04.08.2015 | Von Die Stiftung

Geldquelle mit Tücken

Mittelüberlassungen an Stiftungen und Mittelgewährungen durch Stiftungen sind in Zeiten knapper Ressourcen und fehlender Renditechancen en vogue. Stiftungen, die davon in größerem Umfang Gebrauch machen wollen, sollten jedoch in Erfahrung bringen, ob sie hierfür eine behördliche Genehmigung benötigen.

Mittelüberlassungen an Stiftungen und Mittelgewährungen durch Stiftungen sind in Zeiten knapper Ressourcen und fehlender Renditechancen en vogue. Stiftungen, die davon in größerem Umfang Gebrauch machen wollen, sollten jedoch in Erfahrung bringen, ob sie hierfür eine behördliche Genehmigung benötigen.
Von Gabriele Ritter

 

Viele Bürger besitzen zwar beachtliche Barwerte, sind aber auch auf die Verfügbarkeit des Geldes angewiesen. Sei es, weil die staatliche Rente nicht auskömmlich ist, oder um Reserven für den Fall der Pflegebedürftigkeit zu haben. Als populäres Fundraising-Instrument für diese Zielgruppe hat sich in den vergangenen Jahren das Stifterdarlehen entwickelt.

Bei diesem handelt es sich zunächst um ein klassisches Darlehen an eine gemeinnützige Stiftung. Der Darlehensgeber stellt den vereinbarten Geldbetrag allerdings zinslos zur Verfügung, damit die Stiftung mit den aus der Vermögensanlage erzielten Zinsen ihre steuerbegünstigten Zwecke verwirklichen kann. Über den Darlehensvertrag verpflichtet sich die Stiftung, den zur Verfügung gestellten Betrag im Fall einer Kündigung oder zu einem bestimmten Termin an den Darlehensgeber zurückzugewähren.

Geworben wird mit einer sicheren Geldanlage. Der Euro ist schwach, die Anlage in Aktien häufig zu riskant, Immobilien sind überteuert – und Sparen ist aufgrund der dauerhaften Niedrigzinsen nicht interessant. Das Geld bleibt z.B. für die persönliche Absicherung des Darlehensgebers erhalten, gleichwohl kann damit eine Zeit lang sinnvolle Unterstützung geleistet werden.

Keine Spendenquittung, aber auch keine Abgeltungsteuer
Steuerliche Vorteile für den Darlehensgeber sind mit der Gewährung von Stifterdarlehen eher nicht verbunden. Ihm kann weder in Höhe der Darlehenssumme noch in Höhe der entgangenen Zinsen eine Zuwendungsbestätigung ausgestellt werden. Der Darlehensgeber behält schließlich ein Rückgewährsrecht an seinem Vermögen, und die Zinserträge fallen nicht bei ihm, sondern bei der Stiftung an. Damit trifft ihn aber auch keine Abgeltungsteuer. Steuerliche Vorteile können erst dann genutzt werden, wenn sich der Darlehensgeber dazu entschließt, die gewährten Geldmittel in eine Zustiftung oder auch in eine Spende umzuwandeln.

DarlehenGrundlage für das Stifterdarlehen ist ein Darlehensvertrag zwischen dem Darlehensgeber und der Stiftung. Dieser ist – wie jeder andere Vertrag – letzten Endes verhandelbar. Wichtige Klauseln sind diejenigen zur Rückgewähr des Darlehens. Für den Darlehensgeber ist eine unbestimmte Laufzeit mit Kündigungsfristen gegenüber festen Laufzeiten in der Regel die bessere Wahl. Schließlich können bei dem Darlehensgeber unvorhergesehene Situationen eintreten, die einen vorzeitigen Zugriff auf das Geld erfordern. Umgekehrt liegt es natürlich im Interesse der Stiftung, möglichst lange über das Geld zu verfügen, damit sie ihre Zwecke nachhaltig erfüllen kann.

Das Risiko des Darlehensgebers wird als überschaubar dargestellt, da die Stiftung nur in wertsichere Anlagen investieren soll. Gleichwohl empfiehlt sich insbesondere bei höheren und/oder für den Darlehensgeber individuell bedeutsamen Beträgen, die Rückzahlung beispielsweise über eine Bankbürgschaft abzusichern. Aber auch ein Spenden- oder Qualitätssiegel kann bereits als Nachweis für die Seriosität der Stiftung bürgen.

Soweit Stiftungen selbst Darlehen vergeben, ergeben sich zahlreiche gemeinnützigkeitsrechtliche Fragestellungen. Grundsätzlich unterliegen steuerbegünstigte Körperschaften dem in § 55 Absatz 1 der Abgabenordnung (AO) geregelten Gebot der Selbstlosigkeit. Sie müssen ihre Mittel demnach zeitnah und für ihre eigenen steuerbegünstigten Zwecke verwenden.

Unschädlich ist die Vergabe von Darlehen also dann, wenn die Stiftung damit selbst unmittelbar ihre steuerbegünstigten Zwecke verwirklicht. Dies wird von der Finanzverwaltung beispielsweise bei der Darlehensvergabe an Nachwuchskünstler für die Anschaffung von Instrumenten oder im Rahmen von Stipendien für die wissenschaftliche Ausbildung anerkannt. Voraussetzung ist, dass sie zu günstigeren Bedingungen erfolgt als zu den allgemeinen Konditionen am Kapitalmarkt.

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