24.09.2018 | Von Die Stiftung

Wie, nicht warum – Impact Investing und deutsche Stiftungen 2.0

Die Diskussion um Impact Investing bei deutschen Stiftungen dreht sich heute nicht mehr um das ‚Warum‘, sondern vor allem um das ‚Wie‘. Damit scheint eine neue Entwicklungsstufe erreicht worden zu sein. Sechs Gründe, woran das liegen könnte.

Mit Impact Investing können beispielsweise Sozialimmobilien gefördert werden. Deutschland nähert sich diesem Thema im Vergleich zu den USA schrittweise. Foto: Rudis-Fotoseite.de / pixelio.de

Vor gut zehn Jahren wurde der Begriff „Impact Investing“ (ins Deutsche oft mit „wirkungsorientiertes Investieren“ übersetzt) geprägt und entwickelte innerhalb kürzester Zeit eine unglaubliche Dynamik. Ausgehend von den angelsächsischen Ländern wurden Impact Investing-Netzwerke wie GIIN, Toniic, GSG oder Mission Investors Exchange gegründet, neue Fonds aufgelegt und spezielle Investmentinstrumente entwickelt. Laut dem Global Impact Investor Survey des Global Impact Investing Networks (GIIN) sind aktuell 228 Milliarden Dollar in Impact Investments angelegt.

„Impact Washing“ gefürchtet

International sind derzeit unterschiedliche Trends zu erkennen: Während einerseits immer mehr Kapital in Schwellen- und Entwicklungsländer fließt und dort die klassische Entwicklungshilfe ergänzt, gibt es gleichzeitig eine Entwicklung hin zu „Place-based Impact Investing“ in einzelne Quartiere, Städte oder Regionen, z.B. den USA. Zudem drängen immer mehr Großbanken und Finanzintermediäre in dieses Feld und lösen damit eine gewisse Nervosität und Sorge aus, dass es analog zum „Greenwashing“ auch zu einem „Impact Washing“ kommen könnte. Dem versucht man unter anderem durch einheitliche Standards und Prinzipien entgegenzuwirken.

In den USA und Großbritannien investieren Stiftungen heute jedenfalls bereits Milliardensummen in Impact Investments und haben sich teils dazu verpflichtet, 100 Prozent ihres Vermögens wirkungsorientiert anzulegen. Eines der prominentesten Beispiele ist sicherlich die Ford Foundation, die im April letzten Jahres angekündigt hat, in den kommenden zehn Jahren eine Milliarde Dollar ihres Stiftungsvermögens satzungszweckbezogen in Impact Investments anzulegen.

Die Skepsis lässt nach

In Deutschland verläuft die Entwicklung allgemein langsamer. Im Jahr 2012 veröffentlichte der Bundesverband Deutscher Stiftungen eine erste Studie zum Thema Mission Investing. Es folgten die Gründung eines Expertenkreises Impact Investing, weitere Publikationen zu diesem Thema (u.a. der Stiftungsratgeber Impact Investing oder der Ratgeber Impact Investing) sowie die Einrichtung des Blogs „Kapital und Niedrigzins“. Auch beim Deutschen Stiftungstag 2018 in Nürnberg war Impact Investing eines der zentralen Themen.

Es setzte sich zusehends die Überzeugung durch, dass Vermögensanlage und Satzungszweck nicht völlig getrennt voneinander betrachtet werden können. Dennoch blieben die meisten Stiftungen dem Impact Investing oder Mission Investing gegenüber nach außen zurückhaltend bis skeptisch. Seit einiger Zeit jedoch scheint sich dies zu wandeln. An Stelle der Frage nach dem ‚Warum‘ einer wirkungsorientierten Vermögensanlage tritt die Frage nach dem ‚Wie‘. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen.

Sechs Gründe, wieso Impact Investing Fuß fasst

Erstens wird der Begriff Impact Investing nicht mehr auf Direktinvestments in junge Sozialunternehmen verengt. Social Venture Capital ist eine mögliche Spielart, aber Impact Investing ist in vielen unterschiedlichen Anlageklassen möglich, man denke nur an den Bereich der Sozialimmobilien. Außerdem gibt es zahlreiche Impact Fonds, die eine entsprechende Risikostreuung garantieren.

