Wie die Vereinigung liechtensteinischer gemeinnütziger Stiftungen (VLGS) das Engagement von Stiftungen unterstützt

DIE STIFTUNG: Sie schreiben auf Ihrer Webseite, dass Sie den Stiftungsgedanken fördern und bekannter machen möchten. Wie würden Sie diesen definieren?
Dagmar Bühler-Nigsch: Stiftungen sind aktive Impulsgeber für die Gesellschaft: Sie können „anstiften“ und durch neue Konzepte zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen oder durch ihre finanzielle Unterstützung innovativen Ideen anderer zum Durchbruch verhelfen.

DIE STIFTUNG: Welche Rolle spielt dabei die VLGS?
Bühler-Nigsch: Die VLGS ist die Interessenvertretung der gemeinnützigen Förderstiftungen in Liechtenstein. Zur Förderung des Stiftungsgedankens übt die Vereinigung politischen Einfluss aus und unterstützt durch das Zusammenwirken verschiedener Akteure die wohltätigen Anliegen. Ebenso sollen Stiftungsinteressen gegenüber Behörden gewahrt und durch Öffentlichkeitsarbeit unterstützt werden.

DIE STIFTUNG: Welche anderen Ziele streben Sie an?
Bühler-Nigsch: Die Vereinigung fördert die Positionierung des Stiftungsstandorts und setzt sich für Standards und Professionalität ein. So veranstaltet die VLGS zweimal jährlich „Stiftungsmanagement Seminare“ zur Weiterbildung der Akteure des Stiftungssektors in Liechtenstein. Des Weiteren organisiert die Vereinigung im Herbst 2017 erstmals eine „Projektplattform“, eine Veranstaltung um die gegenseitige Information und Zusammenarbeit bei Projekten zu stärken. Mitgliedstiftungen erhalten dabei die Möglichkeit, ein Projekt für den Auf- oder Ausbau einer Kooperation vorzustellen.

DIE STIFTUNG: Halten Sie auch eine internationale Vernetzung für wichtig?
Bühler-Nigsch: Philanthropie ist international geprägt durch eine dynamische Entwicklung. Eine gute nationale und internationale Vernetzung ist essentiell, um die Innovation und das Engagement der gemeinnützigen Stiftungen voranzubringen.

DIE STIFTUNG: Mit welchen Organisationen arbeiten Sie hierbei vorrangig zusammen?
Bühler-Nigsch: Eine enge Zusammenarbeit besteht mit „Swiss Foundations“, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen. Ebenso bestehen Kontakte zu „Pro Fonds“, dem schweizerischen Dachverband gemeinnütziger Stiftungen und Vereine. Mit dem Bundesverband Deutscher Stiftungen arbeiten wir ebenfalls auf verschiedenen Ebenen zusammen. Die VLGS ist auf europäischer Ebene Mitglied von DAFNE (Donors and Foundations Networks in Europe), der Vereinigung nationaler Stiftungsverbände. Eine gute Verbindung wird weiter zum CEPS (Center for Philanthropy Studies) der Universität Basel gepflegt sowie zum Lehrstuhl für Gesellschafts-, Stiftungs- und Trustrecht der Universität Liechtenstein.

DIE STIFTUNG: Was macht den liechtensteinischen Stiftungssektor aus?
Bühler-Nigsch: Durch das im Jahr 2009 revidierte Stiftungsrecht wurden in Liechtenstein optimale Rahmenbedingungen für gemeinnützige Stiftungen geschaffen. Dieses überzeugt durch klare Definitionen und Abgrenzungen, insbesondere im Hinblick auf die Stiftungs-Governance, und hat international eine ausgezeichnete Reputation. Im Rahmen des neuen Stiftungsrechts wurde auch eine gut ausgestaltete Aufsicht eingerichtet.

DIE STIFTUNG: Zu Jahresbeginn haben Sie eine Datenerhebung zum Sektor durchgeführt. Was hat diese ergeben?
Bühler-Nigsch: Die von der VLGS durchgeführte Datenerhebung zeigt den wichtigen Beitrag der gemeinnützigen Stiftungen in Liechtenstein: Im Jahr 2015 haben die an der Umfrage teilnehmenden Stiftungen 219 Millionen Franken an wohltätige Projekte ausgeschüttet. Es haben sich mit 280 Stiftungen mehr als ein Fünftel der insgesamt 1’323 liechtensteinischen gemeinnützigen Stiftungen an der auf freiwilliger Basis durchgeführten Befragung beteiligt.

DIE STIFTUNG: Was unterscheidet den liechtensteinischen Stiftungssektor von anderen, beispielsweise dem Schweizer Stiftungssektor?
Bühler-Nigsch: Liechtensteinische Stiftungen sind vergleichsweise stark im Ausland tätig, da die rechtlichen Rahmenbedingungen im Fürstentum ihr grenzüberschreitendes Wirken zulassen. Das liberale Stiftungsrecht in Liechtenstein ermöglicht es Stiftern, ihre Vorstellung der gemeinnützigen Idee individuell umzusetzen.

DIE STIFTUNG: Was halten Sie vom „Swiss Foundation Code“, den Swiss Foundations in der Schweiz etabliert hat?
Bühler-Nigsch: Der Swiss Foundation Code ist ein hochkomplexes, fundiertes Werk und kann auch von liechtensteinischen Stiftungen angewendet werden. Er stellt ein ausgezeichnetes Hilfsmittel für die Optimierung der Stiftungsarbeit und damit auch zur Qualitätssicherung des Stiftungsstandorts dar.

Vereinigung Liechtensteiner gemeinnützigen StiftungenZur Person: Dagmar Bühler-Nigsch ist seit Oktober 2013 Geschäftsführerin der Vereinigung liechtensteinischer gemeinnütziger Stiftungen (VLGS). Foto: © VLGS

www.vlgs.li

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