12.04.2018 | Von Die Stiftung

Schweizer Paraplegiker-Vereinigung bekommt neuen Direktor

Gegen den Direktor der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung gab es schwere Vorwürfe: Nicht nur war sein Lohn viel zu hoch, er soll auch Vetternwirtschaft und Machtkonzentration betrieben haben. Nun wird er frühpensioniert – transparent geschah aber auch das nicht.

Paraplegiker-Vereinigung
Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung trennt sich von ihrem Direktor – zu hoch seine Gehaltsvorstellungen und die Gefahr eines Imageschadens für die Stiftung. Foto: Albrecht E. Arnold / pixelio.de

Gegen Thomas Troger, den Direktor der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV), wurden in den letzten Monaten happige Vorwürfe laut, erklärt die Luzerner Zeitung: „So bezog der Direktor der als Verein organisierten SPV ein Salär von 410’000 Franken pro Jahr. Eine angekündigte, schrittweise Kürzung auf 296’000 Franken vermochte die Wogen aber nicht zu glätten.“ Die Gönner-Vereinigung, sozusagen die Finanzorganisation der Paraplegiker-Gruppe, rechnete vor, dass auch das angestrebte Salär im Vergleich mit anderen Non-Profit-Organisationen zu hoch sei. Trogers Salär wird – genauso wie die Direkthilfe an Querschnittgelähmte, den Betrieb des Zentrums in Nottwil und die Forschung – aus Mitgliederbeiträgen und Spenden bezahlt.

Troger ist seit 1997 Direktor der SPV, dem Dachverband der Rollstuhlfahrer. „Sein Anfangslohn betrug gemäss mehreren Quellen 140’000 Franken. Drei Jahre später schaffte ein gewisser Daniel Joggi den Sprung vom Mitglied des Zentralvorstands – des strategischen Gremiums der SPV – zu dessen Präsidenten“, erläuterte die Luzerner Zeitung im Dezember letzten Jahres. Dieser Daniel Joggi ist seit 2010 Präsident der Paraplegiker-Stiftung. „Quellen vermuten in der Verbindung mit Joggi den Grossteil des Lohnanstiegs von Troger. Tatsächlich bestimmten bis vor kurzem der Zentralpräsident und der Direktor dessen Salär. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass die Lohnkürzung trotz Warnung mehrerer Stiftungsratsmitglieder so lange auf sich warten liess“, so die Luzerner Zeitung.

Gefahr des Imageschadens für Paraplegiker-Stiftung

Die Luzerner Zeitung geht davon aus, dass die die Stiftung als tragende Organisation der Gruppe auf den Entscheid gepocht habe, sich vom Direktor zu trennen: „Zu stark wurde der Stiftung die Gefahr des Imageschadens.“ Klar scheine, dass Troger sich dem Willen des Zentralvorstands beugen musste.

Auf ihrer Website verkündete die SPV hingegen, dass sie mit Troger anfang März 2018 übereingekommen sei, das Arbeitsverhältnis als Direktor SPV aufzuheben. Die Präsidenten der Rollstuhlclubs, die der SPV angeschlossen sind und die auch die Delegierten stellen, bekamen aber eine andere Nachricht, so die Luzerner Zeitung: Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses erfolge mittels einer vom Arbeitgeber gewünschten vorzeitigen Pensionierung. Dies bestätigte die SPV auf Rückfrage der Luzerner Zeitung und begründete die beiden Versionen mit einer „zielgruppengerechten Kommunikationsstrategie“.

Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV)

Die 1980 gegründete Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV) ist der nationale Dachverband der Querschnittgelähmten. Sie fördert, vertritt und koordiniert gesamtschweizerisch die Anliegen der Para- und Tetraplegiker sowie weiterer Mitglieder. Zudem unterstützt sie 27 regionale Rollstuhlclubs in der ganzen Schweiz.

www.spv.ch

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