01.10.2020 | Von Die Stiftung

Studie: Freiwilligenarbeit in der Gesundheitsversorgung

Eine Studie des Center for Philanthropy Studies (Ceps) und des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie (WIG) zeigt, wie der gezielte Einsatz von Freiwilligenarbeit die Gesundheitsversorgung unterstützen kann.

Freiwillige leisten einen elementaren Beitrag zum Wohlbefinden von Patienten – weil sie Zeit und Kapazitäten über die Erbringung von Grundleistungen hinaus mitbringen. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) haben das Center for Philanthropy Studies (Ceps) der Universität Basel und das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie (WIG) der ZHAW School of Management and Law untersucht, welche Rollen und Aufgaben in der interprofessionelle Zusammenarbeit durch Freiwilligenarbeit abgedeckt werden und wie dadurch die Qualität der Versorgung verbessert werden kann.

Die Gesundheitsversorgung steht vor Herausforderungen: die demografische Entwicklung und die Zunahme chronisch erkrankter Personen auf der einen Seite, Schwierigkeiten bei der Personalrekrutierung auf der anderen. In vielen Bereichen des Gesundheitswesens engagieren sich Freiwillige. Sie leisten ihren Beitrag ehrenamtlich und müssen dennoch den hohen Ansprüchen und Vorgaben des Gesundheitswesens genügen. Obwohl Freiwilligeneinsätze häufig eigenverantwortlich und nicht unmittelbar in Anwesenheit von Fachpersonen geleistet werden, sind Freiwillige immer Teil eines interprofessionellen Netzwerks aus Fachpersonen, Patienten und deren Angehörigen.

Freiwilligenarbeit: „Elementaren Beitrag zum Wohlbefinden“

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Freiwilligenarbeit aus Sicht der Organisationen einen elementaren Beitrag zum Wohlbefinden und zur erhöhten Zufriedenheit der Klienten (z.B. Patienten, Bewohnern) und deren Angehörigen leistet.

Freiwillige, so die Studie, seien eine wichtige Ergänzung zum Fachpersonal. Aus Sicht der Patienten machen sie oftmals den kleinen Unterschied aus: „Sie bieten innerhalb der Gesundheitsversorgung immer dann eine wertvolle Ergänzung, wenn Zeit gefragt ist. Freiwillige führen Gespräche am Spitalbett, begleiten in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen zum Arzt oder organisieren Freizeitaktivitäten. Durch diese vermeintlich simplen Tätigkeiten bilden Freiwillige eine wichtige (emotionale) Stütze für Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen“, erläutern die Herausgeber der Studie. Dies schaffe die Möglichkeit für Organisationen, Leistungen über den Grundauftrag hinaus anbieten zu können und verhelfe den bezahlten Mitarbeitenden zu mehr Kapazitäten für die Erbringung von Grundleistungen.

Rekrutierung und Koordination als Herausforderungen

Die grösste Herausforderung stellt laut der Studie die Rekrutierung der Freiwilligen dar, da sich die potentiellen Personen im Gegensatz beispielsweise zum Sportverein nicht automatisch aus dem Vereinsnachwuchs rekrutieren. Weiterhin werde die Koordination der Freiwilligenarbeit von den Organisationen als sehr aufwändig bewertet. Insbesondere da, wo Freiwillige Aufgaben übernehmen, die „den Kern des professionellen Selbstverständnisses von Pflegefachkräften berühren“.

Download der Studie: Gelingender Einsatz von Freiwilligen in der interprofessionellen Gesundheitsversorgung

Hintergrund

Das Projekt ist Teil des Förderprogramms „Interprofessionalität im Gesundheitswesen“ des Bundesarbeitsgerichts (BAG) und wurde durch dieses finanziert. Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden in einem multimethodischen Ansatz qualitative und quantitative Elemente verbunden. Dazu zählten die Auswertung öffentlich zugänglicher Daten zu Stellenausschreibungen für Freiwillige, fragebogengestützte Umfragen bei Freiwilligen und Institutionen, eine qualitativ-empirische Detailanalyse sowie ausführliche Diskussionen und Interviews mit Experten.

Das Center for Philanthropy Studies (Ceps) ist ein Institut der Universität Basel, das auf Initiative von Swiss Foundations gegründet worden ist. Folgende Organisationen tragen zur Grundfinanzierung bei: Age Stiftung, Arcas foundation, Avina Stiftung, Ernst-Göhner-Stiftung, Gebert-Rüf-Stiftung, Ria & Arthur-Dietschweiler-Stiftung, Sophie-und-Karl-Binding-Stiftung, Stiftung Mercator Schweiz, Velux-Stiftung.

Das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie (WIG) der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) ist ein Kompetenzzentrum für volks- und betriebswirtschaftliche Fragen im Gesundheitswesen. Schwerpunkte sind Health Technology Assessment (HTA), gesundheitsökonomische Evaluationen, Versorgungsforschung, Patientenklassifikationssysteme, Gesundheitspolitik, Strategie- und Prozessoptimierung, Marktanalysen sowie integrierte Versorgung.

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