04.07.2019 | Von Die Stiftung

Studie belegt: Stiftungen rechnen sich

Stiftungen lohnen sich für die Schweiz – einen konkreten Nachweis zu dieser These erbringt jetzt erstmalig eine Studie von Swiss Foundations und PwC Schweiz. Dazu wurden zwei Modellrechnungen für idealtypische Schweizer Stifter ausgewertet.

Studie
Die Schweizer Gesellschaft profitiert finanziell mehr von Stiftungen als ihr durch Verluste hinsichtlich Steuereinnahmen entgehen, so die gemeinsame Studie von Swiss Foundations und PwC Schweiz. Foto: by hazard / pixelio.de

Jedes Jahr gingen durch Steuereinsparungen für in Stiftungen eingezahltes Geld und durch die Steuerbefreiungen von Stiftungen „Hunderte Millionen Schweizer Franken an Steuereinnahmen verloren“, schriebt die  NZZ. Ein konkreten Nachweis, dass sich Stiftungen trotzdem für die Gesellschaft finanziell lohnen, habe es bisher nicht gegeben.

Mit vier Modellrechnungen liefert eine Studie von Swiss Foundations und PwC jetzt diesen Nachweis: Ein Monat bis eineinhalb Jahre beträgt demnach die Zeitspanne, in der Verluste an Steuereinnahmen die Ausschüttungen an die Gesellschaft wettmachen und der so genannte Break-Even-Point erreicht wird. Laut Studie sind Stiftungen von diesem Zeitpunkt an ein Gewinngeschäft für die Gesellschaft.

Stiftungen versus Anlage am Kapitalmarkt

In den Modellrechnungen wurden zwei idealtypische Stifterpersönlichkeiten, in Zürich und Lausanne wohnend, entwickelt – Annahme war, dass beide eine Förderstiftung gründeten (was laut Studie dem Modell von etwa der Hälfte aller Schweizer Stiftungen entspricht). Das Modell einer kapitalerhaltenden Stiftung wurde dabei zuerst einer privaten Vermögensanlage, dann der Gründung einer privaten Investmentgesellschaft gegenübergestellt – genauso wurde anschliessend mit dem Modell einer Verbrauchsstiftung verfahren.

Die erste Modellrechnung (kapitalerhaltende Stiftung vs. Private Vermögensanlage, 20 Millionen Schweizer Franken) erreicht nach 214 Tagen den Break-Even-Point, nach 25 Jahren Stiftung flossen der Gesellschaft demnach 6,8 Millionen Schweizer Franken mehr zu. In Modellrechnung Zwei (kapitalerhaltende Stiftung vs. Investmentgesellschaft, 20 Millionen Schweizer Franken) wird der Break-Even-Point nach einem Jahr und 165 Tagen erreicht, nach 25 Jahren würde die Gesellschaft von einem Mehrzufluss von 3,9 Millionen Schweizer Franken profitieren.

In Modellrechnung Drei (Verbrauchsstiftung vs. Private Vermögensanlage) kann man vom Break-Even bereits nach 78 Tagen sprechen, der Gesellschaft flössen nach 25 Jahren insgesamt ein Plus von 47,9 Millionen Schweizer Franken zu.

Nach 149 Tagen wird der Break-Even in Modellrechnung Vier (Verbrauchsstiftung vs. Investmentgesellschaft) erreicht – hier sind es 36,9 Millionen Schweizer Franken, die der Gesellschaft nach 25 Jahren mehr zufliessen würden als Steuereinnahmen etc. zu Buche stünden.

Des Weiteren vollzog die Studie nach, wie sich Unterschiede in Steuererhebungen zwischen den Kantonen auswirken – hier erreichten Stiftungsgründungen im Kanton Obwalden mehrfach Rang eins im Hinblick auf den Break-Even-Point in den Vergleichsmodellen.

Die Bedeutung von Stiftungen für die Gesellschaft

Kritik an der Studie wurde gegenüber dem SFR geäussert: „Es ist wichtig, nicht bei diesem pauschalen Fazit stehenzubleiben, sondern zu differenzieren,“ sagte der Kenner der Schweizer Stiftungslandschaft und emeritierte Soziologieprofessor Ueli Mäder in einem Echo der Zeit am 30 Juni. In welche Projekte und gesellschaftliche Aufgaben durch Stiftungen investiert werde, habe auch etwas mit Prestige zu tun, so Mäder weiter – wodurch die Mittel nicht immer dorthin flössen, wo sie am meisten benötigt würden.

Eine Gegenposition dazu nimmt Georg von Schnurbein, Professor für Stiftungsmanagement an der Universität Basel, in der NZZ ein. In der Schweiz sei es zu Recht zu einem grossen Grad den Bürgerinnen und Bürgern überlassen, über den konkreten Zweck von wohltätigen Stiftungen zu entscheiden. „Denn wer definiert, was wohltätig ist?“, so von Schnurbein weiter.  Für ihn steht laut NZZ fest, dass Stiftungen Traditionen  bewahrten und den Pluralismus in der Gesellschaft förderten.

Die Auftraggeber und weitere Informationen

Die ganze Studie kann über Swiss Foundations auf Deutsch heruntergeladen werden – hier können auch die genauen Prämissen sowie  Detailrechnungen für verschiedene Kantone entnommen werden. Zusammenfassungen und weitergehende Schaubilder finden sich auch auf den Themenseiten von PwC Schweiz und Swiss Foundations.

Swiss Foundations ist die Vereinigung der gemeinnützigen Förderstiftungen der Schweiz. Zu ihren Zielen gehören laut Portrait auf der Homepage, den gemeinnützigen Förderstiftungen eine starke und unabhängige Stimme zu geben. Sie definiert sich als aktives und der Innovation verpflichtetes Netzwerk und fördert den Erfahrungsaustausch, die Transparenz und die Professionalität im Schweizer Stiftungssektor.

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