19.07.2018 | Von Kai Praum

Engagement für mehr Demokratie gefragt

„Brückenbauer für alle Generationen gefragt“, so formulierte es DIE STIFTUNG in einem offenen Brief an Felix Oldenburg. Mit dem Schwerpunkt „Demokratie“ für den Stiftungstag 2019 sei ein guter Pfad eingeschlagen. In seiner Antwort bat Oldenburg nun um die Mithilfe auf der Suche nach (Mit-)Konstrukteuren zum Brückenbauen. Dem kommen wir gerne nach.

Zwischen Felix Oldenburg, dem Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, und Kai Praum, dem Chefredakteur von DIE STIFTUNG, ist ein Briefwechsel entstanden. Der beiderseitige Wunsch: Stiftungen sollen Demokratie stärken. Foto: mactrunk/iStock/Thinkstock

Lieber Herr Oldenburg,

Ihre Antwort hat mich sehr gefreut.

Dass Sie den Bundesverband Deutscher Stiftungen fit für die Zukunft und zukünftige Mitglieder machen, konnte ich in diesem Jahr auf dem Deutschen Stiftungstag in Nürnberg selbst beobachten. Auch wurde mir diese Entwicklung – gerade von jüngeren Teilnehmern – mehrfach bestätigt.

Wenn Sie betonen, dass es Ihnen bei der Weiterentwicklung des Verbands nicht um Alt gegen Jung geht, dann kann ich das nur befürworten. Sie sprechen zu Recht das Privileg der auf Ewigkeit angelegten Stiftungen an, nicht mit der Zeit gehen zu müssen.

Daraus erwächst auch die Stärke, dass bereits eine Vielzahl an Stiftungen dazu beitragen, das Wertegerüst unserer Gesellschaft zu stabilisieren. Auf dieses Fundament kann und muss der Stiftungssektor aufbauen. Gelebte Demokratie und die Wahrung von Menschenrechten sind beileibe keine zeitgeistigen Modeerscheinungen.

In Zeiten, in denen Menschenrechte irritierender Weise verhandelbar scheinen, sind nun auch Stiftungen und Stifter gefragt, das Fundament zu stärken. Der Verein „Artikel 1 – Initiative für Menschenwürde“ hat eine Kampagne zur Stärkung der Demokratie in Deutschland gestartet. Liberale, Grüne, Sozialdemokraten und Konservative setzen sich dort gemeinsam für die Demokratie ein. Ein spannendes Netzwerk, dessen Arbeit es zu unterstützen gilt. Hier können die brückenbauenden Stiftungen und sicherlich auch der Bundesverband Deutscher Stiftungen als „Hilfskonstrukteur“ starke Partner sein.

Denn auf Partnerschaften setzen Stiftungen seit je her. Dabei werden bereits viele spannende Projekte gefördert. Doch nicht selten endet diese Partnerschaft genau dann, wenn die Maßnahmen beginnen, Wirkung zu erzielen. So weiß Marina Weisband, die frühere Geschäftsführerin der Piratenpartei, zu berichten, dass sich die Weiterfinanzierung des innovativen Aula-Projekts zur Förderung digitaler Demokratie schwierig gestaltet, da Stiftungen lieber neue oder eigene Projekte fördern, als bestehende Projekte weiter zu finanzieren. Dabei verbindet das Aula-Projekt in exzellenter Art und Weise Bewährtes mit Neuem. Es basiert auf dem Demokratiekonzept der „Liquid Democracy“, das auf den Schriftsteller Lewis Carroll – den Verfasser von „Alice im Wunderland“ – zurückgeht. Durch die Digitalisierung stehen nun die technischen Möglichkeiten bereit, das Konzept umzusetzen.

Mit diesen beiden Beispiele komme ich gerne Ihrer Bitte nach, erste Ideen zum Thema Demokratie einzubringen. Doch das soll nur der Anfang sein. Denn ich greife mit großer Freude Ihren Vorschlag auf, unsere Leserinnen und Leser und Ihre Mitgliederinnen und Mitglieder zu mobilisieren.

Gerne möchten wir die spannendsten Maßnahmen und Projekte rund um gelebte Demokratie, demokratische Willensbildung und die Wahrung sowie Stärkung der Menschenrechte vorstellen. So kann und soll bis zum nächsten Stiftungstag im Juni 2019 in unserem Magazin und auf unserer Onlineplattform eine Demokratie-Serie entstehen, die Engagement für Demokratie sichtbar macht und Akteurinnen und Akteure innerhalb und außerhalb des Stiftungssektors vernetzt.

Daher starten wir hiermit einen Aufruf an Sie, liebe Stifterinnen und Stifter, liebe Stiftungsvertreter, uns per Mail oder per Post Ihre Aktivitäten vorzustellen. Dabei sind die Erfolgsgeschichten ebenso gerne gesehen wie die ehrlich benannten Herausforderungen und Schwierigkeiten – denn auch die gilt es zu beleuchten.

Die Redaktion erreichen Sie digital unter redaktion@die-stiftung.de und auf dem Postweg unter folgender Adresse:

FRANKFURT BUSINESS MEDIA – Der F.A.Z.-Fachverlag
Redaktion DIE STIFTUNG
Frankenallee 68-72
60327 Frankfurt

Vielen Dank, lieber Herr Oldenburg, dass Sie den Ball aufgenommen und direkt retourniert haben. Wir halten ihn gerne im Spiel.

Mit den besten Grüßen
Ihr Kai Praum

PS: Bei einem persönlichen Treffen freue ich mich dann auch darauf, wenn Sie mir erklären, wie genau Crowdfunding bereits vor Jahrhunderten vonstattenging.

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Die Antwort von Felix Oldenburg finden Sie auf dem Stiftungsblog des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen.

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Den ersten offenen Brief von Kai Praum können Sie auf der Meinungsseite der Ausgabe 3-2018 von DIE STIFTUNG nachlesen.

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