25.09.2018 | Von Die Stiftung

Mit Zertifizierungen zur Good Governance

Die Stiftung für Schwerbehinderte Luzern (SSBL) setzt in Bezug auf Governance und Controlling insbesondere auf den internen Nutzen von Zertifizierungen. Einblicke in ihre Herangehensweisen und Prinzipien. Von Christine Bertschi

Governance
Die Stiftung für Schwerbehinderte Luzern setzt auf Zertifizierungen und strebt eine Best-in-Class Governance an. Foto: © SSBL

Die Stiftung für Schwerbehinderte Luzern (SSBL) begleitet und betreut Menschen mit einer geistigen und mehrfachen Behinderung. „Als Stiftung mit einem öffentlichen Auftrag, welche 309 Wohnplätze und zusätzlich 47 Tagesbeschäftigungsplätze für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung an zehn Standorten mit 562 Vollzeitstellen betreibt, ist es selbstverständlich, dass wir uns – entsprechend dem Öffentlichkeitsprinzip – für eine transparente Betriebsführung mit Best-in-Class Governance einsetzen“, erklärt Pius Bernet, Direktor der Stiftung.

Bereits im Jahr 2004 hat sich die Stiftung für die Qualitätsmanagementnorm ISO 9001 zertifizieren lassen und 2017 erstmals das Zertifikat „NPO-Label für Management Excellence“ – eine Mischung aus ISO 9001 und dem Qualitätsmanagement-System EFQM, speziell für NPOs in der Schweiz – erhalten. Vergeben wird das Label vom Institut für Verbands-, Stiftungs- und Genossenschaftsmanagement (VMI) der Universität Freiburg in Kooperation mit der Schweizerischen Vereinigung für Qualitäts- und Management-Systeme (SQS).

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Pius Bernet ist Direktor der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern (SSBL). Foto: © SSBL

Es sei ein „Gütesiegel für NPO mit einem besonders hoch entwickelten Management-System“, so die Verantwortlichen. „Dank der jahrelangen systematischen Anwendung unseres Qualitätsmanagement-Systems ist dieses nun zur DNA unserer Organisation geworden. Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht. Unsere Prozesse sind dank präziser Prozessbeschreibungen und eindeutigen Verantwortungszuweisungen das Rückgrat unserer Unternehmung“, so Bernet.

Die Zertifizierung unterstütze das Denken in durchgängigen Prozessen und verhindere das „Silodenken“, bei dem interne Organisationsbereiche externen Beziehungen zu wenig Beachtung schenken. „Die Rückmeldungen aus den Audits geben uns Hinweise auf unsere Stärken und Schwächen und motivieren uns zur ständigen Verbesserung“, erklärt Bernet. Entsprechend gut werde auch ihr KVP-Prozess, der Kontinuierliche Verbesserungsprozess, gelebt. Nicht zuletzt beinhalte das NPO-Label auch ein Prozessrating, „womit unsere Fähigkeit, in durchgängigen Prozessen zu denken, quantifizierbar wird und Weiterentwicklungen nachverfolgbar werden“, so der Direktor. Die Qualitätssicherung werde zudem durch regelmässige externe und interne Audits sowie Befragungen bei Bewohnern der Pflegeeinrichtungen, ihrer gesetzlichen Vertretungen und der Mitarbeitenden sichergestellt.

Zertifizierter Stiftungsrat

Auch der neunköpfige Stiftungsrat ist seit 2007 zertifiziert: „Die BBP-Zertifizierung (Best Board Practice) des Stiftungsrates bewirkt, dass sich auch das strategische Organ mit dem Prozessdenken innerhalb des eigenen Gremiums sowie in der Zusammenarbeit mit dem Direktor und seiner Geschäftsleitung auseinandersetzt“, erklärt Bernet. Das Label attestiert eine nach besten Praxisstandards gelebte Corporate Governance. Dies gebe dem Stiftungsrat eine Verfahrenssicherheit, weil Abläufe, Kompetenzfragen und Verantwortlichkeiten mit der BBP-Zertifizierung systematisch überprüft würden, so der Direktor. „Der Stiftungsrat unterzieht sich jährlich einer kritischen Selbstevaluation und das Resultat dieser Reflektionen führt zu einer effizienteren Arbeit innerhalb des Gremiums sowie in der Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung.“

Aufgaben überprüfen, um Veränderungen zu antizipieren

Dass die Foundation Governance bei der SSBL ernst genommen wird, zeigte letztes Jahr ein Wechsel in der Chefetage: Direktor Rolf Maegli verliess die Stiftung nach rund sechs Jahren mit sofortiger Wirkung. Als Grund nannte die Stiftung in einer Pressemitteilung die „unterschiedliche  Auffassung  über  die  Führung  und  strategische Weiterentwicklung der Stiftung“. Die Trennung erfolgte im gegenseitigen Einvernehmen (www.die-stiftung.ch berichtete).

Bei einem Erklärungsversuch bleibt Pius Bernet  vage: „Es besteht immer das Risiko, dass sich aufgrund von Umfeldveränderungen die Aufgabenstellung der Stiftung wandelt. Folglich kann sich auch die Sichtweise bezüglich Führung und Weiterentwicklung der sozialen Institution verändern.“ Im Zyklus solcher Veränderungen setzten sich der Stiftungsrat und die operative Leitung mit den neuen strategischen wie auch operativen Fragestellungen auseinander.

www.ssbl.ch

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