Zweitens wurde erkannt, dass es sich bei Impact Investing vielleicht um einen neuen Begriff, aber nicht um ein neues Konzept handelt. Viele traditionsreiche Stiftungen in Deutschland haben bereits seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten ihr Vermögen im Sinne des Stiftungszwecks angelegt. Man denke nur an die Fuggerei in Augsburg oder an die vielen großen Anstaltsträgerstiftungen.

Drittens haben viele Stiftungen mittlerweile ihre internen Findungs- und Prüfprozesse abgeschlossen, suchen nun aktiv nach Impact Investment-Möglichkeiten oder haben bereits erste Investments getätigt und sprechen nun auch offen darüber. Sich schrittweise dem Thema zu nähern ist mit Sicherheit ein „deutscher“ Zugang und unterscheidet sich sehr stark von US-amerikanischen Beispielen wie der oben genannten Ford Foundation.

Viertens gibt es heute deutlich mehr Produkte, in die investiert werden kann. Die deutschen Impact Investing Fonds „Bon Venture“ und „Ananda“ haben mittlerweile ihre dritten Fonds aufgelegt und verfügen damit über einen gewissen Track Record. Neue Instrumente wie ein Co-Investmentfonds von FASE oder Genossenschaftsmodelle, die es auch kleineren Stiftungen ermöglichen sollen, wirkungsorientiert zu investieren, sind schon auf dem Markt oder werden gerade umgesetzt. International wächst die Zahl der Impact Fonds ohnehin stetig. Die „Impact Base“, eine Online-Datenbank des GIIN,  enthält aktuell mehr als 400 Impact Fonds.

Fünftens hat die Impact Investing Bewegung in Deutschland eine kritische Masse erreicht und es setzt eine gewisse Institutionalisierung ein. Hier ist neben den deutschen Mitgliedschaften bei internationalen Netzwerken vor allem die Bundesinitiative Impact Investing zu nennen, die das Ziel verfolgt, das deutsche Ökosystem für Impact Investing weiterzuentwickeln und sich in diesen Tagen zu einem Gründungsworkshop trifft.

Sechstens begünstigt das rechtliche und politische Umfeld, national wie international, einen wirkungsorientierten Investmentansatz – Stichwort Sustainable Development Goals, Marshall Plan mit Afrika, EU Action Plan for a greener and cleaner economy etc. Wirtschaft und Gesellschaft werden heute deutlich integrierter gedacht als noch vor einigen Jahren.

Dieser Wandel hin zur Frage nach dem ‚Wie‘ ist ermutigend und stellt möglicherweise tatsächlich eine grundlegende Veränderung im Diskurs über Impact Investing bei deutschen Stiftungen dar. Gleichzeitig ist damit die Aufgabe verbunden, gemeinsam Antworten auf die ‚Wie‘-Fragen zu finden, die in der Regel deutlich komplexer, anspruchsvoller und differenzierter sind, als die nach dem ‚Warum‘. Dies gilt es nun gemeinsam anzugehen.

Foto: Marc Beckmann

Zum Autor:

Johannes P. Weber ist Projektmanager bei der BMW Foundation Herbert Quandt und verantwortet vor allem Aktivitäten im Bereich Impact Investing (wirkungsorientierte Vermögensanlage) – ein Thema, das er bereits bei der Eberhard-von-Kuenheim-Stiftung und der Bertelsmann-Stiftung vorangetrieben hat. Unter anderem hat er am Handbuch zu Impact Investing für deutsche Stiftungen mitgewirkt und die Umsetzung eines Pilotfonds für „Mission Related Investments“ begleitet. Aktuell ist er am Aufbau der Bundesinitiative Impact Investing beteiligt.

Im Rahmen der Online-Stiftungswoche 2018 hat Johannes P. Weber am 25. September in einem Webinar zum Thema „Impact Investing“ gesprochen.

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