23.11.2014 | Von Die Stiftung

Gespräch mit Kai Bender, CEO der ACRON AG, über die Eignung von Immobilien als Stiftungsinvestment

DIE STIFTUNG: Warum sollten Immobilien essentieller Bestandteil der Asset Allocation einer Stiftung sein?
Kai Bender: Die meisten Stiftungen sind langfristig orientiert, häufig langfristiger als andere Investoren, deren Investitionszeitraum eher von der eigenen Lebensspanne bestimmt ist. Werterhalt und langfristige Kalkulierbarkeit stehen zumeist im Vordergrund. Eine gute Immobilie und der entsprechende Grund und Boden können diese Bedürfnisse sehr gut befriedigen, besser als volatilere Assetklassen. Wertschwankungen sind auch im Immobilienbereich nicht ausgeschlossen – aber bei einer Gesamtbetrachtung über Jahre bietet die „Trägheit“ des Immobilienmarktes und die fehlende Duplizierbarkeit von Grund und Boden ein solides Fundament für den Werterhalt der Investition.

DIE STIFTUNG: Wie hoch sollte der Anteil sein?
Bender: Dies hängt mit der Risikobereitwilligkeit der Stiftung zusammen. Eine Stiftung, die primär auf die Erzielung hoher Gewinne bei höherem Risiko gerichtet ist, sollte vorzugweise in Bereiche investieren, in denen solche Gewinne kurzfristig realisiert werden können oder in denen man durch einen schnellen Exit einer Marktumkehr schnell entkommen kann. Immobilienbestandsinvestments sollten dann eher untergewichtet sein. Steht hingegen der Werterhalt und die Langfristigkeit im Vordergrund und ist auch eine solide Basis innerhalb der Stiftung vorhanden, die es möglich macht, auch Schwächephasen eines Immobilienmarktes zu überstehen, ohne zum Verkauf von Assets gezwungen zu sein, spricht nichts gegen eine Quote von sogar über 50%.

DIE STIFTUNG: Warum hegen Stiftungen Ressentiments gegenüber der Assetklasse Immobilie?
Bender: Eine Aversion von Stiftungen gegenüber Immobilien können wir nicht unmittelbar bestätigen. Wir selbst haben 17% Stiftungen unter unseren Investoren.

DIE STIFTUNG: Wie würde Ihre Lösung aussehen?
Bender: Maßgeschneiderte Immobilienportfolios nach den Anlagestrategien der Stiftung, maßgeschneiderte Investmentvehikel nach den Steuer- und Nachhaltigkeits-Anforderungen der Stiftung. Sofern der Stiftungszweck es erlaubt, sollte der Blick auch über Landesgrenzen nicht gescheut werden, da verschiedene Marktphasen weiteres Potential bieten und weitere Diversifikation erlauben.

DIE STIFTUNG: Vielen Dank für diesen Einblick in Immobilieninvestments.

Das Interview führte Tobias M. Karow.

 

Kai-P-BenderKai Bender ist CEO und Delegierter des Verwaltungsrats der ACRON AG. Nach seiner Zulassung als Rechtsanwalt 2002 absolvierte Kai Bender den LL.M. mit Vertiefung Wirtschaft- und Steuerrecht. Seit 2004 ist er Mitglied des Board of Directors der ACRON (USA) L.P., seit 2008 ist er Geschäftsführer der ACRON AG.

 

Tipp: Kai Bender wird als Diskutant an einem der sechs Roundtables während der Zürcher StiftungsDialogen am 26. November teilnehmen.

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