20.06.2018 | Von Die Stiftung

Ethos-Stiftung besinnt sich auf eigene Corporate Governance

Dominique Biedermann hat sich nicht zur Wiederwahl gestellt für die Präsidien von Ethos-Stiftung und Ethos Services. Es gibt jedoch die Befürchtung, der neue Präsident, Ex-SP-Nationalrat Rudolf Rechsteiner, könnte die Stiftung politisieren.

Ethos-Stiftung
Rudolf Rechsteiner (rechts) ist neuer Präsident der Ethos-Stiftung., Foto: Ethos-Stiftung

Bei der Versammlung der Mitstifter der Ethos-Stiftung und der Generalversammlung von Ethos Services sind Rudolf Rechsteiner einstimmig zum Präsidenten der Ethos-Stiftung und Beth Krasna einstimmig zur Präsidentin von Ethos Services gewählt worden. Sie treten die Nachfolge von Dominique Biedermann an, der sich nach 21 Jahren ununterbrochenen Engagements nicht mehr zur Wiederwahl stellte. Dies teilte die Ethos-Stiftung auf ihrer Website mit.

Die Ethos-Stiftung war Ende des vergangen Jahres in Kritik geraten: Während sie anderen Institutionen bei der Corporate Governance auf die Finger schaut, kam es in der eigenen Führungsetage über die Jahre zu einer Machtballung. Aus Protest gegen die zunehmende Ämteranhäufung sind im Dezember zwei Stiftungs- bzw. Verwaltungsrätinnen öffentlichkeitswirksam zurückgetreten. Die Ethos-Stiftung gab sich erstaunt darüber und beteuerte gleichzeitig, sie hätten bereits einstimmig beschlossen, eine Selbstevaluation durchzuführen, die Anfang 2018 beschleunigt werden soll (DIE STIFTUNG berichtete). Entsprechend teilte Biedermann auch bereits im Januar mit, dass er die beiden Präsidien an der Generalversammlung abgebe.

Aktualisierung (5.9.2018): Im Zusammenhang mit einer Recherche für die gedruckte Schweiz-Ausgabe stellt Ethos die Hintergründe folgendermassen da: „Ethos ist bezüglich ihrer eigene Corporate Governance offen und transparent und konsequent wie kaum eine anderer Organisation. (…) Die Gremien wurden immer demokratisch besetzt. Die ‚Machtballung‘ war ein Wort, das die zwei ausgeschiedenen Stiftungs- und Verwaltungsrätinnen verwendet hatten. (…) Es ist und bleibt eine Behauptung und kein Fakt.“ Seine sicht der Dinge gibt Ethos-Geschäftsführer Vincent Kaufmann im Leitartikel der Schweiz-Ausgabe Oktober 2018 wieder.

Politisierung der Ethos-Stiftung befürchtet

Rechsteiner zeigte sich erfreut über seine Wahl als Präsident der Ethos-Stiftung: „Es ist mir ein Anliegen, dass die Ethos Stiftung ihre Aufgaben weiterhin unabhängig und professionell im Dienste der beteiligten Pensionskassen weiterverfolgen kann.“ Es gelte, so Rechsteiner, die Förderung verantwortungsvoller Anlagen und einer nachhaltigen Entwicklung weiterzuführen. „Ethos wird heute in der Schweiz sowohl von den Pensionskassen als auch von der Zivilgesellschaft als massgeblicher Akteur auf diesem Gebiet anerkannt und das soll so bleiben“, so der neue Präsident.

Nicht ganz so erfreut über Rechsteiners Amt zeigte sich die NZZ: Laut ihren Recherchen im Vorfeld der Wahl wurden erste Befürchtungen laut, Ethos könnte politisiert werden. Die NZZ zitierte dazu Peter Wirth vom Verein Vorsorgeforum, der im Bereich der beruflichen Vorsorge tätig ist. Wirth bemängelte, dass mit der Wahl des ehemaligen SP-Nationalrats Rechsteiner eine politische Note ins Spiel komme, die problematisch sei und „kaum allen Mitgliedern in den Kram passen dürfte“.

Ethos: Stiftung, Unternehmen und Verein

Die Ethos-Stiftung für nachhaltige Entwicklung wurde 1997 von zwei Genfer Pensionskassen gegründet. Heute schliesst sie mehr als 220 Pensionskassen und andere steuerbefreite Institutionen zusammen. Sie soll eine nachhaltige Anlagetätigkeit fördern und sich für ein stabiles und gesundes Wirtschaftsumfeld einsetzen, das die Interessen der Gesellschaft als Ganzes langfristig wahrt.

Zur Erreichung ihrer Ziele hat die Ethos-Stiftung das Unternehmen Ethos Services gegründet. Dieses ist auf nachhaltige Vermögensanlagen (Socially Responsible Investment, SRI) spezialisiert und richtet sich vorrangig an institutionelle Investoren. Ethos Services ist im Besitz der Ethos Stiftung und 17 ihrer Mitglieder. Der Verein Ethos Académie steht Privatpersonen zur Mitgliedschaft offen, die die Aktivitäten von Ethos unterstützen möchten. 2012 von der Ethos-Stiftung lanciert, hat der Verein zurzeit ca. 200 Mitglieder und führt Sensibilisierungsaktivitäten im Bereich nachhaltige Anlagen durch.

www.ethosfund.ch

Anmerkung der Redaktion: Vormals stand im Teaser, dass auch Yola Biedermann sich nicht zur Wiederwahl gestellt habe. Das stimmt so nicht, sie war und ist Mitglied der Geschäftsleitung.

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