26.09.2018 | Von Die Stiftung

Engagement braucht zusätzliche Kanäle

Im Gespräch mit Dominic Lüthi (Stiftungsratsmandat.com) über das erste Webportal zur Online-Vermittlung von Stiftungsräten – zwei Jahre nach Gründung

Lüthi
Auf der Internetplattform "Stiftungsratsmandat.com" können Stiftungen und Stiftungsratskandidaten zueinander finden. Foto: Screenshot/www.vrmandat.com/page/vrsr_mitglied_finden/fuer_stiftungen/Stand: 03.09.2018

Eine Masterarbeit ist gewöhnlich ein mehr oder weniger dickes Buch, das nur wenige Leute jemals lesen werden. Sie dagegen haben aus Ihrer Masterarbeit eine Website erstellt …
Dominic Lüthi: Vielleicht muss ich dazu ganz vorne beginnen: Im 2008 wurde ich selbst Teil eines Auswahlverfahrens, als es um die Suche nach einem Verwaltungsrat ging. Zeitgleich habe ich begonnen, mich mit dieser Thematik zu befassen. Ich habe mich damals gefragt: Welche Merkmale sind für ein strategisches Mandat gefragt und wo sucht man nach Menschen mit solchen Merkmalen? Es war mir wichtig, in dieser Masterthesis Praxisbezug herzustellen und etwas zu schaffen, das eine gewisse Nachhaltigkeit ergibt. Glücklicherweise gab es aus der Erhebung dieser Masterarbeit viele ermunternde Rückmeldungen, die mich in meinem Vorhaben, mit VRMandat.com ein Online-Vermittlungsportal für die Suche nach Verwaltungsräten aufzubauen, bestärkten.

Dominic Lüthi ist Gründer und Geschäftsführer
von VRMandat.com/Stiftungsratsmandat.com,
dessen Grundstein er 2009 mit der Master-
Thesis seines MBA-Studiums gelegt hat. Der
aus Zürich stammende Wirtschaftsinformatiker
und Dozent hat seit 2008 selbst ein Mandat in
einem Verwaltungsrat und gehört dem Vorstand
verschiedener Organisationen an. Foto: Daniel Schmuki

Wie kam Ihnen die Idee, zusätzlich ein Angebot für die Suche nach Stiftungsräten zu schalten?
Lüthi: Im Team von VRMandat.com vermuteten wir in der Stiftungswelt ein ähnliches Phänomen wie in der KMUWelt: Auch im Umfeld der gemeinnützigen Stiftungen verlangen die zunehmende Professionalisierung und neue wirtschaftliche Rahmenbedingungen nach Kompetenz und Erfahrung im Stiftungsrat. Auch Haftungsfragen und Bestrebungen zu mehr Transparenz oder Vernetzung führen schlussendlich auf der Seite gewisser Stiftungen zum Bestreben, einen den Anforderungen genügenden, diversifizierten Stiftungsrat im Einsatz zu haben. Doch wie findet man die richtigen Leute effizient und kostenschonend? Bei den grösseren Stiftungen mag dank gewissen Anreizen die Suche und Besetzung der Stiftungsräte einfacher funktionieren. Unter Umständen ist sogar ein Budget für professionelle Hilfe bei der Personalsuche vorhanden. Aber wie müssen es die tausenden von kleineren Stiftungen handhaben und wie schaut es bei denen aus, die hochqualifizierte und vielbeschäftigte Menschen mit spezifischem Wis sen für ehrenamtliche Arbeit benötigen? Die oft praktizierte Suche im engsten Beziehungsnetzwerk des Stiftungsratspräsidenten kann da eine – unter Umständen sehr grosse – Einschränkung bedeuten. Wir sind der Meinung, dass es in Zukunft zusätzliche Kanäle braucht, um die Suche nach Stiftungsratsmitgliedern professionell und effizient zu gestalten, aber schlicht auch auszuweiten. In unserer Datenbank finden Sie derzeit rund 300 Menschen, die sich explizit eine nebenamtliche Tätigkeit in einer Stiftung wünschen. Sie können diese Profile nach weiteren Merkmalen filtern und bequem Kandidaten vergleichen und ansprechen.

Wer über www.stiftungsratsmandat. com sein Glück versuchen will, landet allerdings auf der Website von VRMandat.com. Was nun?
Lüthi: Wir wollen sowohl Stiftungsräte als auch Verwaltungs- und Beiräte in der Schweiz online vermitteln. Entsprechend werden auch die Kandidaten dieser drei Mandatsarten vorerst auf einem Portal gebündelt. Natürlich sind alle Funktionalitäten, um Stiftungsräte zu suchen, vorhanden. Hinzu kommt, dass in der Schweiz die Profile von gewissen Stiftungen und Aktiengesellschaften hinsichtlich der Anforderungen sehr vergleichbar sind.

Bei den Eingabefenstern werde ich aufgefordert, die Kompetenzen und Wirtschaftszweige meines Wunschkandidaten anzugeben. Wie komme ich da zu einem geeigneten Entscheidungsträger einer Non-Profit-Organisation?
Lüthi: In der Suchmaske kann nach verschiedenen Kriterien und Merkmalen gesucht werden, wie zum Beispiel: „Netzwerk im Nonprofit-Sektor“, „Projektmanagement“, „Kreativität“, „Netzwerk in Politik“, „Unabhängigkeit“, „Governance“ etc. Mit der Einschränkung „sucht nach folgendem Mandat“ lässt sich die Recherche auf die aktuell über 300 Kandidaten beschränken, die Interesse an einem Stiftungsratsmandat haben.

Was kostet mich das Ganze?
Lüthi: Eine Stiftung erhält für den Beitrag von 190 Schweizer Franken die Möglichkeit, ein ganzes Jahr in der sich stetig aktualisierenden Datenbank zu schauen und beliebig Kandidaten anzusprechen. Erst bei erfolgreicher Vermittlung einer Person in den Stiftungsrat erhalten wir von dieser Stiftung eine einmalige Vermittlungsgebühr von 500 Schweizer Franken.

Und was muss ich tun, wenn ich selbst eine Position in einem Stiftungsrat übernehmen möchte?
Lüthi: Man kann rasch und einfach selbst ein Profil in unserer Datenbank anlegen und seine Kompetenzen und Erfahrungen hinsichtlich eines zukünftigen Stiftungsratsmandats präsentieren. Die Kosten betragen einmalig 120 Schweizer Franken mit anschliessenden 36 bis 50 Schweizer Franken pro Jahr, je nach Vertragsdauer.

Wie erfolgreich waren Sie bislang?
Lüthi: Die Idee scheint im Markt gut aufgenommen zu werden: So haben wir schon rasch einen der begehrten Innovationsschecks der eidgenössischen Kommission für Technologie und Innovation gewonnen, Partnerschaften mit namhaften Unternehmen geknüpft und bereits erste erfolgreiche Vermittlungen abschliessen können. Trotz anfänglicher Konzentration auf die Vermittlung von Verwaltungsräten gab es bereits einige Reaktionen aus der Stiftungswelt, was bereits zur ersten erfolgreichen Vermittlung führte. Deshalb möchten wir dieses Bedürfnis auch in Zukunft noch besser abdecken.

Dieser Beitrag erschien in die DIE STIFTUNG Schweiz 2/2014. Was ist seither geschehen? Lesen Sie in der aktuellen Schweiz-Ausgabe (2/2018) ein Interview mit Dominic Lüthi zum aktuellen Stand der Dinge.

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