Die einfachen Jahre sind vorbei, und auch Stiftungen müssen die richtigen Dinge zur richtigen Zeit tun. Auf diese einfachen Nenner kamen Thomas Peters (Stiftung Sonnenseite), Markus Ziener (Software AG-Stiftung), Jörg Müller (Advice & Opinion), Matthias Steinhauer (CONCEPT Vermögensmanagement), Martin Weinrauter (Grohmann & Weinrauter) und Fabian Höhne (TU München) in der fünften Frankfurter Debatte und diskutierten Anlagealternativen und potentielle Risiken aus Stiftungssicht.

Die einfachen Jahre sind vorbei, und auch Stiftungen müssen die richtigen Dinge zur richtigen Zeit tun. Auf diese einfachen Nenner kamen Thomas Peters (Stiftung Sonnenseite), Markus Ziener (Software AG-Stiftung), Jörg Müller (Advice & Opinion), Matthias Steinhauer (CONCEPT Vermögensmanagement), Martin Weinrauter (Grohmann & Weinrauter) und Fabian Höhne (TU München) in der fünften Frankfurter Debatte und diskutierten Anlagealternativen und potentielle Risiken aus Stiftungssicht.

 

DIE STIFTUNG: Wie immer in der Frankfurt Debatte wollen wir zunächst den Status Quo analysieren. Was fällt Ihnen dazu ein?
Thomas Peters: Die einfachen Jahre sind vorbei. Wir Stiftungen konnten bis zuletzt eigentlich nicht viel falsch machen. Aktien- und Anleihekurse sind hoch, das heißt die einzelne Allokation war gar nicht so wichtig. Alle haben eine vernünftige Rendite hinbekommen, egal wie Aktien und Anleihen kombiniert wurden. Eine Stiftung ging mit 4% Rendite nach Hause, die andere mit 6%. Jetzt würde ich vermuten, dass eines Tages der Crash am Rentenmarkt ansteht, renditeseitig sind wir ausgereizt, das zinslose Risiko wird hier gerne bemüht, zu Recht, wie ich finde. Aber auch bei den Aktien finde ich Wolken. Der DAX hat sich in den letzten sieben Jahren verdoppelt, das wird so nicht noch einmal passieren.

DIE STIFTUNG: Also sieben magere Jahre voraus?
Peters: Das nun nicht, aber so fette Jahre werden es auch nicht. Muss aber auch nicht, bei einer Inflation von null. Hier sind dann 3% Anlageergebnis auch 3% reale Rendite.
Martin Weinrauter: Finde ich interessant, dass Sie den DAX der letzten sieben Jahre zitieren. Ziehen Sie das Zeitfenster doch auf acht oder neun Jahre auf, dann sind die Renditesprünge gleich viel geringer. Außerdem war ein erheblicher Teil der Rendite in den vergangenen sieben Jahren die Dividende, die Kursentwicklung allein ist gar nicht mehr so spektakulär. Die Zeit spielt eine entscheidende Rolle.
Jörg Müller: Wir stellen fest, dass es eine Anomalie an den Märkten gibt, nämlich dass niedrig volatile Aktien fast den Charakter von Unternehmensanleihen haben. Sie schütten dabei stetig aus und weisen in der Regel noch Kursgewinne aus. Solche soliden Dinge dürften für Stiftungen interessant sein. Was uns zudem auffällt ist, dass demjenigen, der keine Aktien hat, die Gebühren für die Vermögensverwaltung zunehmend weh tun. Das trifft für Stiftungen genauso zu, weshalb wir uns schon fragen, warum sie nicht mehr in Aktien investieren. Wissen Sie warum? Weil ihnen die Satzungen in vielen Fällen entgegenstehen. In den USA müssen Stiftungen mindestens 5% ausschütten, was auch zu Lasten des Fundaments gehen kann, in Deutschland muss das Fundament auf Teufel komm‘ raus erhalten werden. Vielleicht steckt da auch ein Schlüssel, warum Stiftungen insbesondere bei Investments außerhalb der Anleihe so vorsichtig sind. Stiftungen sollten sich jedoch fragen, ob Kapitalerhalt in Zeiten der Finanzrepression überhaupt möglich ist. Dauern die Niedrigzinsen noch zehn Jahre, schmilzt der Stiftungsstock weg wie die Butter in der Sonne. Das Modell der USA, das ja hohe Ausschüttungen für den Stiftungszweck vorsieht, stellt die Kapitalanlage jedenfalls anders auf, ich vermute zeitgemäßer; insbesondere vor dem Hintergrund, dass Stiftungen ja das ewige Leben haben.
Markus Ziener: In der Tat leben wir in herausfordernden Zeiten, was die Vermögensanlage von Stiftungen angeht. Wenn wir auf die enormen Volatilitäten bei den Aktien schauen – es ist normal geworden, dass die Kurse an einem Tag 1-2% hoch oder runtergehen – dann wird deutlich, dass dem nur mit aktivem Management beizukommen ist. Allein in diesem Jahr legten die Kurse im ersten Quartal erst zu, dann schwankten sie stark und korrigierten, jetzt geht es wieder nach oben. Diese Schwankungen bergen immer auch Chancen in sich, die durch aktives Vermögensmanagement genutzt werden können. Die Frage für Stiftungen, insbesondere für kleine und mittlere, ist aber, wie sie das leisten können. Dazu kommt das Problem, wie Herr Müller richtig festgestellt hat, dass Stiftungen zu wenig in Aktien investiert sind.
Matthias Steinhauer: Für mich sind wir an den Märkten immer noch inmitten eines Transformationsprozesses hin zu einem Liquiditätsregime.

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