17.03.2012 | Von Die Stiftung

Hannover: Stiftungslandschaft mit Tradition und Engagement

Die Tradition der Stiftungslandschaft in und um Hannover reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Und die Stiftungsszene im Herzen von Niedersachsen ist bis heute lebendig. Ein starkes Netzwerk, das von der Landeshauptstadt ausgeht, hält die Stiftungen zusammen. Insgesamt 574 Organisationen haben derzeit ihren Sitz im früheren Regierungsbezirk Hannover. Seit Januar 2011 wird die Stiftungsaufsicht in dieser Region vom Innenministerium selbst ausgeübt.

Aber auch bedingt durch den demografischen Wandel und verstärkte Erbenlosigkeit gewinnt die Stiftungserrichtung von Todes wegen zunehmend an Bedeutung und macht eine kontinuierliche Überwachung des Stifterwillens durch die Stiftungsaufsicht notwendig.

Banken, Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer entdecken den Stiftungsbereich zunehmend als lukratives Geschäftsfeld. Dies ist nicht verwunderlich, beträgt doch das Grundstockvermögen aller Stiftungen im Raum Hannover rund 3,7 Mrd. EUR.

Nicht nur die ausführliche Beratung in der Gründungsphase einer Stiftung, sondern auch die Gewissheit, dass der Stifterwille nach dem Tode des Stifters durch die Aufsicht konsequent überwacht und notfalls auch hoheitlich durchgesetzt wird, macht die Qualität einer guten Stiftungsbehörde aus.

Bei Verstößen oder Unregelmäßigkeit wendet die Stiftungsaufsicht das gesamte ihr zur Verfügung stehende Instrumentarium an. Leider war die Behörde in einigen Fällen auch schon zur gerichtlichen Verfolgung von Auflagen gezwungen, insbesondere in den Bereichen der sparsamen Mittelverwendung für die Verwaltung der Stiftungen.

In enger Zusammenarbeit mit dem zentralen für Gemeinnützigkeit zuständigen Finanzamt in Hannover konnte bisher bei allen notwendig gewordenen Aufsichtsmaßnahmen – wie Beanstandung, Anordnung oder gar der Abberufung eines Organmitglieds – doch noch eine Lösung unter Wahrung der Gemeinnützigkeit gefunden werden.

Auch nach Aufsichtsmaßnahmen wurde den Stiftungen immer die ausgestreckte Hand gereicht. Der Dialog mit den Stiftungen wurde nie abgebrochen, allerdings – wenn nötig – mit den notwendigen Aufsichtsinstrumenten flankiert. Hier hat sich insbesondere das Mediationsverfahren vor dem Verwaltungsgericht Hannover als hilfreich erwiesen. So konnte selbst in schwierigsten Problemlagen eine Vereinbarung getroffen und ein kostspieliges Verwaltungsgerichtsverfahren vermieden werden.

Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport
Einzugsgebiet: früherer Regierungsbezirk Hannover (2,17 Mio. Einwohner) Zahl der Stiftungen: 574 (Stand: 1.6.2011)
Stiftungsdichte: 27,3 Stiftungen pro 100.000 Einwohner (Stand: 30.9.2010)
Bekannte Stiftungen: VolkswagenStiftung, Robert Enke-Stiftung, Deutsche Stiftung Weltbevölkerung
Neugründungen 2010: 27

Hannover_OehlmannEric Oehlmann
ist Leiter des Stiftungsbereiches im Niedersächsischen Innenministerium. Dieser besteht aus den Grundsatzangelegenheiten, wie z.B. der Betreuung des Niedersächsischen Stiftungsgesetzes, sowie der Stiftungsaufsicht.

Artikel teilen