07.06.2017 | Von Die Stiftung

Stärke plus Sichtbarkeit gleich Wahrnehmung

Die Wahrnehmung steigern: Im „Maison de la paix“ in Genf findet das Schweizer Stiftungssymposium 2017 statt. (Urheber: © Hennings.iheid (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Maison_de_la_paix_petals_1_and_2.jpg), „Maison de la paix petals 1 and 2“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode)

Wenn am heutigen Mittwoch im „Maison de la paix“ in Genf die Schweizer Förderstiftungen zusammenkommen, soll das Treffen nach dem Willen des Ausrichters, des Verbandes Swiss Foundations, in diesem Jahr mehr sein als nur ein fachlicher Austausch. Das 16. Schweizer Stiftungssymposium steht unter dem Motto „Stiftungen – Mehrwert für die Gesellschaft“. „Wir sehen das diesjährige Symposium als einen Kick-off, um die Wahrnehmung von Stiftungen in der Öffentlichkeit zu erhöhen“, erläutert Lukas von Orelli, Direktor der Velux Stiftung und Präsident von Swiss Foundations, „denn in der Schweiz sind Stiftungen weniger im Alltag der Menschen verankert, als etwa in Deutschland.“

Über 13.000 Stiftungen gibt es in der Schweiz, 70.000 Stiftungsräte engagieren sich privat und großteils ehrenamtlich in Stiftungen. Dennoch ist die Wahrnehmung der vielfältigen Arbeit von Stiftungen in der Schweizer Öffentlichkeit noch nicht so stark ausgeprägt, wie es der Verband sich wünscht (siehe dazu auch das Titelthema „Bühne frei! Warum Stiftungen ins Rampenlicht gehören“ in DIE STIFTUNG Schweiz 1-2017).

Schweizer Stiftungen tun wenig für ihre Wahrnehmung

Das zu verändern, sieht von Orelli als wichtige Verbandsaufgabe an. Geht es nach dem Präsidenten, soll der Verband noch stärker Fürsprecher für Stiftungen im Land werden, denn die Stiftungen selbst sind hier noch wenig aktiv. „Wir sind gerade dabei, eine Strategie zu erarbeiten, wie wir den öffentlichen Diskurs über Stiftungen und darüber die Wahrnehmung stärken können. Da müssen wir besser werden. Bislang galt der Fokus unserer Arbeit vor allem der Stärkung der Stiftungen, etwa was Transparenz und Governance betrifft“, sagt von Orelli.

Diese neue Rolle gilt es gegenüber den Mitgliedern und den Stiftungen aktiv zu transportieren. Das Stiftungssymposium sieht er als gute Plattform zur Lancierung dieses Metathemas. „Stiftungen profitieren von einer Vielzahl an liberalen Gesetzen. Die Menschen sollen noch besser verstehen, was Stiftungen im Gegenzug an die Gesellschaft zurückgeben und die günstigen Rahmenbedingungen unterstützen“, skizziert er seine Vorstellung.

Velux Stiftung: Impact erhöht, Wahrnehmung noch nicht

Lukas von Orelli kann seine Worte an seinen eigenen Taten messen. Als Direktor der Velux Stiftung ist er mit den Themen einer typischen, traditionellen Stiftung konfrontiert: Tue Gutes, aber rede nicht darüber. Die Stiftung fördert Forschung in den Bereichen Tageslicht, Gesundheit im Alter und Augenheilkunde.

Lukas von Orelli.
Lukas von Orelli

Vor fünf Jahren hat die Stiftung damit begonnen, sich mit der Frage nach der Wirkung der eigenen Arbeit zu beschäftigen und die eigene Strategie stärker auf den „Impact“ auszurichten. „Das ist bei Forschungsförderung nicht ganz einfach, denn der klassische Output, die wissenschaftliche Publikation, ist noch lange kein Outcome, geschweige denn Impact“, sagt der Geschäftsführer.

Heute wählt die Stiftung zu fördernde Projekte viel selektiver aus als früher: „Wir fördern heute nicht mehr den Mainstream, also Projekte, wo andere große Player oder der Staat schon mit dabei sind. Wir fördern lieber interdisziplinäre Forschung oder Projekte, in denen neue Methoden zum Einsatz kommen.“

Die Idee dabei ist, dass die Forschung dadurch insgesamt auf eine neue Ebene gehoben wird und somit Impact in der Gesellschaft erzielt. Dass auch die Arbeit und die Ansätze der Velux Stiftung in der breiten Öffentlichkeit noch nicht angekommen sind, daraus macht Lukas von Orelli keinen Hehl: „Auch wir stecken hier noch in den Kinderschuhen. Außerhalb der Destinatäre ist unsere Arbeit noch zu wenig bekannt.“ Die Doppelfunktion von Orellis in Stiftung und Verband könnte am Ende also auch in einer doppelten Wirkung münden.

Vielfältiger Input beim Schweizer Stiftungssymposium

Beim Schweizer Stiftungssymposium kommen Stifterinnen und Stifter, Stiftungsrätinnen und -räte, Partnerinnen und Partner aus Non-Profit-Organisationen sowie Vertreter des Staats zu Wort. 34 Referenten teilen ihre Perspektiven auf das stifterische Wirken in der Gesellschaft und geben Einblicke in ihre Erfahrungen. In Keynotes und auf dem Podium treten unter anderem folgende Persönlichkeiten auf:

Dr. Kristian Parker, Vizevorsitzender des Verwaltungsrates der Oak Foundation, zu den Handlungsmöglichkeiten einer gemeinnützigen Stiftung,

Monique Bär, Präsidentin der Arcas Foundation, zum Stiften im Allgemeinen,

Luc Tayart de Borms, Geschäftsführer der König-Baudouin-Stiftung aus Belgien, zur europäischen Bedeutung von Stiftungen,

Bruno Jochum, Generaldirektor von Ärzte ohne Grenzen Schweiz, zu Stiftungen und humanitärer Hilfe,

Peggy Grüninger, Leiterin Corporate Donations and Philanthropy der Roche-Gruppe, zu Unternehmensphilanthropie und

François Longchamp, Staatsratspräsident des Kantons Genf, zum Mehrwert von Stiftungen aus staatlicher Sicht.

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