Die Ukraine galt einst als Kornkammer der Sowjetunion. Auch heute noch kommt der Landwirtschaft eine bedeutsame Rolle zu; Oligarchen und ausländische Agrarholdings umkämpfen den Markt. Der Schweizer Verein „Schiwa Semlja“ (Lebendige Erde) bietet mithilfe der liechtensteinischen Pancivis Stiftung eine Alternative zu konventionellen Größtbetrieben.

Die Ukraine galt einst als Kornkammer der Sowjetunion. Auch heute noch kommt der Landwirtschaft eine bedeutsame Rolle zu; Oligarchen und ausländische Agrarholdings umkämpfen den Markt. Der Schweizer Verein „Schiwa Semlja“ (Lebendige Erde) bietet mithilfe der liechtensteinischen Pancivis Stiftung eine Alternative zu konventionellen Größtbetrieben.
von Christine Bertschi

 

Um nach Potutory zu kommen, muss man über viele Schlaglöcher durch die weite, leicht hügelige Landschaft fahren. Das Dörfchen, 100 Kilometer südöstlich von der westukrainischen Großstadt Lemberg, liegt zwar fernab von Kriegsschauplätzen – doch Armut und Landflucht lassen wenig Zukunft erahnen. Wäre da nicht „Schiwa Semlja“, ukrainisch für „Lebendige Erde“. Ein Team aus Schweizern und Einheimischen, immer mal mit Ehrenamtlichen und Freiwilligen, baut die zerfallene ehemalige Kolchose zu einem vielseitigen Ökohof und Schulungszentrum um. Mit sehr viel Idealismus und Arbeit entsteht so langsam, aber sicher ein Betrieb, der dem Dorf eine Perspektive bietet.

Kolchose

Die Gebäude stammen noch aus Sowjetzeiten. Foto: Christine Bertschi

Die Gebäude stammen noch aus Sowjetzeiten, es war damals ein guter Betrieb. 700 Kühe und 1.500 Hektar Land gehörten zur Kolchose in Potutory. In den 1990er Jahren wurde der Betrieb zwar nicht gleich aufgegeben, dafür runtergewirtschaftet. Bei der Privatisierung im Jahr 2000 folgte die Auflösung: sowohl Betriebsmittel als auch Boden wurden unter den 250 ehemaligen Mitarbeitenden verteilt. Danach lag das Land brach und die Gebäude verfielen langsam.

Der Traum, in Osteuropa zu gärtnern, wurde Wirklichkeit
Ivan Bojko musste diese Entwicklung miterleben. Der Ukrainer arbeitete schon zu Kolchosezeiten in Potutory und bekam deshalb bei der Privatisierung selbst ein Stück vom Betrieb. Als Lehrer für biologischen Landbau an der Landwirtschaftsschule im nächsten Städtchen knüpfte er Kontakte zu Gleichgesinnten. Zum Schweizer Verein „Schiwa Semlja“ entstand über die Jahre eine Freundschaft und Geschäftspartnerschaft. Zusammen mit Bojko leitet heute Cristina Lieberherr, Mitbegründerin des Vereins, den Betrieb. Die Schweizerin war Gartenbaulehrerin an einer Rudolf Steiner-Schule und erfüllte sich in Potutory einen Traum: in Osteuropa zu gärtnern.

Schiwa Semlja setzt sich für biologisch-dynamische Landwirtschaft in der Ukraine ein. Ökologischer Landbau ist dort noch weitgehend unbekannt, doch eine städtische Mittelschicht beginnt sich für gesunde Ernährung zu interessieren. Und die Dorfbevölkerung besinnt sich auf Omas Anbaumethoden zurück. Zum Betrieb „Schiwa Semlja Potutory GmbH“ gehören heute 200 Hektar Ackerland und 100 Hektar Wiese, zudem 35 Milchkühe. Traditionelle Kulturen wie Hafer, Buchweizen und Weizen, aber auch das in der Ukraine weitgehend unbekannte Dinkel werden angebaut. 25 Mitarbeitern bietet der Betrieb einen Arbeitsplatz und eine Grundeinstellung: Die biodynamische Bewirtschaftung beachtet nicht nur ökologische, sondern auch anthroposophische Grundsätze.

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