18.02.2019 | Von Jannis Benezeder

Was ist eine Treuhandstiftung? Gründung, Vorteile, Nachteile

Sie ist der „Hidden Champion“ unter den Stiftungen: die Treuhandstiftung. Im Dialog mit Rechtsanwalt Markus Heuel vom Deutschen Stiftungszentrum hat DIE STIFTUNG die wichtigsten Informationen rund um Gründung, Vor- und Nachteile einer Treuhandstiftung zusammengestellt.

Was ist eine Treuhandstiftung?
Ein Vertrauensverhältnis zwischen Stifter und Treuhänder ist Grundlage dafür, eine Treuhandstiftung zu gründen. Foto: fizkes/iStock/Getty Images

Die Anzahl der Treuhandstiftungen in Deutschland wird auf weit über 20.000 geschätzt, genaue Zahlen gibt es nicht. Unter anderem der geringe Verwaltungsaufwand macht diese Form der Stiftung für Philanthropen attraktiv. DIE STIFTUNG hat alle wesentlichen Informationen rund um die Treuhandstiftung zusammengetragen. Dafür stand Rechtsanwalt Markus Heuel, Mitglied der Geschäftsleitung des Deutschen Stiftungszentrums, Rede und Antwort zu Fragen rund um Gründung, Treuhänder sowie Vor- und Nachteile der Treuhandstiftung.

Kurz und knapp: Was ist eine Treuhandstiftung?

Eine Treuhandstiftung – auch als unselbständige, nichtrechtsfähige oder fiduziarische Stiftung bezeichnet – wird durch einen Vertrag zwischen einem Stifter und einem Treuhänder errichtet. Der Stifter überträgt das Stiftungsvermögen dem Treuhänder unter bestimmten Auflagen: So muss der Treuhänder das Stiftungskapital getrennt von seinem eigenen Vermögen verwalten und die Erhaltung des Vermögens anstreben. Die Erträge aus dem Vermögen darf der Treuhänder nur für die in der Stiftungssatzung festgelegten Zwecke verwenden.

„Die Treuhandstiftung ist die ursprüngliche Form der Stiftung.“
Markus Heuel, Mitglied der Geschäftsleitung des Deutschen Stiftungszentrums

Historisch betrachtet waren Stiftungen immer Treuhandstiftungen. „Die Treuhandstiftung ist die ursprüngliche Form der Stiftung“, sagt Heuel. Die Möglichkeit, eine rechtsfähige Stiftung zu gründen, besteht erst seit Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) im Jahre 1900.

Welche Unterschiede bestehen zu der rechtsfähigen Stiftung?

Treuhandstiftungen sind – anders als rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts – keine eigenen Rechtspersonen. „Bei der rechtsfähigen Stiftung kann der Vorstand beispielsweise eigenständig ein Konto für die Stiftung eröffnen“, sagt Heuel. Bei einer Treuhandstiftung geht das nicht. Diese wird in rechtlichen Angelegenheiten durch den Treuhänder vertreten.

Dennoch sind Treuhandstiftungen keine Stiftungen zweiter Klasse: „Auch die Treuhandstiftung ist eine vollwertige Stiftung im deutschen Rechtssystem. Andere Rechtssysteme kennen nur Treuhandstiftungen“, sagt Heuel. Auch steuerrechtlich werden Treuhandstiftungen wie rechtsfähige Stiftungen behandelt.

Wie viele Treuhandstiftungen gibt es in Deutschland?

Die Zahl der Treuhandstiftungen in Deutschland wird auf weit über 20.000 geschätzt. Genaue Angaben gibt es nicht. „Es gibt definitiv deutlich mehr Treuhandstiftungen als rechtsfähige Stiftungen“, so Heuel. Die Zahl der rechtsfähigen Stiftungen beziffert der Bundesverband auf rund 22.000.

Wie gründe ich eine Treuhandstiftung?

