07.05.2019 | Von Martina Benz

„Zuerst muss klar sein, was man möchte“

Am 10. Mai steht die „Crème de la Crème der lateinamerikanischen Musikszene Münchens“ – wie Miguel García Núñez es definiert – im Eine-Welt-Haus auf der Bühne und erhält dafür nicht einen Cent Gage. García Núñez gibt Einblick in die Organisation des Benefizkonzerts.

García Núñez
Ein Teil des Organisationsteams um Miguel García Núñez beim letzten Treffen vor der Veranstaltung (von links): Alejandra Maldonado, José Narea, Miguel García Núñez, Rodolfo Mariño, Gastón Alvarez, José Maldonado Foto: Martina Benz

Am 10. Mai veranstalten Sie ein Benefizkonzert für eine erkrankte Freundin. Wieso haben Sie sich für diese Form der Hilfe entschieden?
Miguel García Núñez: Alejandra ist Musikerin – sie ist die Sängerin der Münchner Band Palo Santo. Also lag es auf der Hand, die Kontakte zur Musikszene zu nutzen. Außerdem habe ich selbst viel Erfahrung in der Organisation solcher Events, da ich in der Kulturszene hier in München sehr aktiv bin. So habe ich auch Alejandra Maldonado kennengelernt, mit der ich gemeinsam beschloss, dieses Konzert auf die Beine zu stellen.

Stecken nur Sie beide hinter der Veranstaltung?
García Núñez: Nein. Sobald wir einen Veranstaltungsort gefunden hatten, kontaktierten wir weitere Menschen, von denen wir glaubten, sie könnten Interesse an der Sache haben. Letztendlich hat sich eine Gruppe von neun Personen zusammengefunden, mindestens 15 weitere haben uns nach und nach kontaktiert und uns ihre Hilfe angeboten. Sie stehen bereit und unterstützen uns, wo und wie wir es brauchen. Im Kernteam sind wir aber zu neunt.

Wieso haben Sie den Rest nicht auch mit ins Team aufgenommen?
García Núñez: Wenn zu viele Leute mitreden wollen, wird es unmöglich, Entscheidungen zu treffen. Das ist schon zu neunt manchmal kompliziert genug (lacht).

Wie treffen Sie denn Entscheidungen?
García Núñez: Wir setzen uns vor jedem Treffen ein Zeitlimit, damit es sich nicht zu sehr ausdehnt. Meistens sind das drei Stunden. In der Regel sprechen wir über alles, was entschieden werden muss und kommen so zu einer Einigung. Sollte das nicht funktionieren, wird abgestimmt. Das war bislang aber nur einmal nötig. Sobald eine Entscheidung gefallen ist, übernimmt eine Person dafür die Verantwortung und muss die Aufgabe bis zum nächsten Treffen erledigt haben

Wie oft treffen Sie sich?
García Núñez: Bislang haben wir uns dreimal getroffen, und dabei wird es wohl auch bleiben. Alles andere lief über die sozialen Medien, die uns sehr bei der Organisation geholfen haben.

Inwiefern?
García Núñez: Wir konnten auf diesem Weg sehr schnell und sehr einfach offene Fragen klären, ohne dass wir uns ständig treffen mussten. Unsere Initiative hat eine sehr aktive Whatsapp-Gruppe. Außerdem waren Facebook und E-Mail – neben der guten alten Mund-zu-Mund-Propaganda – die perfekten Medien, um die Veranstaltung bekannt zu machen.

Wie ist das Ganze finanziert?
García Núñez: Die Miete des Veranstaltungsraums übernimmt der Lateinamerika-Arbeitskreis (LAK) des Vereins Nord-Süd-Forum München. Weitere Ausgaben strecken wir vor. Viel ist das aber nicht, da alle Künstler kostenlos auftreten.

Wie haben Sie das geschafft?
García Núñez: Als die Musiker, die Alejandra kennen, von dem Konzert erfahren haben, wollten sie alle mitmachen. Es werden wohl etwa 25 Personen auf der Bühne stehen – und es hätten noch viel mehr sein können. Leider darf das Event nur bis 24 Uhr gehen.

Und mit dem Eintritt für das Konzert erwirtschaften Sie das Geld?
García Núñez: Nein – wir haben uns dagegen entschieden, Eintritt zu verlangen. Stattdessen darf jeder auf Spendenbasis rein. Wir erhoffen uns davon sogar noch mehr Einnahmen. Außerdem wird es eine Tombola mit gespendeten Preisen geben, und wir verkaufen lateinamerikanischen Essen, das wir selbst zubereiten.

Wie viele Besucher erwarten Sie?
García Núñez: 120 Personen werden es auf jeden Fall sein. Vielleicht sogar bis zu 300. Dann wird es eng im Eine-Welt-Haus. Wir überlegen deshalb schon, auch draußen Tische aufzustellen, in der Hoffnung, dass das Wetter mitspielt. Das werden wir aber noch diskutieren.

Wieso haben Sie sich nicht für einen größeren Veranstaltungsort entschieden?
García Núñez: Es ist in München schwierig, überhaupt etwas zu finden. Wir wollten das Konzert schon vor Monaten veranstalten und haben erst für Mai eine Zusage erhalten. Eine andere Option gab es nicht. Wir sind aber sehr zufrieden: Das Eine-Welt-Haus unterstützt uns wunderbar.

Nach all Ihren Erfahrungen: Was ist in Ihren Augen das A und O, um eine erfolgreiche Benefizveranstaltung auf die Beine zu stellen?
García Núñez: Zuerst muss klar sein, was man möchte. Das klingt banal, wird aber oft übersehen. Man möchte etwas machen, weiß aber nicht so recht wie. Solange die drei grundlegenden Fragen „Was?“, „Wann?“ und „Wo?“ nicht geklärt sind, braucht man sich auch an keine Unterstützer oder Mitstreiter wenden. Das verläuft dann alles im Sand. Gerade hier in Deutschland, wo ein strukturiertes Vorgehen üblich ist, müssen diese Fragen geklärt sein, bevor man sich beispielsweise an das Kulturreferat, das Sozialreferat oder den Migrationsbeirat wendet und um Unterstützung bittet. Auch wird erst bei Beantwortung dieser Fragen klar, wer als Förderer überhaupt infrage kommt. Und auch im Freundeskreis tut man sich leichter, wenn die Rahmenbedingungen schon mal festgesteckt sind.

Foto: Martina Benz

Miguel García Núñez hat seit er vor 44 Jahren nach München zog bei mehreren Fernsehsendern gearbeitet und war in verschiedenen lateinamerikanischen Kulturorganisationen aktiv: zwei Jahre lang beim Morgen e.V., heute für die Initiative Lateinamerika Arte & Kultur, die er gemeinsam mit weiteren Chilenen gegründet hat.

 

 

 

 

 

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Bei Alejandra Marini Wurde vor Monaten Krebs diagnostiziert. Sie hat sich für einen alternativen Behandlungsansatz entschieden. Um diesen bezahlen zu können, fehlen ihr aber die Mittel. Ein Benefizkonzert – organisiert von einer Gruppe engagierter Freunde – soll nun Abhilfe schaffen. Weitere Informationen finden Sie hier.

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