25.06.2014 | Von Die Stiftung

Die Fugger und die Falschparker

Der Zürcher Stiftungsrechtstag stand in diesem Jahr unter einem Motto, das weit über juristische Fragen hinausging. Die Vorträge und Diskussionsrunden zu „Stiftung und Familie“ gaben auch Gelegenheit, über Gepflogenheiten in Unternehmerfamilien und den sozialverträglichen Einsatz von Vermögen zu sprechen. Von Gregor Jungheim

Einblicke in die heutige philanthropische Arbeit der Fugger gab Isabella Gräfin von Thun.
Einblicke in die heutige philanthropische Arbeit der Fugger gab Isabella Gräfin von Thun.

Die Familie Fugger ist nicht nur groß, sondern auch weitverzweigt. Und die Nachkommen der legendären Kaufleute aus dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit wären einander längst fremd, wenn es nicht die Fuggerei in Augsburg gäbe. Die gemeinsame Verantwortung für die älteste noch bestehende Sozialsiedlung der Welt sorgt dafür, dass ihre über drei Familienzweige verteilten Verwandten miteinander verbunden bleiben, ist Isabella Gräfin Thun überzeugt. „Wir haben in der Fuggerei schon Geburtstage und Familiengottesdienste gefeiert“, berichtete sie auf dem 3. Zürcher Stiftungsrechtstag in der Aula der Universität. Rund 160 Besucher kamen auf die vom Zentrum für Stiftungsrecht und dem Europainstitut der Hochschule ausgerichtete Veranstaltung, deren Thema diesmal „Stiftung und Familie“ war. Weit über juristische Themen hinaus informierten die Referenten auch zu den Befindlichkeiten in Unternehmerfamilien und stellten Maßnahmen für gelingende Familienphilanthropie vor.

Engagement lässt sich nicht vererben

Welche Erwartungen die Öffentlichkeit an unternehmensnahe Stiftungen hat, machte Patrick Frick deutlich.
Welche Erwartungen die Öffentlichkeit an unternehmensnahe Stiftungen hat, machte Patrick Frick deutlich.

Längst könne ein Unternehmen nicht mehr sagen: „Wir machen Profit und mit der Stiftung ein bisschen Philanthropie“, erläuterte Patrick Frick, Mitbegründer des Beratungsunternehmens Social Investors. „Dafür ist in vielen Branchen der Druck einfach zu hoch.“ So werde bei einem Unternehmen der Bekleidungsindustrie eine Stiftung kaum ernst genommen, die nicht auf Probleme wie Kinderarbeit, Niedriglöhne und gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen reagiere. Auch könne nicht erwartet werden, dass die Kinder das philanthropische Engagement der Eltern weiterführen. „Ich muss ihnen die Wahl lassen“, betonte Frick. Und existiert eine Stiftung tatsächlich über Generationen, könne es ratsam sein, diese mit Hilfe eines externen Beraters neu aufzustellen. Gräfin Thun bestätigte dies aus eigener Erfahrung. Was eine Unternehmergeneration ganz allgemein ihren Kindern hinterlassen sollte, wurde ebenfalls lebhaft diskutiert. Viel Anklang fand in diesem Zusammenhang ein Zitat des US-amerikanischen Investors, Multimilliardärs und Mäzens Warren Buffett: „Hinterlasst euren Kindern genug, um alles tun zu können, aber nicht genug, um nichts tun zu müssen.“ Dr. Lukas Richterich, Vizepräsident des Verwaltungsrates der Ricola AG, gab zu bedenken, dass Geld auch Ursache von psychischen Problemen sein könne. „Wenn Sie allen Herausforderungen im Leben durch den Einsatz von Geld ausweichen können, macht das unglücklich.“ Etwas anders sah dies Stephen Fern, Chef der Finanzberatung Intelligent Wealth auf der Insel Jersey: „Wenn die Kinder mit 25 auf einmal ganz viel Geld haben, ist das nur ein Problem, wenn sie nicht darauf vorbereitet wurden.“

Einen Eindruck, in welcher Form sich Familien philanthropisch betätigen können und welche rechtlichen und steuerlichen Herausforderungen sich dabei stellen, vermittelten Tina Wüstemann und Daniel Bader, Partner der Kanzlei Bär & Karrer. Anhand von stereotypischen, gewollt überzeichneten Beispielen skizzierte Wüstemann eine Auswahl möglicher Stiftertypen und die dabei zu beachtenden rechtlichen Rahmenbedingungen. Zunächst ist da der „Patriarch“, der sich ein Denkmal setzen will. Er traut den Kindern die Unternehmensführung nicht zu und gibt deshalb den größten Teil seines Vermögens an die Stiftung, was insbesondere unter güter- und erbrechtlichen Gesichtspunkten problematisch sein kann. In Sachen Philanthropie ist dieser Stiftertyp oftmals ein Newcomer. Andere Familien sind hingehen aktiv und zum Teil über Generationen der Philanthropie verpflichtet und entsprechend involviert. Oftmals sind Familienmitglieder nicht nur im Stiftungsrat oder der Geschäftsleitung der eigenen Stiftung aktiv, sondern auch in dem von der Stiftung beherrschten Familienunternehmen tätig. Die Stiftung wird so zum „Arbeitgeber“, und es können sich zwischen Stiftung und Unternehmen Interessenkonflikte manifestieren, welchen es in Statuten und Reglementen (Foundation Governance) entsprechend Rechnung zu tragen gilt. Schließlich wurde auch noch der „Falschparker“ dargestellt, der sich vor allem aus steuerlichen und nicht primär philanthropischen Gründen zu einer Stiftungsgründung entschlossen hat. Hier ist die Gefahr des Missbrauchs der Rechtsform Stiftung besonders hoch. „Diese Art von Stifter gehört mit Sicherheit nicht zu unseren Stammkunden“, betonte Wüstemann.

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