In der Frankfurter Debatte 2014 dreht sich (fast) alles um den Niedrigzins und Strategien für Stiftungen, diesem zu entkommen. Es diskutierten Petra Träg (SOS Kinderdorf-Stiftung), Michael Lürßen (Bremer Landesbank), Stefan Mönkediek (Runte, Stadtmüller & Mönkediek GmbH) und Prof. Dr. Thorsten Polleit (Polleit & Riechert).

Mönkediek: Aus Sicht des Vermögensverwalters muss ich sagen, dass es ein schwieriges Thema ist, denn es wird wenig angeboten, und wenn, dann handelt es sich um geschlossene Konzepte – wo ich wenig Einblick und hohe Kosten habe. Im Moment ist das Thema so ein gewisser Hype. Im Grunde gibt es aber auch schon viele Beispiele erfolgreichen Mission Investings, denn ich nehme an, Frau Träg, die SOS-Kinderdörfer gehören der Stiftung.

Träg: Ja.

Mönkediek: … und damit investieren Sie ja direkt in den Stiftungszweck. Ich kenne eine Stiftung in Darmstadt, die betreibt einen Kinderhort und ihr gehört die Immobilie. Das ist für mich auch Mission Investing, der Ertrag sind die gesparten Mietausgaben. Und es besteht die Möglichkeit, Darlehen zu fairen Zinsen an einen Destinatär zu vergeben, dessen Vorhaben sich mit meinem Zweck deckt. Auch das ist Mission Investing.

DIE STIFTUNG: Kommen wir zur Schlussrunde: Welche konkreten Ideen haben Sie für Stiftungen, und müssen sich Stiftungen von den 4% Renditen verabschieden?
Mönkediek: Wenn ich mir das Kernmodell der Stiftungen und gemeinnützigen Organisationen anschaue, die wir beraten, dann wird mit 60% Sicherheit und 40% Chancen gefahren. Dabei haben wir in diesen Mandaten aber große Freiräume bei den Segmentquoten. Mit sehr aktivem Management sind wir damit in den vergangenen zwei Jahren auf Erträge von gut 5% nach Kosten pro Jahr gekommen bei einer Volatilität von 2,5%. Es ist noch machbar mit den 4%, aber man muss sich sehr darum kümmern. Aufgrund der Größe des Anlagevermögens unserer Mandanten gehen wir ausschließlich in Einzeltitel, wir kaufen keine Fonds. Kleinere Stiftungen müssen Energie darauf verwenden, einen geeigneten Berater zu finden, vielleicht bei großen Stiftungen mal schauen, wie die allokieren, um dann gute Anlagestrategien über Fonds oder ETFs abzubilden.

Polleit: Wenn Schuldenschnitte, höhere Besteuerungen und Geldentwertung zu erwarten sind, dann ist die Frage: Welche Handlungsoptionen gibt es? Wenn ich mir die verschiedenen Anlageklassen ansehe, dann lande ich immer wieder bei Produktivkapital. Von daher würde ich Stiftungen bei der Asset Allocation immer die Eigenkapitalkomponente empfehlen mit der Investition in gute Unternehmen mit inflationsresistenten Geschäftsmodellen. Die muss man aufspüren, gründlich analysieren und nur dann kaufen, wenn sie günstig zu haben sind. Stiftungen sollten sich dabei nicht mit dem Einschätzen von kurzfristigen Marktpreisschwankungen aufhalten, sondern eine unternehmerische Haltung einnehmen und langfristig denken, zumal sie das Privileg haben, mit Langfristorientierung anlegen zu können.

Lürßen: Wir halten uns noch an diese 70/30 Struktur, managen das aber ganz aktiv. Wir sehen für 2015 keine durchgreifende Änderung am Markt. Wir reden alle über die nächste Finanzmarktkrise, sehen die zeitnah aber nicht. Wir sehen zwar politische Risiken, aber nicht so dynamisch, dass sie die Aktienkurse 2015 stark nach unten drücken könnten. Korrekturen sehen wir daher eher als Einstiegschance. Wir reagieren darauf, dass wir auch Anleihen von systemrelevanten Banken kaufen. Wir nutzen durch das aktive Management auch Anomalien, etwa wie im vergangenen Jahr, als in Italien sehr hohe Renditen für Pfandbriefe gezahlt wurden und wir diese in die taktische Ausrichtung unserer Vermögensverwaltung zeitweise mit aufnahmen. Wir achten sehr stark auf Bonitätsveränderungen. Aktien und Anleihen sind weiterhin zentral, wobei auch eine Nachfrage nach Immobilien bei Stiftungen zu sehen ist. Wir erwarten auf dem Immobilienmarkt weitgehende – und nicht nur positive – Veränderungen, deshalb besteht in diesem Bereich hoher Beratungsbedarf. Grundsätzlich kann aber auch ein Immobilienfonds eine sinnvolle Beimischung sein.

Träg: Mir liegen die kleinen Stiftungen am Herzen, und da müssen wir Wege finden, einen Know-how-Transfer zu initiieren. Also grundlegende Dinge wie: Ich kann einen Investmentfonds über die Börse kaufen und muss dann keine 5% Ausgabeaufschlag bezahlen. So ein 10-Punkte-Starterprogramm würde doch schon mancher Stiftung helfen. Es wäre unendlich schade, wenn das Sozialkapital, das viele Leute freiwillig gestiftet haben, in der jetzigen Situation geschmälert würde.

DIE STIFTUNG: Hierin sind wir uns einig. Liebe Frau Träg, sehr geehrte Herren, haben Sie ganz herzlichen Dank für den lebendigen Austausch.

Durch die Diskussion führten Tobias M. Karow und Stefan Preuß.

 

Polleit_Thorsten_13474_ppDr. Thorsten Polleit ist Ökonom und Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. Zusammen mit Matthias Riechert managt er den P&R REAL VALUE Fonds.

 

 

 

VermögensanlageAls Geschäftsführung der SOS-Kinderdorf-Stiftung kümmert sich Petra Träg um die Verwaltung und das Anlagenmanagement der Dach- und 60 Treuhandstiftungen sowie weiterer 13 rechtlich selbstständiger Stiftungen.

 

 

 

VermögensanlageMichael Lürßen verantwortet seit 2007 das Generationen- und Stiftungsmanagement der Bremer Landesbank. Er begleitet dabei Stiftungen konzeptionell von der Idee zur Gründung, ihrer täglichen Arbeit bis hin zu Spezialthemen.

 

 

VermögensanlageStefan Mönkediek ist geschäftsführender Gesellschafter der Runte, Stadtmüller & Mönkediek GmbH. Die unabhängige Vermögensverwaltung betreut vermögende Familien, institutionelle Anleger und Stiftungen.

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