09.08.2017 | Von Die Stiftung

Kein Ende in Sicht beim Streit um mittelalterliche Dokumente

Ein Teil des nationalen Mittelaltererbes der Schweiz befindet sich momentan im Besitz der Stiftung für Forschung in Spätantike und Mittelalter. Seit Jahrzehnten fordern die Kantone dieses aber für sich ein. Nun hat die Stiftungsaufsicht entschieden keine Schritte gegen die Stiftung einzuleiten – womit der Fall weiter vor Gericht verhandelt wird.

Dokumente
Auch die Grabungsdokumente zum Basler Münster sind Teil des Streits zwischen der Bad Zurzacher Stiftung und den Kantonen. Foto: Franz K. / pixelio.de

Die Eidgenössische Stiftungsaufsicht legte den Fall ad acta, der Streit um die mittelalterlichen Originaldokumente zu Ausgrabungen geht dennoch weiter. Die Ausgrabungen wurden in den sechziger und siebziger Jahren vom Kirchenarchäologen Hans-Rudolf Sennhauser durchgeführt. Dann vermachte er die mittelalterlichen Dokumente der  der Bad Zurzacher Stiftung für Forschung in Spätantike und Mittelalter, die er zuvor selbst ins Leben gerufen hatte und der er bis heute vorsitzt. Die Dokumente werden als Teil des nationalen Mittelaltererbes der Schweiz betrachtet, doch deren Auswertung sowie weiterführende Forschungen seitens der Kantone ist so nicht möglich.

Jahrzehntelanger Konflikt

Vor acht Jahren reichte die Konferenz der Schweizer Kantonsarchäologen (KSKA) eine Aufsichtsbeschwerde bei der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht, um eine  Auslieferung der Dokumente an die Kantone zu bewirken. Die Vorwürfe unter anderem: Die Stiftung bewahre diese fahrlässig auf und die Kantone seien Auftraggeber der Ausgrabungen gewesen. Inzwischen stünde aber ein neuer Aufbewahrungsort in Aussicht, berichtet die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), weshalb die Stiftungsaufsicht den Fall als erledigt betrachte. Das habe sie die KSKA in einer Mitteilung wissen lassen. Es sollen somit keine Schritte gegen die Stiftung von Seiten der Aufsicht eingeleitet werden, berichtete die NZZ vergangene Woche.

Nun geht der Fall wieder vor die Gerichte. 2015 hat es bereits ein erstes Urteil des Aargauer Obergerichts über die Aushändigung der Unterlagen gegeben, gemäss dem die Dokumentation zum Basler Münster an den Kanton Basel-Stadt auszuhändigen sei. Ein Urteil des Bezirksgerichts Zurzach zur Klage des Kantons St. Gallen bezüglich der Originaldokumente zu den Ausgrabungen im St. Galler Klosterbezirk steht noch aus. Klagen weiterer Kantone werden erwartet.

Zum Hintergrund

Bundesrechtliche Bestimmungen oder höchstrichterliche Urteile zum Eigentum an archäologischen Funddokumentationen gibt es gemäss der NZZ keine. Im März habe deshalb die Luzerner CVP-Nationalrätin Andrea Gmür-Schönenberger eine Motion eingereicht, in welcher sie den Bundesrat zum Schliessen dieser Gesetzeslücke auffordere. Dieser habe jedoch „gesetzgeberisches Handeln“ zurückgewiesen, um nicht in die „Zuständigkeit der Kantone für die Archäologie“ einzugreifen. Das Vertragsrecht besage allerdings: „Wer im Auftrag eines Kantons Grabungen durchführt, ist in aller Regel verpflichtet, die Funddokumentation an den Kanton herauszugeben.“

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