In der Frankfurter Debatte 2014 dreht sich (fast) alles um den Niedrigzins und Strategien für Stiftungen, diesem zu entkommen. Es diskutierten Petra Träg (SOS Kinderdorf-Stiftung), Michael Lürßen (Bremer Landesbank), Stefan Mönkediek (Runte, Stadtmüller & Mönkediek GmbH) und Prof. Dr. Thorsten Polleit (Polleit & Riechert).

Mönkediek: Das ist auch eine Definitionsfrage von Private Equity. Was man allgemein darunter versteht, sind geschlossene Investments, Dachfondskonzepte, Einzelfondskonzepte, dies mit einem sehr, sehr breiten Spektrum von der Start-up-Finanzierung bis hin zum klassischen Fall der Aufsplitterung eines großen Unternehmens. Große Stiftungen können und sollten solche Chancen nutzen. Man kann Private Equity auch so definieren, dass sich eine Stiftung bei einem kleineren börsennotierten Unternehmen, bei dem Preis versus Wert passt, einkauft. Und zwar in einem Maße, wie es ein Fondsmanager wegen mangelnder Liquidität nie machen würde. Aber die Stiftung kann das machen, sie hat Zeit, sie kann das Unternehmen sich entwickeln lassen. Damit handelt man es wie eine Private-Equity-Beteiligung, kann aber zur Not liquidieren.

Polleit: Unternehmen, die Dividende zahlen, sind häufig beliebt bei Anlegern, weil sie quasi als Substitut für Anleihen angesehen werden. Aber diese Einschätzung sollte man kritisch hinterfragen. Beispiel: Wenn Sie ein gutes Unternehmen gefunden haben, dass hohe Kapitalrenditen verdient, ist es für einen Aktionär sehr attraktiv, wenn das Unternehmen möglichst wenig Dividende ausschüttet und stattdessen in das eigene Geschäftsmodell reinvestiert. Dann hat man den Zins- und Zinseszinseffekt, mit dem es gelingt, den Kapitalbestand zu mehren. Also: Nicht auf hohe Dividendenpolitik setzen, sondern vielmehr auf eine hohe und stetige Kapitalverzinsung bei der Unternehmensauswahl achten.

Mönkediek: Ob der Zinseszinseffekt für die Stiftung sinnvoll ist, hängt vom individuellen Bedarf ab. Denn dieser Effekt fließt in den Aktienkurs und damit in das Kapital und nicht die ausschüttungspflichtigen Erträge. Wichtig ist auch, woher die Dividenden stammen. Sie sollten aus Erträgen, aus Gewinnen kommen. Es darf nicht so sein wie bei den schuldenfinanzierten Aktienrückkaufprogrammen, auch hier müssen Anleger ganz genau hinschauen.

DIE STIFTUNG: Das Thema Mission Investing wird derzeit vom Bundesverband Deutscher Stiftungen forciert. Kann das Ihrer Meinung nach ein Weg sein, um aus dem Niedrigzinsdilemma herauszukommen?
Lürßen: Ich sehe das schon als ein Thema. Es ist aber schwierig, interessante und passende Anlagemöglichkeiten zu finden. Jede Stiftung muss Kreativität entwickeln, wie sie das Thema für sich umsetzen kann. Auf dem Deutschen Stiftungstag hat es dazu ja einige gute Beispiele gegeben, etwa von der BMW-Stiftung. Aber da stehen wir am Anfang, hier sind gute Ideen gefragt. Auf alle Fälle darf man das nicht nur aus dem ethischen Blickwinkel betrachten, sondern muss auch die Chancen und Risiken exakt abwägen.

Träg: Wir haben uns das Thema angeschaut und sind zu dem Ergebnis gekommen: Das eine ist die Erfüllung des Satzungszweckes, das andere das Erwirtschaften von Erträgen – und für beides braucht man Fachleute. Und kann man das wirklich kombinieren? Was hat mehr Gewicht: die Mission – oder das Investment? Für mich das Investment, denn das erhält das Kapital. Ein Mission-Investing-Modell müsste also alle Kriterien erfüllen, die jede andere Kapitalanlage auch erfüllen muss. Ich kann am Ende ja nicht sagen: Hat zwar kein Geld gebracht, aber ich habe immerhin meinem Satzungszweck gedient.
Ein Beispiel: Uns wurde ein Kindergartenfonds unter dem Schlagwort Mission Investing angeboten, und wir haben den analysiert. Aber man muss überlegen: Die Nachfrage nach Kindergärtenplätzen kam erst durch den gesetzlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Weil so schnell so viele Kindergärten gar nicht gebaut und Kindergärtnerinnen gefunden werden konnten, wurde danach das Betreuungsgeld als Alternative eingeführt. Durch jeden Eingriff verändern sich die Rahmenbedingungen zu denen der ursprünglichen Investitionsentscheidung. Und schließlich haben wir uns den demografischen Faktor angeschaut und Abstand genommen.

Polleit: Ich finde überzeugend, was Frau Träg sagt: Bei Mission Investing ist die gleiche Messlatte anzusetzen wie bei anderen Investitionen auch. Man wäre nicht gut beraten, hier den wohlmeinenden Zweck überzubetonen.

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