Die Stiftung interviewte Markus Heuel zum Thema Treuhandstiftungen.
Markus Heuel ist Mitglied der Geschäftsleitung des Deutschen Stiftungszentrums. Foto: Deutsches Stiftungszentrum

Bevor es an die Gründung geht, sollten potentielle Stifter die für sie geeignete Stiftungsform finden, rät Heuel. „Der Stifter und das Motiv sind entscheidend. Für fördernde Stiftungen ist die Treuhandstiftung möglicherweise die beste Lösung“, so Heuel. Beratung erhalten Interessierte durch die Stiftungszentren, aber auch durch spezialisierte Rechtsanwälte und gemeinnützige Organisationen wie das Haus des Stiftens.

Fällt die Wahl auf die Treuhandstiftung, muss ein Vertrag zwischen Stifter und Treuhänder als Träger der Stiftung geschlossen werden. Hierbei handelt es sich um einen Schenkungsvertrag. Grundsätzlich schreibt das Gesetz für einen Schenkungsvertrag eine notarielle Beurkundung vor. Indem der Stifter das Vermögen aushändigt und dadurch das Schenkungsversprechen vollzieht, ist der Vertrag bereits wirksam. Somit ist in diesem Fall ausnahmsweise keine Beurkundung durch einen Notar notwendig. Mit Abschluss des Vertrages entsteht die Treuhandstiftung; die Stiftungsaufsicht ist nicht beteiligt.

Die Gemeinnützigkeit ihrer Stiftung müssen Stifter bei der zuständigen Finanzbehörde beantragen. Hier gilt: Erst mit Zuerkennung der Gemeinnützigkeit ist eine Stiftung steuerprivilegiert und darf Zuwendungsbestätigungen für Spenden ausstellen.

Für welche Stifter eignet sich eine Treuhandstiftung?

Eine Treuhandstiftung zu unterhalten, ist mit geringerem Verwaltungsaufwand verbunden als das Führen einer rechtsfähigen Stiftung. Die Entlastung von Verwaltungsaufgaben und die Möglichkeit, mehr Zeit und Energie auf die inhaltliche Arbeit verwenden zu können, ist das meistgenannte Motiv für die Wahl einer Treuhandstiftung, so das Ergebnis der oben genannten Studie.

Wer kommt als Treuhänder in Frage?

Treuhänder, das heißt Träger der Treuhandstiftung, kann grundsätzlich jede natürliche oder juristische Person sein. Oftmals werden andere Stiftungen oder eine Stiftungsverwaltung als Treuhänder eingesetzt. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen zählt 800 Treuhänder für Stiftungen in Deutschland.

In der Studie „Stifterinnen und Stifter in Deutschland“ unterscheidet der Bundesverband drei Gruppen von Treuhändern:

  1. Etablierte Treuhänder, die offen für alle Stiftungen sind und besondere Kompetenz in der Stiftungsverwaltung haben. Hierzu zählen gewerbliche und gemeinnützige Stiftungszentren (z.B. das Deutsche Stiftungszentrum oder das Haus des Stiftens).
  2. Treuhänder, die einen regionalen oder inhaltlichen Schwerpunkt setzen. Hierzu zählen Bürgerstiftungen, die per definitionem nur in ihrer Region tätig sind, Kommunen, die regionale Stiftungen verwalten, sowie gemeinnützige Dachstiftungen, Vereine oder Verbände, die Stiftungen mit ähnlichen Zwecken betreuen (z.B. Deutsche Stiftung Denkmalschutz oder Stiftung Kinderfonds).
  3. Drittens lassen sich die Treuhänder anführen, die direkt an einen bestimmten Träger gebunden sind, dem ein Teil der Stiftungsmittel zugutekommt, so zum Beispiel Theater, Universitäten, Kirchengemeinden oder Forschungszentren.

Die Konditionen unterscheiden sich von Treuhänder zu Treuhänder. Bei manchen Trägern ist das Führen der Treuhandstiftung kostenfrei.

Was sind die Vorteile einer Treuhandstiftung?

Treuhandstiftungen weisen folgende Vorteile auf:

  • Es entstehen geringere Kosten als beim Gründen einer rechtsfähigen Stiftung.
  • Eine Treuhandstiftung zu gründen geht schnell: Die Gründung kann in etwa vier Wochen durchgeführt werden, wohingegen die Errichtung einer selbständigen Stiftung oft mehrere Monate in Anspruch nimmt.
  • Bei der Treuhandstiftung können sowohl die Stiftungsarbeit als auch die Stiftungsverwaltung nahezu vollständig auf den Treuhänder übertragen werden.
  • Eine Treuhandstiftung genießt die gleichen steuerlichen Vorteile wie eine selbständige Stiftung.

