28.06.2018 | Von Martina Benz

17. Schweizer Stiftungssymposium: doppelte Ladung

„Stiftungen heute – partnerschaftlich, engagiert, sichtbar“ war das Motto der jährlichen Tagung von Swiss Foundations, dem Verband Schweizer Förderstiftungen. An zwei Tagen kamen mehr als 400 Teilnehmer zusammen, um sich mit der aktuellen Rolle von Stiftungen auseinanderzusetzen.

Schweizer
Junge Stiftungsvertreter sind im Stiftungssektor in der Unterzahl. Dennoch brachte die Vereinigung junger Stiftungsexperten einige von ihnen für ihren Workshop zusammen. Von links: Marc Reinhard (Volkart-Stiftung), Helena von Känel (Jansen Prime Steps Foundation) und Giorgio Panzera (Stiftung Idée Sport). Foto: © 2018 SwissFoundations, Regina Jäger

Wer zu spät kommt …, der konnte Vorträge und Diskussionsrunden des diesjährigen Schweizer Stiftungssymposiums nur noch per Videoübertragung im dritten Stock des Kongresshotels St. Einstein in St. Gallen verfolgen. Denn am 19. und 20. Juni – erstmalig erstreckte sich die Veranstaltung über zwei Tage – kamen so viele Teilnehmer zur Tagung von Swiss Foundations, dem Verband Schweizer Förderstiftungen, dass nicht mehr alle im großen Plenumssaal Platz fanden. Dank des technischen Vorausdenkens der Veranstalter konnten dennoch alle bequem von Stühlen aus mitverfolgen, als  über die „Legitimation von Stiftungen“ gesprochen, „Stiftungen als intermediäre Akteure“ betrachtet oder der Frage  „Stiftungen als Brandbeschleuniger der Demokratie?“ nachgegangen wurde.

Zusammengefasst hat Swiss Foundations diese Themen unter dem Motto „Stiftungen heute – partnerschaftlich, engagiert, sichtbar“. Als engagiert und partnerschaftlich kann man auch die Atmosphäre unter den mehr als 400 Teilnehmern beschreiben. Und das Programm, das von vielfältigen Netzwerkmöglichkeiten geprägt war: Stadt- und Bibliotheksführungen auf Französisch und Deutsch, gemeinsames Joggen, ein Swing-Tanzkurs, oder auch das ausführliche gemeinsame Abendessen. Manches davon, so gaben die Veranstalter offen zu, war vom Deutschen Stiftungstag abgeschaut.

Geschlechtergerechtigkeit und demografischer Wandel

Die angebotenen Workshops – acht an Tag eins, sieben an Tag zwei – fanden parallel zueinander statt. In „Junge Menschen – alte Stiftungswelt?“ führten Aline Kratz-Ulmer (Rechtsanwältin) und Jan Schudel (Bereichsleiter der Sophie-und-Karl-Binding-Stiftung) an die Herausforderungen des demografischen Wandels im Stiftungssektor heran. Beide sind Vorstandsmitglieder der Vereinigung junger Stiftungsexperten (VjS), die bei Schweizer Stiftungen eine Umfrage durchgeführt hatte. Eine Herausforderungen, die dabei ins Auge sprang, hatte allerdings gar nichts mit Alter zu tun: die Geschlechtergerechtigkeit im Stiftungssektor. Denn: Die Stiftungsräte der befragten Stiftungen seien überwiegend männlich geprägt. Lediglich in einer von 23 Stiftungen habe es gleich viele Frauen wie Männer gegeben.

Im Mittelpunkt des Workshops standen allerdings die Erfahrungen der drei Podiumsgäste – allesamt jünger als der Durchschnitt, der laut Umfrage bei Stiftungsräten bei 56 und in Geschäftsstellen bei 40 Jahren liegt. Helena von Känel (Gründungsgeschäftsführerin der Jansen Prime Steps Foundation), Giorgio Panzera (Geschäftsleiter der Schweizer Stiftung Idée Sport und Nachfolger des Gründers) und Marc Reinhard (Stiftungsratspräsident der Volkart-Stiftung und Vertreter der 3. Generation) erzählten davon, wie es ihnen erging, als sie ihre jeweiligen Funktionen übernahmen. Wenig überraschend war die Erkenntnis, dass vor allem Restrukturierungen und die Digitalisierung die jungen Stiftungsvertreter beschäftigten. Panzera hob aber auch hervor: „Der Prozess der internen Digitalisierung wurde zwar tatsächlich eher von jungen Leuten angestoßen, davon profitiert haben aber letztendlich alle“.

Fragen über Fragen

Dass die Digitalisierung noch immer viele  Fragen in Stiftungen aufwirft, wurde beim Workshop „Wie soziale Medien die Kommunikationsstrategie von Stiftungen verändern“, geleitet von Katharina Guggi von Swiss Foundations, deutlich: Kaum war eine Frage beantwortet, ging die nächste Hand im Publikum nach oben. Das „Praxisforum“ sollte anhand von zwei Stiftungsbeispielen zeigen, was beim Einsatz sozialer Medien zu beachten ist. Sabine Gysi (Jacobs Foundation) und Carlo Clivio (Christoph-Merian-Stiftung) standen hierzu Frage und Antwort. Sie rieten, die genutzten Kanäle zu analysieren, um herauszufinden, wo die eigene Zielgruppe denn wirklich unterwegs ist. Sie empfohlen interne Kapazitäten, denn, so Clivio, Kommunikation sei nichts, was man vollständig auslagern sollte. Sie ermutigten zur Einbindung von Mitarbeitern außerhalb der Kommunikationsabteilung – wenn sie denn Kommunikationsgeschick bewiesen hätten.

Ist Facebook out?

„Lohnt es sich noch, in Facebook einzusteigen?“, war eine Frage aus dem Publikum.  „Facebook ist immer noch unsere effizienteste Art zu werben“, antwortete Clivio. Dennoch löse Linkedin Facebook zum Teil ab, da der Diskurs dort ein höheres Niveau habe. Sich aus Facebook zurückzuziehen, hielt aber auch Gysi nicht für sinnvoll: „Momentan investieren noch fast alle in Facebook. Aber man sollte die Kanäle beobachten, das Risiko streuen und für einen Umstieg bereit sein.“

Ein Wort der Warnung beider Referenten: Die Verantwortlichen sollten auch am Wochenende auf den Social-Media-Kanälen vorbeischauen, um Shitstorms vorzubeugen. Auch wenn diese laut Clivio im gemeinnützigen Sektor nicht sehr wahrscheinlich sind: „Es gibt wenige, die einer Stiftung etwas Böses wollen.“

Das klingt doch nach guten Voraussetzungen für die Stiftungsarbeit.  Um die Schweizer Stiftungsszene auch weiterhin zu stärken und auf Herausforderungen vorzubereiten, geht es im nächsten Jahr am 21. und 22. Mai 2019 in Bern weiter mit dem 18. Schweizer Stiftungssymposium.

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