05.12.2016 | Von Die Stiftung

Keine Panik bei Kursrückgängen

Viele Stiftungen kehren in stürmischen Börsenzeiten dem Aktienmarkt überhastet den Rücken. Sorge bereiten nicht nur mögliche kräftige Verluste, sondern auch drohender Ärger mit den Aufsichtsbehörden wegen etwaiger Verstöße gegen rechtliche Rahmenbedingungen. Diese Befürchtung ist jedoch überwiegend unbegründet.

Viele Stiftungen kehren in stürmischen Börsenzeiten dem Aktienmarkt überhastet den Rücken. Sorge bereiten nicht nur mögliche kräftige Verluste, sondern auch drohender Ärger mit den Aufsichtsbehörden wegen etwaiger Verstöße gegen rechtliche Rahmenbedingungen. Diese Befürchtung ist jedoch überwiegend unbegründet.

Von Dirk C. Schoch

 

Was tun in Zeiten, in denen die Volatilität an den Märkten zunimmt und die Aktienkurse eine Achterbahnfahrt hinlegen? Um allzu kräftige Kursverluste zu vermeiden, ziehen viele Stiftungen in solchen Phasen die Notbremse und trennen sich von ihren Aktienanlagen. Zu groß ist die Befürchtung, dass der Stiftungszweck auf Dauer nicht mehr erfüllt werden kann. Dass im Zuge einer lang anhaltenden Baisse die für den Stiftungszweck wichtigen laufenden Erträge wie Dividenden ebenfalls geringer ausfallen, kommt erschwerend hinzu.

Doch nicht nur die Sorge schrumpfender Mittel verursacht bei den Verantwortlichen Bauchschmerzen, sondern auch die Angst, sich für mögliche Verstöße gegen aufsichtsrechtliche Richtlinien verantworten zu müssen. Schließlich haftet der Vorstand bei einer Stiftung gesamtschuldnerisch und schlimmstenfalls sogar mit seinem Privatvermögen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man in turbulenten Börsenphasen in Panik verfallen und alle Aktienanlagen abstoßen sollte. Ist die Haftung doch auf Pflichtverletzungen begrenzt, die vorsätzlich oder grob fahrlässig begangen wurden.

Zudem gilt vor allem bei der Aktienanlage das Gebot der Langfristigkeit. Das heißt: Auch in Phasen kurzfristiger hoher Volatilität sollte Ruhe bewahrt werden, sofern die Auswahl der Aktien – einzeln oder über Fonds – sorgsam getroffen wurde. Dass es sich nicht lohnt, in turbulenten Phasen dem Aktienmarkt den Rücken zu kehren, zeigt auch ein Blick in die Vergangenheit. So belegt eine Untersuchung der Sutor Bank, dass gerade auf sehr starke Kursrückgänge häufig unmittelbar Kurssteigerungen folgen.

MSCI World alle Tage versus MSCI World ohne beste 5/10/15 Tage
MSCI World alle Tage versus MSCI World ohne beste 5/10/15 Tage

Aus der Analyse „DAX ohne die 15 besten Tage“ lässt sich herauslesen, dass die besten Börsentage vor allem in stürmischen Marktzeiten liegen. Demnach lagen die fünf gewinnstärksten Börsentage des globalen Aktienindex MSCI World im Zeitraum September bis Dezember 2008 – unmittelbar zur Zeit der Lehman-Pleite und der nachfolgenden Finanzkrise, in deren Verlauf es zu hohen Verwerfungen an den Aktienmärkten kam. Im Januar 1991 gab es im Zuge der militärischen Operation „Desert Storm“ und dem Beginn des Golfkrieges kräftige Kurssprünge (Platz neun der besten Börsentage), im Juli 2002 hielt der Enron-Skandal und der Vorgriff auf die militärische US-Intervention im Irak die Märkte in Atem (Platz zwölf).
 
Welchen großen Einfluss die besten Börsentage auf die Gesamtrendite haben, zeigt auch folgende Berechnung: Von Januar 1988 bis Ende August dieses Jahres kommt der Index MSCI World auf eine jährliche Rendite von durchschnittlich gut 5%. Wer hingegen die 15 besten Börsentage verpasst hat, erzielte lediglich einen Ertrag von gut 2% per annum. Es kann sich also durchaus lohnen, vor allem in stürmischen Börsenphasen investiert zu bleiben. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Verkauft eine Stiftung in turbulenten Zeiten vorschnell ihre Aktienanlagen, beraubt sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit der Chance, Verluste wieder zeitnah wettzumachen und erhöht das Risiko, auf lange Sicht eine unterdurchschnittliche Rendite zu erzielen.

Die Gefahr, dass eine auch in stürmischen Zeiten am Aktienmarkt investierte Stiftung sich Ärger mit der Aufsichtsbehörde einhandelt, besteht zunächst nicht. Wichtig ist, dass sämtliche Anlageentscheidungen gut dokumentiert sind – auf diese Weise kann eine bestimmte Anlagestrategie auch in schwierigen Zeiten an den Kapitalmärkten stets nachvollzogen werden.

Probleme drohen erst, wenn der Stiftungszweck nicht mehr erfüllt werden kann und sich darüber hinaus auf längere Sicht das Verhältnis von Erträgen der Stiftung zu Verwaltungsaufwendungen massiv verschlechtert. Während ein Anteil für Verwaltungsausgaben von 25% unproblematisch ist, könnte ein Anteil von 50% und mehr bereits das Sicherstellen des Stiftungszwecks gefährden und damit auch behördliche Nachfragen nach sich ziehen. Dabei kann bei einer Verwaltungskostenquote von mehr als 50% sogar der Entzug der Gemeinnützigkeit drohen. Die Finanzverwaltung prüft dabei aber zunächst, ob die Ausgaben wirtschaftlich sinnvoll sind und ob sich die Stiftung noch in der Aufbauphase befindet.

 

Fazit

Stiftungen sollten sich von kurzfristigen Schwankungen nicht zu stark irritieren lassen. Wer vorbereitet ist und seine Anlagerichtlinien regelmäßig und sorgsam prüft, diese nach Risikogesichtspunkten festlegt und sein Portfolio breit diversifiziert, wird sich nicht nur im rechtlichen Rahmen bewegen, sondern auch seine Fördermöglichkeiten langfristig sichern können.

 

Weitere Informationen:

www.sutorbank.de/sutor-bank-analyse-dax-ohne-15-beste-tage

 

G8 Dirk C. SchochDirk C. Schoch ist als Leiter des Stiftungskontors der Sutor Bank zuständig für die Beratung in allen Fragen des Stiftungsmanagements – von der Buchhaltung, Gremienarbeit, Immobilienverwaltung bis hin zum Projektmanagement. Er ist daneben zertifizierter Stiftungsmanager (DSA) und Stiftungsberater (EBS).

Artikel teilen