„Bei der Treuhandstiftung gibt es keine Stiftungsaufsicht, die den Stifter in seiner Willensbildung einschränken könnte.“
Markus Heuel

Anders als eine rechtsfähige Stiftung verfügt eine Treuhandstiftung über keine eigene Rechtspersönlichkeit. Die Treuhandstiftung bedarf somit keines staatlichen Anerkennungsakts und untersteht auch nicht der staatlichen Aufsicht. Das birgt gewisse Vorteile: „Bei der Treuhandstiftung gibt es keine Stiftungsaufsicht, die den Stifter in seiner Willensbildung einschränken könnte“, sagt Heuel. Letzten Endes ist dieser Vorteil aber nur die eine Seite der Medaille, wie im Folgenden zu sehen ist.

Welche Nachteile gibt es?

Aber die Form der Treuhandstiftung birgt auch einige Risiken und Nachteile:

  • Dass die Treuhandstiftung keiner staatlichen Stiftungsaufsicht untersteht, kann beispielsweise dann problematisch werden, wenn der Treuhänder bei der Mittelverwendung die Satzung sehr großzügig interpretiert.
  • Es besteht eine hohe Abhängigkeit vom Treuhänder. Dies gilt auch finanziell: Da das Risiko einer Insolvenz des Treuhänders besteht, sollte sich der potentielle Stifter immer auch fragen: Wie ist der Treuhänder finanziell aufgestellt?
  • Da die Treuhandstiftung keine Rechtspersönlichkeit besitzt, kann sie selbst nicht Träger von Rechten und Pflichten sein.
  • Die Treuhandstiftung kann nicht ehrenamtlich geführt werden.

Worauf sollte ich bei der Wahl eines Treuhänders achten?

„Eine der ersten Überlegungen als Stifter sollte sein, wie sich der Treuhänder hinsichtlich Transparenz positioniert“, sagt Heuel. Ein Qualitätsmerkmal sind Siegel. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen verleiht zum Beispiel seit 2014 ein Qualitätssiegel für gute und transparente Treuhandstiftungsverwaltung. Derzeit tragen 29 Organisationen das Siegel. Auch das Verhältnis zwischen Stifter und Treuhänder ist wichtig. „Entscheidend ist die Frage, wie viel Vertrauen man in den Treuhänder hat.“

Wie kündige ich eine Treuhandstiftung?

In der Regel ist ein Schenkungsvertrag endgültig. „Man kann dem Stifter aber das Recht einräumen, die Stiftung in eine rechtsfähige Stiftung umzuwandeln oder einen anderen Träger zu wählen“, sagt Heuel. „Was viele Stifter erschreckt: Die Gründung einer Stiftung verselbständigt die Stiftung vom Stifter. Sie hat eigene Rechte, auch dem Stifter gegenüber.“

Wie läuft der Übergang in eine rechtlich selbständige Stiftung ab?

Die Treuhandstiftung kann in eine rechtlich selbständige Stiftung überführt und somit als Vorstufe zu dieser eingesetzt werden. Dass eine solche Überführung möglich ist, sollte der Stifter im Schenkungsvertrag festhalten. „Der Stifter sollte die Zügel in der Hand behalten“, so Heuel.

„Der Stifter sollte die Zügel in der Hand behalten.“
Markus Heuel

Die Möglichkeit der Umwandlung kann ein Gestaltungsinstrument sein. Beispielsweise wenn die zur Verfügung stehenden Mittel zunächst begrenzt sind und erst später durch Zustiftungen, Zuwendungen oder Spenden aufgestockt werden sollen. Zudem können Stifter Stiftungszweck und konkrete Fördermaßnahmen zunächst testen und nachträglich noch anpassen. Dies ist bei einer rechtlich selbständigen Stiftung unter Einbeziehung der Stiftungsaufsicht nur sehr eingeschränkt möglich.

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