25.05.2018 | Von Die Stiftung

Trauer um Obdachlosenpfarrer Ernst Sieber

Der bekannte Obdachlosenpfarrer Ernst Sieber ist im Alter von 91 Jahren gestorben. „Die Schweiz und Zürich verlieren mit ihm den gegenwärtig wohl populärsten Pfarrer und Diakon“, so die Sozialwerke Pfarrer Sieber. Seine Stiftung setzt sich für Notleidende ein.

Ernst Sieber
1988 gründete Ernst Sieber die Stiftung Sozialwerke Pfarrer Ernst Sieber. Foto: Evangelische Volkspartei, Switzerland, ZH SIEBER ERNST, CC BY-SA 2.5

Mit Ernst Sieber, so die Sozialwerke Pfarrer Sieber (SWS), in einer Pressemitteilung, „verlieren sozial desintegrierte Menschen in unserem Land einen aussergewöhnlichen Freund und herausragenden Fürsprech“. Siebers „selbstloser Einsatz für Menschen am Rande der Gesellschaft hat das Verständnis breiter Gesellschaftsschichten für die Botschaft christlicher Nächstenliebe erneuert“, wird SWS-Gesamtleiter Christoph Zingg zitiert. „Mit seiner Familie trauern seine Freunde von der Gasse und wir von seiner Stiftung, die der umtriebige Pfarrer angesichts des Elends der offenen Drogenszene Zürichs 1988 gegründet hat.“

„Ernst Sieber hat die Not früh erkannt“

Immer mehr Menschen, so die SWS, lebten in prekären wirtschaftlichen, medizinischen oder sozialen Verhältnissen. „Auch in der Schweiz – trotz gut ausgebautem Sozialstaat. Die Not ist oft nicht augenfällig, daher nimmt sie die Öffentlichkeit kaum wahr. Sie ist eben mehr als wirtschaftliche Mittelknappheit. Menschliche Not entsteht ebenso aus Vereinsamung, psychischer und physischer Instabilität oder beruflichem und sozialem Scheitern und damit einhergehendem Identitätsverlust.“ Sieber habe die Not früh erkannt und sich während mehr als 60 Jahren für die Schwächsten eingesetzt.

Die SWS erinnern an die Einrichtungen für Menschen in Not, die Ernst Sieber schuf. „Am 24. Mai 1988 gründete er die Stiftung Sozialwerke Pfarrer Ernst Sieber, unter deren Dach ein Teil dieser Einrichtungen zusammengefasst wurde. Die Stiftung mit ihren 180 Mitarbeitenden und derzeit 16 Einrichtungen und Angeboten betreut seither im Sinne ihres Gründers jährlich bis zu 5000 sozial desintegrierte Menschen.“ Der 1927 in Horgen geborene Sieber hatte seine berufliche Laufbahn als Bauernknecht begonnen, später auf dem zweiten Weg Matura gemacht und dann ein Theologiestudium absolviert. 1991 bis 1995 saß der Pfarrer für die EVP im Nationalrat.

„Der Tod von Pfarrer Ernst Sieber ist für Bedürftige und für uns eine Tragödie“, sagt Christoph Zingg. „Obdachlose, drogenabhängige, vereinsamte und von Armut betroffene Menschen verlieren mit ihm einen grossen Freund. Diese Arbeit werden wir im Sinn und Geist Ernst Siebers weiterführen“so Zingg.

Nachruf auf Ernst Sieber beim SRF: https://www.srf.ch/news/schweiz/ein-leben-fuer-randstaendige-pfarrer-ernst-sieber-gestorben

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