Die Gerda Henkel Stiftung, die seit 1976 besteht, fördert jedes Jahr Projekte im Umfang von mehr als 10 Mio. EUR. Das Stiftungsvermögen ist zu 80% in Henkel-Aktien investiert, allerdings auch mit 2,2% in Private-Equity. DIE STIFTUNG im Gespräch mit Dr. Michael Hanssler, Vorsitzender Vorstand der Gerda Henkel Stiftung.

Die Gerda Henkel Stiftung, die seit 1976 besteht, fördert jedes Jahr Projekte im Umfang von mehr als 10 Mio. EUR. Stiftungszweck ist die Förderung der Wissenschaften, vor allem im Bereich der historischen Geisteswissenschaften wie Archäologie, Kunstgeschichte und Islamwissenschaften. Das Stiftungsvermögen ist zu 80% in Henkel-Aktien investiert, allerdings auch mit 2,2% in Private-Equity. DIE STIFTUNG im Gespräch mit Dr. Michael Hanssler, Vorsitzender Vorstand der Gerda Henkel Stiftung.

DIE STIFTUNG: Inwiefern ist Private Equity ein stiftungsgeeignetes Investment?
Dr. Michael Hanssler: Entscheidend für eine erfolgreiche Vermögensanlage von Stiftungen ist immer ein möglichst diversifiziertes Portfolio. Gerade in der anhaltenden Niedrigzinsphase kann Private Equity daher die – oft „anleihelastigen“ – Stiftungsvermögen sinnvoll ergänzen. Hinzu kommt eine auch gegenüber Aktieninvestments höhere Renditeerwartung – auf deren Erfüllung mancher allerdings vergeblich hofft. Die im Kollegenkreis noch immer zu vernehmende Ansicht, Private Equity-Anlagen seien für gemeinnützige Organisationen grundsätzlich ungeeignet oder gar untersagt, ändert sich nach und nach. Wie für jede andere Finanzanlage gilt allerdings auch für Private Equity, dass die Erwartungen auf höhere Renditen auch höhere Risiken nach sich ziehen – oder in bestem Banker-Deutsch: There is no free lunch!

DIE STIFTUNG: Für welche Stiftung ist Private Equity geeignet?
Hanssler: Wohl vor allem für größere Kapitalstiftungen, die in ihrer Vermögensanlage in aller Regel vergleichsweise frei sind, also keine Restriktionen in ihrer Satzung oder den Anlagerichtlinien haben. Verbrauchsstiftungen und Stiftungen, die einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb – etwa ein Krankenhaus oder eine Kita – unterhalten müssen und auf gleichmäßige und exakt planbare Erträge zwingend angewiesen sind, würde ich nicht zu Private Equity-Investments raten.

DIE STIFTUNG: Woran scheitert eine Stiftungseignung in der Breite?
Hanssler: An der Stiftungsgröße, zumal bei guten Private Equity-Investments oft erhebliche Investitionssummen erwartet werden. Gerade die erfolgreichen Private Equity-Anbieter öffnen sich in der Regel nur sehr vermögenden Privatpersonen oder institutionellen Anlegern und erwarten ein Mindestinvestment in Höhe von 5 bis 10 Mio. EUR und mehr. Um auf jeden Fall zu verhindern, dass eine Stiftung in die Gewerblichkeit „abgleitet“ und damit ihren Gemeinnützigkeitsstatus verliert, müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen des Investitionsprozesses sehr sorgfältig geprüft werden. Diese Prüfung ist mit erheblichen Kosten verbunden – Investitionen, die sich für kleinere Stiftungen oft nicht rechnen. Hinzu kommt, dass Stiftungen, die über keine professionelle und unabhängige Anlageberatung verfügen, die vermeintlich zu komplexen und intransparenten Private Equity-Investments grundsätzlich ablehnen.

DIE STIFTUNG: Worauf achten Sie, wenn Sie ein Private Equity-Investment auswählen?
Hanssler: Die Gerda Henkel Stiftung hat bisher nur in Fund of Funds – also in Private Equity-Dachfonds – investiert. Wir ergänzen unsere Anlagestrategie gegenwärtig durch einige wenige Investitionen in Einzelfonds. Wesentliche Kriterien sind dabei eine globale Ausrichtung und die Vermeidung von Themen- und Branchenfonds. Aus Risikogründen investieren wir eher in Secondaries und kaum in Venture Capital. Langjähriger Track Record der einzelnen Manager und eine hart verhandelte Management Fee spielen in der Auswahl der Private Equity-Partner ebenfalls eine entscheidende Rolle. Die finale Auswahl der Manager erfolgt in drei Schritten: Zunächst betrauen wir externe Anlageexperten mit der Vorauswahl, der Prüfung des Track Records, der Referenzen und der Kostenseite. Dann diskutieren wir im Rahmen unseres Finanzausschusses über eine Shortlist von Anbietern und entscheiden schließlich im Kuratorium über die Höhe und Zuordnung des zur Verfügung stehenden Investmentvolumens.

DIE STIFTUNG: Wie hoch würden Sie schätzen, darf ein Private Equity-Anteil im Stiftungsdepot sein?
Hanssler: Die großen, mit ihren Finanzanlagen bekanntlich höchst erfolgreichen Universitätsvermögen in den USA führen sehr hohe Private Equity-Anteile von mitunter 25% und mehr. Einige – etwa Yale, Harvard oder Stanford – verfügen über zweistellige Milliardenbeträge und können daher erhebliche Schwankungen ihrer Erträge in Kauf nehmen. Das sieht im deutschen Stiftungswesen sicher etwas anders aus: Die Zielgröße der Gerda Henkel Stiftung liegt bei 4 bis 5% des Gesamtvermögens. Ihre Frage lässt sich aber nicht generell beantworten, da die Höhe des Anteils einer Private Equity-Investition sehr stark von der Zusammensetzung des übrigen Vermögens abhängig ist.

DIE STIFTUNG: Und wie sollen Stiftungen mit den in den ersten Jahren ausbleibenden Ausschüttungen umgehen?
Hanssler: Wenn es Vermögen und Cashflow einer Stiftung nicht erlauben, für einen Zeitraum von mindestens sechs bis sieben Jahren ohne laufende Erträge aus Private Equity-Investments auszukommen, ist diese Anlageform wenig sinnvoll. Den viel beschworenen langen Atem sollte man also unbedingt mitbringen.

DIE STIFTUNG: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Tobias M. Karow.

 

 

Dr. Michael HansslerDr. Michael Hanssler ist seit 2003 Vorstand, seit 2008 Vorsitzender des Vorstands der Gerda Henkel Stiftung. Von 1991 bis 1994 war er Referent im Bildungszentrum der Bayerischen Arbeitgeberverbände, von 1994 bis 1997 Referent bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. In den Jahren 1997 bis 2003 arbeitete er als Executive Director des Stiftungsverbundes Bellagio Forum for Sustainable Development in Genf. Hanssler gehört u. a. dem Vorstand des Bundesverbands Deutscher Stiftungen an.

 

 

VC Sp Stiftungen 14Dieser Artikel erscheint im Special Private Equity für Stiftungen, welches der Dezember-Ausgabe der STIFTUNG beiliegen wird. Wer so lange nicht mehr warten möchte, kann es ab jetzt im Shop bestellen.

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