17.10.2018 | Von Martina Benz

Afrika: „One size fits all funktioniert nicht“

Ein differenzierteres Bild von Afrika – das fordert Bernhard von der Haar, Programmleiter des EZ-Scout-Programms, das die GIZ im Auftrag des Entwicklungsministeriums umsetzt. Außerdem sollten Privatwirtschaft und zivilgesellschaftliche Akteure besser zusammenarbeiten.

Afrika
Ohne technisches Know-how geht es nicht: Wirtschaftsnahe Ausbildung als Schlüssel für nachhaltige Entwicklung Foto: © GIZ/Ute Grabowsky

Afrika – für viele entweder ein Kontinent der Chancen oder ein Kontinent der Armut. Immer lauter werden aber die Stimmen, die eine differenziertere Betrachtungsweise fordern. Darunter Bernhard von der Haar von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). „Afrika besteht aus 54 sehr unterschiedlichen Staaten. ‚One size fits all‘ funktioniert da nicht. Es braucht einen direkten Partnerdialog und eine differenziertere Betrachtungsweise. Das Bild Afrikas als Krisen- und Hungerkontinent ist antiquiert. Es gibt Armut, aber es gibt auch Innovationsprozesse, von denen wir uns hier in Europa noch etwas abschauen können“, sagt der Experte für Entwicklungszusammenarbeit. Er bezieht sich dabei unter anderem auf die mobile Telefonie oder mobiles Banking. Diesen Einsatz moderner Technologien, ohne dabei inzwischen veraltete Zwischenschritte zu gehen, nennt sich „Leapfrogging“ und stellt eine riesige Chance für den afrikanischen Kontinent und die Entwicklungszusammenarbeit dar.

Stiftungsauftrag: aufrichtiger Umgang mit Chancen und Risiken

Die differenzierte Betrachtungsweise sei notwendig, damit deutsche Unternehmen sich auf den afrikanischen Kontinent vorwagen, so von der Haars Beobachtung. „Momentan sind es oft noch persönliche Motive, die Unternehmer dazu bewegen, in Afrika zu investieren.“ Wünschenswert sei aber eine professionelle Betrachtung, ein aufrichtiger Umgang mit Chancen und Risiken. Um das zu erreichen, setzt er auch auf den Non-Profit-Sektor. „Ich hoffe, dass das Afrikabild mit der Hilfe deutscher Stiftungen in Zukunft immer differenzierter gestaltet wird.“

Wieso gerade Stiftungen? „Stiftungen haben keine kommerziellen oder politischen Interessen und sind somit glaubwürdig. Im Gegensatz zu Hilfsorganisationen sind sie außerdem oft von Spendeneinnahmen unabhängig, müssen also kein Afrikabild generieren, das Mitleid erregt“.

Ergebnisorientierte Entwicklungsarbeit: Rahmenbedingungen schaffen

Ganz konkret gilt es laut von der Haar außerdem, funktionierende wirtschaftliche Rahmenbedingungen „jenseits der harten Fakten“ wie Infrastruktur und Investitionsmöglichkeiten aufzubauen. Bildungschancen ermöglichen, Fachkräfte ausbilden oder Korruptionsbekämpfung etwa seien ebenso Notwendigkeiten für die Funktionsfähigkeit der Wirtschaft. „Keiner investiert in ein Land, in dem Fragen der Compliance nicht geklärt sind oder es keine Fachkräfte gibt. Das zu schaffen sind Ansatzpunkte der

Afrika
Bernhard von der Haar ist Programmleiter des EZ-Scout-Programms der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Foto: © GIZ/Dirk Ostermeier

Entwicklungszusammenarbeit“, so seine Meinung. Denn: Reformen in Richtung besser funktionierender Rahmenbedingungen müssen von den Partnerregierungen gewollt und verantwortet werden. Oftmals aber fehle es bei der Umsetzung an fachlichen Ressourcen und technischem Know-how. Hier setzt die Unterstützung durch die Entwicklungszusammenarbeit an. Zentral ist, dass die lokalen Strukturen gestärkt und die verantwortlichen Entscheidungsträger  in wirtschaftliche und entwicklungspolitische Reformprozesse eng eingebunden werden – vor allem in Sachen Bildung: „Es braucht eine Beratung hin zu einer wirtschaftsnahen Ausbildung.“

Doch es gibt auch Herausforderungen, die ohne die Privatwirtschaft kaum lösbar zu sein scheinen, weshalb die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wie auch Außenwirtschaft, die private lokale Wirtschaft und die Zivilgesellschaft mit all den dort unterstützenden Akteuren laut von der Haar verstärkt kooperieren sollten. An dieser Stelle setzen die EZ-Scouts des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) an. Sie sind Berater mit entwicklungspolitischer Expertise, die zwischen privater Wirtschaft und staatlicher sowie privater Entwicklungszusammenarbeit vermitteln.

Mehr zu Engagementmöglichkeiten von Stiftungen auf dem afrikanischen Kontinent sowie zu den EZ-Scouts lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe von DIE STIFTUNG.

Die Publikation des BMZ zum Angebot für Stiftungen finden Sie hier.

 

Artikel teilen