14.02.2013 | Von Die Stiftung

„Wissenslücken schließen“

DIE STIFTUNG: Warum initiieren Sie als Vermögensverwalter eine ganztägige Veranstaltung, die sich an Stiftungen richtet?
Matthias Steinhauer:
Wir unterstützen Stiftungen bei der strategischen Vermögensplanung und auch bei der Vermögensverwaltung. Dabei fällt uns immer wieder auf, dass Stiftungsverantwortliche großen Informationsbedarf bei diesen Themen haben. Außerdem besteht große Unsicherheit bezüglich der rechtlichen Bedingungen. Um diesen Informationsbedarf zu decken, wollen wir unseren Beitrag leisten.

DIE STIFTUNG: Also ist es vor allem eine Veranstaltung, die versucht Wissenslücken zu schließen?
Steinhauer:
Es gibt ja zwei wichtige Themen für jede Stiftung: Das ist einmal die operative Unterstützung von Projekten, die an erster Stelle steht und daneben natürlich auch die Bildung eines Fundaments, um die Projektarbeit überhaupt zu ermöglichen. Dazu gehört eine möglichst schlanke Verwaltung, aber auch, falls nötig, ausgebildetes Fachpersonal in den Gremien. Und da schließt sich dann der Kreis zu einer langfristigen Finanzplanung.

DIE STIFTUNG: Was wird denn Ihrer Meinung nach ein Highlight der Veranstaltung?
Steinhauer:
Ich erwarte mir viel von einem Vortrag zu Recht und Aufsicht, der vielleicht die Furcht vor der gefühlten Allmacht der Aufsichten ein bisschen mindern kann. Stiftungen sollen einfach wissen, wie sie sich kompetent und mit überzeugenden Argumenten mit der Aufsicht auseinandersetzen. Gerade was den Netzwerkgedanken betrifft, könnte zudem der Vortrag „Stiftungsmanagement: Stiftungen gestalten!“ ein echter Höhepunkt werden.

DIE STIFTUNG: StiftungsFORUM ist nun die eine Sache, Westfalen eine andere. Warum gerade Westfalen als Veranstaltungsort?
Steinhauer:
Weil wir da unseren Sitz haben. (lacht) Zum anderen, weil wir in Westfalen einen ausgeprägten Mittelstand haben, und vermuten, dass nicht wenige unter Ihnen potenzielle Stifter sind. Die wollen wir mit der Veranstaltung natürlich genauso ansprechen wie die Entscheider in Stiftungen, also Vorstände und Kuratoren.

DIE STIFTUNG: Und die brauchen Lösungen angesichts des aktuellen Umfeld. Was denken Sie, was in der Vermögensanlage und daneben derzeit die größten Herausforderungen für Stiftungen sind?
Steinhauer
: Für die Stiftungen im Allgemeinen vermag ich das nur mittelbar zu beurteilen. Ich kann mir vorstellen, dass die Bewältigung der Projekte in diesem finanziellen Umfeld nicht einfach ist, aber da schließt sich wieder der Kreis zur Finanzierung dessen. In der Vermögensanlage liegt die Herausforderung ganz klar in der finanziellen Repression. Dass der Nominalwert des Stiftungskapitals durch Inflation angegriffen wird und durch die Verzinsung der Inflationsverlust nicht aufgefangen werden kann, ist definitiv ein Problem. Zudem sind die Zinsen auch nominell so niedrig, dass Finanzierungsmöglichkeiten für Projekte stark gelitten haben.

DIE STIFTUNG: Es gab ja bereits in der Vergangenheit repressive Maßnahmen im Zuge einer finanziellen Repression. Was könnten Wege sein, um dem zu entkommen?
Steinhauer: Um dem zu entgehen, muss man unserer Meinung nach mehr in Sachwerte investieren, die zwei Vorteile bieten: Zum einen sind die Renditen aus Dividendenerträgen bei Aktienanlagen inzwischen deutlich höher als bei festverzinslichen Papieren, und zum zweiten ist das damit verbundene Risiko im Fall, dass unser Finanzgefüge versagt, natürlich deutlich geringer. Denn ein Unternehmen, das Produkte anbietet, die wir täglich brauchen, wird eine Krise überleben und seinen Inhabern auf lange Sicht Erträge sichern. Währenddessen könnte sich Nominalkapital im schlimmsten Fall in den reinen Papierwert auflösen. Hier müssen sich Stiftungen in der Vermögensanlage verstärkt umsehen.

DIE STIFTUNG: Haben Sie vielen Dank für diesen Ausblick auf das StiftungsFORUM Westfalen.

Das Interview führten Jennifer E. Muhr und Tobias M. Karow.

Hier können Sie sich für das StiftungsFORUM Westfalen anmelden.

Matthias Steinhauer ist Geschäftsführer der in Bielefeld ansässigen CONCEPT Vermögensmanagement GmbH & Co KG.

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