Die Dachstruktur der Stiftung Preußischer Kulturbesitz schränke die Weiterentwicklung der einzelnen Einrichtungen ein. Deshalb empfiehlt eine Evaluation des Wissenschaftsrats, die Dachstruktur aufzulösen und den einzelnen Häusern mehr Verantwortung und Autonomie zu geben.

In seinen „Strukturempfehlungen zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK)“ spricht sich der Wissenschaftsrat dafür aus, die Dachstruktur der SPK aufzulösen und den Verbund der Staatlichen Museen zu Berlin, die Staatsbibliothek zu Berlin, das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz und das Ibero-Amerikanische Institut jeweils organisatorisch zu verselbstständigen.

Die Evaluation wurde vor zwei Jahren von der Bundesregierung für Kultur und Medien in Auftrag gegeben: Der Wissenschaftsrat – der Bund und Länder in Fragen der Weiterentwicklung des Hochschulsystems sowie der staatlichen Förderung von Forschungseinrichtungen berät – sollte insbesondere die Governance-Struktur der SPK begutachten, aber auch zum Beispiel die Umsetzung des Stiftungsauftrags.

Autonomie statt Dachstruktur

„Die Sammlungen der SPK sind von immenser internationaler Bedeutung. Entsprechend hoch sind die Erwartungen von Öffentlichkeit, Politik und Wissenschaft an Ausstellungen, Vermittlungsformate und Forschung in den Einrichtungen der Stiftung“, betont Dorothea Wagner, Vorsitzende des Wissenschaftsrats. Dieses Potential können derzeit nicht hinreichend ausgeschöpft werden.

Auch wenn der Wissenschaftsrat die Leistungen der Stiftung würdigt: Er sieht einen Punkt erreicht, an dem die Dachstruktur der Stiftung die Weiterentwicklung der darunter versammelten Einrichtungen einschränkt. Tief gestaffelte Hierarchien und unklare Entscheidungsprozesse vermindern die Leistungs- und Strategiefähigkeit der Einrichtungen, so die Evaluation. Dies bestätigt auch Stiftungspräsident Hermann Parzinger: Der Schlüssel für die Weiterentwicklung liege in einer größeren Autonomie und Verantwortung der einzelnen Häuser und in flacheren Hierarchien. Es gehe darum, mit einer künftigen Struktur die Entwicklungspotenziale zu stärken und „das nationale und internationale Renommee und die Strahlkraft nicht zu beschädigen, sondern zu befördern“. Parzinger ist davon überzeugt, „dass wir mit dieser Evaluation den richtigen Schritt getan haben, um die großartigen Sammlungen und das exzellente Wissen, die unter dem Dach der Stiftung vereint sind, in Zukunft noch besser zur Geltung zu bringen“.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) ist eine bundesunmittelbare Stiftung des öffentlichen Rechts. Sie wurde 1957 per Gesetz gegründet und nahm im Jahr 1961 ihre Arbeit auf. Die Stiftung untersteht der Aufsicht der bzw. des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Laut Stiftungsgesetz hat die SPK den Zweck, „bis zu einer Neuregelung nach der Wiedervereinigung die ihr übertragenen preußischen Kulturgüter für das deutsche Volk zu bewahren, zu pflegen und zu ergänzen, unter Beachtung der Tradition den sinnvollen Zusammenhang der Sammlungen zu erhalten und eine Auswertung dieses Kulturbesitzes für die Interessen der Allgemeinheit in Wissenschaft und Bildung und für den Kulturaustausch zwischen den Völkern zu gewährleisten“.

Unter dem Dach der SPK sind fünf Einrichtungen vereint:

  • die Staatlichen Museen zu Berlin mit fünfzehn Museumssammlungen und vier Instituten,
  • die Staatsbibliothek zu Berlin,
  • das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz,
  • das Ibero-Amerikanische Institut sowie
  • das Staatliche Institut für Musikforschung.

Eine Zusammenfassung sowie auch ein Link zum Download der kompletten Strukturempfehlungen (knapp 300 Seiten) findet sich hier.

www.preussischer-kulturbesitz.de

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