02.05.2018 | Von Die Stiftung

Schweizerische Städter unterstützen die Berghilfe

Die Schweizer Berghilfe wird  dieses Jahr 75 Jahre alt. Und hat allen Grund zum Feiern, denn es geht ihr weder die Arbeit noch das Geld dafür aus. Noch immer funktioniert der Leitgedanke, dass die städtische Bevölkerung die Bergler unterstützt. 

Berghilfe
Mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe konnte die Alpgenossenschaft im Muotathal eine Alpkäserei bauen. Foto: Berghilfe Trophy Käserei Bödmeren

Mitten im Krieg, 1943, entstand die Berghilfe. Die meisten Bergbauern waren im Aktivdienst, um die Höfe und Alpen kümmerten sich Frauen, Kinder und Alte. Städter sollen den armen Berglern helfen, so damals die Idee. Und auch heute noch ist es besonders die städtische Bevölkerung, die spendet: „Die allermeisten Spenden – in den letzten Jahren immer über drei Viertel – stammen aus den Stadt- und Agglomerationsgebieten“, sagt Ivo Torelli von der Schweizer Berghilfe gegenüber Swissinfo. Die Grössenordnung hat indes deutlich zugenommen: Anfangs der 1980er Jahre konnte die Berghilfe mit 5 Millionen Franken pro Jahr rechnen, in den letzten Jahren betrug das jährliche Spendenvolumen rund 25 Millionen Franken. 2017 waren es sogar 31 Millionen Franken.

Von der Spendenaktion zur Stiftung Berghilfe

Die Schweizerinnen und Schweizer beweisen damit, dass ihnen die Bergbevölkerung am Herzen liegt, schreibt die Stiftung auf ihrer Website. Die Berghilfe unterstützt heute Projekte aus den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus, Wald und Holz, Bildung, Energie, Gewerbe, Gesundheit sowie Nothilfe. „Das wirtschaftliche Umfeld im Schweizer Berggebiet wird immer rauer. Um nicht abwandern zu müssen, steht die Bergbevölkerung vor grossen Herausforderungen“, sagt Geschäftsführerin Regula Straub.

1953 wurde die Schweizer Berghilfe als Verein eingetragen. Seit 1978 erledigen ehrenamtliche Expertinnen und Experten die Prüfung der Projekte vor Ort, um einen wirksamen Einsatz der Spendengelder zu gewährleisten. 2005 wurden die Aktivitäten in die Stiftung Schweizer Berghilfe überführt. Die Schweizer Berghilfe finanziert sich bis heute ausschliesslich aus Spenden.

Solidarisch mit den Bergbauern

Swissinfo ging der Frage nach, warum die Schweizer Bevölkerung heute noch so solidarisch ist mit ihren Bergbauern. Das habe mit der Schweizerischen „Identität“ zu tun, erklärt Torelli von der Berghilfe gegenüber Swissinfo. „Und auch mit der Entstehungsgeschichte der Schweiz und mit der grossen Schweizer Tradition, dass man bereit ist, denjenigen, denen es nicht so gut geht, zu helfen.“ Jede Schweizerin, jeder Schweizer, sei auch ein bisschen Bergler, so Torelli. Katja Rost, Soziologie-Professorin von der Universität Zürich, bestätigt dies und erklärt auf Swissinfo: „Viele Leute würden eigentlich gerne selbst in der schönen Natur der Berge leben, wenn es denn die Arbeit und das soziale Umfeld zulassen würden.“ Die Dörfer und Berggebiete seien ein Stück Schweizer Kultur und damit auch ein Stück Schweizer Erfolg. „Man würde den eigenen Erfolg untergraben, wenn man dieses Stück Kultur einfach fallen lassen würde“, erklärt die Soziologin.

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