17.05.2018 | Von Kai Praum

Deutscher Stiftungstag: Update abgeschlossen

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hatte sich für dieses Jahr ein „Update“ auf die Fahnen geschrieben – und das ist den Verantwortlichen gelungen. Wir wagen einen digitalen Rückblick auf die Woche auf dem Deutschen Stiftungstag 2018 in Nürnberg.

Deutscher Stiftungstag
Rund 2.000 Teilnehmer waren im Laufe der drei Tage in Nürnberg auf dem Deutschen Stiftungstag, auf dem sich viel um das Thema Digitalisierung drehte. Foto: Kai Praum

Die Digitalisierung ist nun auch im deutschen Stiftungssektor angekommen. Mit seinem „Update“ auf dem Deutschen Stiftungstag hat der Bundesverband Deutscher Stiftungen einer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung Rechnung getragen, die den Alltag der Menschen längst erreicht hat. Dabei geht technologische Disruption einher mit tiefgreifendem gesellschaftlichem Wandel. Beide Seiten – die technische und die gesellschaftliche – gilt es zu gestalten, wie Digitalexperte Sascha Lobo deutlich macht. Stiftungen sollten daran aus ureigenstem Interesse mitwirken.

Chancen durch den digitalen Wandel

„Die nächste Generation stiftet anders. Stiftungen müssen als Orte für junge Unternehmerinnen oder Erben noch attraktiver werden“, wird Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbands, zitiert und ruft die Initiative Next Philanthropy aus, um unterschiedlichen und neuen Formen des Stiftens attraktiv zu machen, neue Chancen durch den digitalen Wandel für die Stiftungsarbeit auszuloten und neue Zielgruppen zu erschließen. So ganz scheint das in den Augen von Sascha Lobo nicht angekommen zu sein.

Mit der WHU – Otto Beisheim School of Management gab auch die Wissenschaft Einblicke zur „Digitalisierung in Nonprofits & Stiftungen – Status quo, Perspektiven und neue Wege zu mehr Impact“.

Jörg Dräger, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann-Stiftung, versuchte Antworten auf die Fragen zu geben, was Stiftungen über Algorithmen wissen müssen und wie Stiftungen sich verändern können, um die Kraft von Big Data, künstlicher Intelligenz und anderen Schlüsseltechnologien zu verstehen.

Mit ihrem Crowdfunding-Contest beim Deutschen Integrationspreis zeigte die Gemeinnützige Hertie-Stiftung Möglichkeiten auf, bekannte Instrumente (Preisverleihung) mit neuen Methoden (Crowd-Funding) zu verknüpfen, um gesellschaftliches Engagement zu fördern und Stiftungshandeln transparent und wirksam zu gestalten.

Die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) war auch auf dem Deutschen Stiftungstag ein großes Unsicherheitsthema.

Die spätere Preisträgerin des Deutschen Stifterpreis, Ise Bosch, setzte auch schon im Laufe der Veranstaltung Akzente und bezog Stellung dazu, welche Rolle digitale Medien für die Gleichstellungsdebatte spielen. Aufhänger der Diskussionsrunde waren unter anderem sexistische Hate Speech und die #MeToo-Debatte.

Vermögen: Nachhaltigkeit, Wirkung, Rendite

Nicht zu kurz kamen im Laufe der Veranstaltung die Workshops und Diskussionen rund um die Vermögensverwaltung.

In Zeiten der Niedrigzinsphase sind Stiftungen besonders gefragt, ihre Anlageformen zu überdenken. Ein Weg, der auch in Nürnberg vermehrt im Vordergrund stand, ist die nachhaltige Kapitalanlage.

Eine weitere, ebenfalls bewusstere Form der Kapitalanlage ist Impact bzw. Mission Investing.

Hierauf haben die Vorreiter in der deutschen Stiftungslandschaft mittlerweile einen deutlich differenzierteren Blick als noch vor drei, vier Jahren, wenn auch weiterhin das Bauchgefühl ein nicht ganz unwichtiges Kriterium zu sein scheint.

Markus Ziener, Mitglied im Expertenkreis „Impact Investing“ des Bundesverbands, zeigte in der „Wirkungs-Werkstatt“ der Software AG-Stiftung anhand einer Wirkungslandkarte konkrete Zusammenhänge zwischen Förderung und Investment.

Interaktiver Austausch

Geprägt waren viele der über 130 Workshops von hoher Interaktivität unter den Teilnehmern.

Über alle Tage nutzten die Teilnahme die Zeit für intensive Dialoge und analoge Vernetzung.

Deutschem Stifterpreis 2018 an Ise Bosch

Am Mittwochabend ehrte der Bundesverband Deutscher Stiftungen Stifterin Ise Bosch mit Deutschem Stifterpreis 2018. Nicht erst seit #metoo, so die Begründung des Bundesverbands, sondern seit über 20 Jahren engagiere Ise Bosch sich für Menschenrechte, sexuelle Selbstbestimmung von Mädchen und Frauen sowie für geschlechtliche und sexuelle Diversität weltweit.

„Ich empfinde den Preis als eine ausgestreckte Hand. Nicht nur für mich, die sozusagen logischerweise ein Teil der deutschen Philanthropie-Szene ist, sondern auch für meine Themen: internationales Engagement, Menschenrechte, und das Thema der Geschlechtervielfalt“, sagt die Preisträgerin Ise Bosch im Rahmen ihrer Dankesrede und setzte zum Abschluss ihrer Rede ein deutliches Signal für mehr Diversität im Stiftungsbereich.

Update gelungen

Insgesamt zeigte der Bundesverband Deutscher Stiftung in Nürnberg in allen Bereichen großes Engagement und ermöglichte so konstruktiven Austausch und gute Stimmung gleichermaßen.

 

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