerhilfe kooperiert. Hier geht es um Bildung – eigentlich doch eine Aufgabe, die der Staat zu leisten hat?
Schniepper: In unserem europäischen Verständnis ganz sicher ja. Aber hier in Uganda schafft der Staat das nicht. Auf dem Papier gibt es hervorragende Programme, aber in der Wirklichkeit vor Ort ist das Bildungssystem völlig überfordert. Wenn sich hier keine NGOs engagieren würden, gäbe es in vielen Bereichen gar keine Angebote – also keine Perspektiven für Millionen von Kindern beziehungsweise jungen Männern und Frauen. Erst recht, wenn diese dann auch noch aus sozial benachteiligten Verhältnissen stammen.

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