25.11.2014 | Von Die Stiftung

Mission Investing im Gesundheitssektor: Dr. Andreas Bischof, nova fund management GmbH, Diskutant bei den Zürcher StiftungsDialoge

DIE STIFTUNG: Sie sind im Gesundheitsbereich aktiv und managen hier einen Aktienfonds. Wo leiten Sie hier eine Form des Mission Investing ab?
Dr. Andreas Bischof: In meinen Augen müssen Stiftungen hier nicht sehr weit um die Ecke denken. Gesundheit ist ein hohes Gut. Seine Produkte und Dienstleistungen sind unverzichtbar. Daher geht uns der Gesundheitssektor nicht nur alle persönlich an, sondern deshalb hat er auch eine große Relevanz für jede Volkswirtschaft. Aus Sicht eines Anlegers hat der Gesundheitssektor den Vorteil, dass er relativ groß ist, es existieren ja allein 3.000 börsennotierte Unternehmen. Interessanterweise gibt es nicht nur Pharma- und Biotechunternehmen, sondern eine sehr heterogene Landschaft von Marktteilnehmern, was es ermöglicht, sehr unterschiedliche Investmentportfolios zu konzipieren. Bezogen auf Stiftungen heißt das, es ist möglich, ein konservativ ausgestaltetes Portfolio mit einem schönen Ausschüttungsprofil zusammenzustellen, das auch – über den Gedankengang der gesellschaftlichen Relevanz des Sektors – einen Einstieg ins Mission Investing bieten kann.

DIE STIFTUNG: Ist es vor allem diese Langfristigkeit, die den Gesundheitssektor für Investments prädestiniert?
Bischof: Die Zeitachsen passen hier ganz gut zusammen. Die Produktentwicklung dauert in dem Sektor vergleichsweise lange, was von Investoren wiederum Durchhaltevermögen und eine gewisse Ausdauer verlangt. Diese verorte ich bei Stiftungen schon. Die Früchte einer erfolgreichen Produktentwicklung werden dann aber auch über viele Jahre geerntet, so dass Stiftungen für ihre Geduld auch ganz ordentlich belohnt werden.

DIE STIFTUNG: Apropos Belohnung. Wie ist man denn erfolgreich im Gesundheitsbereich?
Bischof: Erfolg ist ja relativ, eine Stiftung muss hier zunächst genau ihre Ziele definieren, damit im Anschluss daran die passende Strategie zur Zielerreichung entwickelt werden kann. Stiftungen müssten die Fragen beantworten, wie viel sie bereit sind, in den Gesundheitsbereich zu investieren und wie viel Risiko sie gegebenfalls zu (er-) tragen bereit sind. Wie lange will ich investieren, und welche Kandidaten passen zu meinen in der Satzung festgelegten Prämissen? Wichtig bei der Beantwortung dieser Fragen ist, dass Interdependenzen bei den Fragen beachtet werden müssen, keine der Fragen also isoliert gesehen werden darf. Mir erscheint es aber ratsam, dass eine generalistisch aufgestellte Stiftung hier nicht allein agiert, nicht jeder hat interne Berater wie Dietmar Hopp, der ja eine Biotechnologie-Strategie fährt, und nicht jede Stiftung hat die Möglichkeiten einer Bill und Melinda Gates-Foundation.

DIE STIFTUNG: Die wenigsten Stiftungen haben diese Expertise.
Bischof: Dann sollten sie sich externer Experten bedienen, die den Sektor gut kennen und permanent beobachten. Der Gesundheitssektor entwickelt sich sukzessive weiter, vor allem angetrieben durch Innovationen auf Produktebene. Diese braucht enorme finanzielle Ressourcen, was bei vielen Firmen mangels Größe nicht gegeben ist. Es ließen sich mit größeren finanziellen Ressourcen mehr Indikationsgebiete gleichzeitig angehen und Produkte schneller entwickeln. Exakt an diesem Punkt könnte eine impact-orientierte Anlagestrategie einer Stiftung ansetzen. Stiftungen können das gesamte Unternehmen unterstützen, etwa über den Kauf einer Aktie, oder aber sie pickt sich einen Aspekt oder ein Projekt heraus, der am besten zu ihrer Strategie passt, wobei wir hier von Einzelinvestments in größerem Maßstab sprechen. Auf diese Art und Weise können Stiftungen dazu beitragen, dass Medikamente überhaupt entwickelt werden und Patienten somit eine Heilungschance erhalten.

DIE STIFTUNG: Also sollten mehr Stiftungen Anteile an Gesundheitsunternehmen halten?
Bischof: Hier würde ich Ihnen beipflichten. Bedürftig in Anführungsstrichen sind vor allem kleinere Gesundheitsunternehmen, die eine lange ruhige Hand eines Investors durchaus zu schätzen wissen. Produktentwicklungen brauchen 10 Jahre, und diese Zeit haben Stiftungen in meinen Augen. Die Gates-Foundation lässt Impfstoffe herstellen für Länder der Dritten Welt, die für die großen Pharmaplayer kein Marktpotential bieten. Sicherlich hat nicht jede Stiftung die Mittel einer Gates-Foundation zur Verfügung, aber Stiftungen können und sollten über solche Mechanismen nachdenken. Vielleicht ergeben sich auch Kooperationsideen mit Stiftungen wie der Novartis-Stiftung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Behandlungserfolge von Patienten in Niedrig- und Mittellohnländern zu verbessern.

DIE STIFTUNG: Sicherlich auch ein Punkt, den wir auf den Zürcher StiftungsDialogen diskutieren können. Was erwarten Sie sich von der Premiere?
Bischof: Ich erwarte mir einen offenen Gedanken- und Ideenaustausch mit Stiftungen und allen, die Interesse am Gesundheitssektor haben.

DIE STIFTUNG: Und das wird ja vermutlich für eine Mehrheit der Gäste zutreffen. Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Tobias M. Karow.

 

andreas bischofDer Molekularbiologe Dr. Andreas Bischof ist geschäftsführender Gesellschafter der nova fund management GmbH. Zuvor betreute er eines der weltweit größten Aktienportfolios im Gesundheitsbereich als Investment Manager Healthcare bei der Allianz SE.

 

Veranstaltungshinweis: Dr. Andreas Bischof können Sie auf den Zürcher StiftungsDialogen am 26.11. als Diskutant im Roundtable „Mission Investments & Impact Investing“ kennenlernen. Alle Informationen zur Veranstaltungen finden Sie hier.

Artikel teilen