26.09.2017 | Von Tobias Anslinger

NPO führen Gemeinwohl-Atlas 2017 an

Ende September hat das Center for Leadership and Values in Society der Universität St. Gallen den dritten Gemeinwohl-Atlas für die Schweiz veröffentlicht. Er bringt den Gemeinwohlbeitrag von 106 Schweizer Organisationen in eine Rangliste.

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Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung aus Nottwil landet im Gemeinwohl-Atlas 2017 auf dem dritten Platz. Foto: Schweizer Paraplegiker-Stiftung

Die Schweiz hat sich verändert – und macht sich mehr Sorgen um das Gemeinwohl im Land als noch vor zwei Jahren. Dies zeigen Ergebnisse des Gemeinwohl-Atlas des Center for Leadership and Values in Society der Universität St. Gallen. Während 2015 sich 65 aus 100 Befragten Sorgen um das Gemeinwohl im Land machten, sind es 2017 73 aus 100 Befragten. Befragte in der Westschweiz und in der italienisch-sprachigen Schweiz sind am meisten besorgt, dass dem Gemeinwohl in der Schweiz zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Alle zwei Jahre erheben die Forscher den Beitrag zum Gemeinwohl ausgewählter Schweizer Organisationen. Gemeinwohl wird dabei an menschlichen Grundbedürfnissen gemessen, konkret am Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle, positiven sozialen Beziehungen, Selbstwerterhalt und positiven Erfahrungen. Ausgewählt für die Untersuchung wurden in diesem Jahr wieder die 106 größten und bedeutendsten Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen, Verbände, Stiftungen und Vereine. Zu jeder Institution wurden mindestens 770 Personen befragt.

Ausschließlich NPO im Spitzenfeld des Gemeinwohl-Atlas

Die Ergebnisse zeigen, dass die Schweizer Bevölkerung eine höhere Wertschätzung gegenüber ihren Organisationen an den Tag legt. Organisationen, die gegenüber der Untersuchung 2015 nicht zulegen konnten, haben auch an Rangplätzen verloren. Bemerkenswert ist gleichzeitig, wie stabil viele Unternehmen in den Augen der Bevölkerung ihren Gemeinwohlbeitrag leisten.

An der Spitze des Gemeinwohl-Atlas 2017 liegen ausschließlich gemeinnützige Organisationen – Vereine, Verbände oder Stiftungen mit Schweizer Hintergrund. Auf dem ersten Platz landete die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega), gefolgt vom Spitex Verband Schweiz. Platz 3 ging an die Schweizer Paraplegiker-Stiftung, dahinter liegen Pro Senectute Schweiz, Pro Infirmis und das Schweizerische Rote Kreuz. Das erste privatwirtschaftliche Unternehmen ist erst auf Platz 27 zu finden – Doodle, gefolgt von Geberit, Swiss und der NZZ.

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Die Top 10 des Gemeinwohl-Atlas 2017. Grafik: Universität St. Gallen

Gemeinwohl-Atlas-Schlusslichter UEFA und FIFA

Die Forscher definieren den Beitrag der Organisationen zum Gemeinwohl entlang der vier oben genannten Grundbedürfnisse der Menschen:

Aufgabenerfüllung: Leistet die Organisation im Kerngeschäft gute Arbeit?
Zusammenhalt: Trägt die Organisation zum Zusammenhalt bei?
Moral: Verhält sich die Organisation anständig?
Lebensqualität: Trägt die Organisation zur Lebensqualität bei?

Generell sind Banken und Medien jene Branchen, welche den Erwartungen der Schweizer Bevölkerung zum Gemeinwohlbeitrag am wenigsten gerecht werden. Und auf den Plätzen 105 und 106 liegen die UEFA und die FIFA.

Für den Gemeinwohl-Atlas wurden im Mai und Juni 14.502 Personen im Alter zwischen 18 und 92 Jahren aus der gesamten Schweiz mittels Online-Fragebogen befragt. Die Befragung war bevölkerungsrepräsentativ. Die detaillierten Ergebnisse zum Gemeinwohl-Atlas 2017 sind hier einsehbar:

www.gemeinwohl.ch

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