10.05.2019 | Von Stefan Dworschak

Stiftungsfonds versprechen Stabilität

Was können Stiftungen an Rendite erwarten, welche Angebote gibt es auf dem Fondsmarkt, was macht einen guten Stiftungsfonds aus? Diese Themen standen im Mittelpunkt des jüngsten Gesprächskreises Stiftungsfonds in Hamburg – und trafen auf ein interessiertes Publikum.

Gesprächskreis Stiftungsfonds
Im Austausch mit dem Publikum: Claus Tumbrägel (nordIX AG), Thomas Ritterbusch (BRW Finanz AG), Achim Lange (Hamburger Sparkasse), Bernhard Matthes (Bank für Kirche und Caritas) und Stefan Dworschak (DIE STIFTUNG, von links). Fotos: Julia Laumer

Die Anlage des Stiftungsvermögens hat sich in der Niedrigzinsphase vom Randthema zu einer der zentralen Herausforderungen des Dritten Sektors gewandelt. Entsprechend zahlreich sind die sogenannten Stiftungsfonds inzwischen, die sich gezielt an gemeinnützige Anleger richten. Impulse für die Suche nach einem passenden Produkt bot der jüngste Gesprächskreis von DIE STIFTUNG und Funds excellence in Hamburg.

Stiftungsfonds als individuelle Entscheidung

In welchem Umfeld sich Stiftungen hierbei bewegen und worauf es sich zu achten lohnt, zeigte Nicolai Bräutigam. Der Analyst von MMD vermittelte mit seinem einführenden Blick in die aktuelle Situation auch Grundlagen zum Fondskonzept. Dieses zeichnet sich im Regelfall durch Eigenschaften wie regelmäßige, planbare Ausschüttungen, geringes Risiko sowie eine defensive Ausrichtung aus und sollte dabei ebenso ein hohes Maß an Transparenz bieten wie problemlose Bilanzierbarkeit. Allerdings, so betont Bräutigam: „Nicht alle Stiftungsfonds verfolgen eine defensive Anlagestrategie.“ Die mehreren Dutzend Angebote, die um die Gunst von Stiftungen werben, folgen mitunter ganz unterschiedlichen Ansätzen.

Gesprächskreis Stiftungsfonds
Analyst Nicolai Bräutigam führt in das Thema Stiftungsfonds ein.

Haben sich Vorstand und Gremien für ein Angebot entschieden, bringt dies Entlastung von der Verantwortung. Ob ein Fonds passt, das machte der Analyst deutlich, ist auch eine psychologische Frage – nämlich jene, ob die Verantwortlichen die Strategie in unterschiedlichen Marktlagen beibehalten können, ob sie zum individuellen Risikoprofil passt. Denn ein Blick auf die Performanceübersicht zeigte: Auch defensive Fonds erleben Phasen der Volatilität, die die Tabelle in mehr oder minder tiefes Rot tauchen. Solange die Ausschüttungen fließen und der Stiftungszweck erfüllbar ist, stellt dies formal keine Problem dar, doch mangelnde Überzeugung und Nervosität können dazu verleiten, zu einem ungünstigsten Zeitpunkt zu verkaufen, wie im Spätjahr 2018 mitunter geschehen.

Aus Bräutigams Sicht entscheidend für die Qualität eines Fonds ist die Leistung unterm Strich: Wertentwicklung und Ausschüttung nach allen Kosten. Allein die Gebühren in den Blick zu nehmen, um die Kosten möglichst tief zu senken, hält er für verfehlt. Für Fondsbetreuung und -analyse brauche es Personal. Was im Gegenzug nicht bedeutet, dass das Ergebnis bei höheren Kosten zwangsläufig besser sein muss. Fondskosten und Chance-Risiko-Profil, so zeigt der Analyst, korrelieren nicht. Dasselbe gilt für die Berücksichtigung des Themas Nachhaltigkeit. Produkte, die die ESG-Kriterien berücksichtigen (Environment, Social, Governance) unterscheiden sich in ihrem Volatilitätsverhalten nicht systematisch von solchen, die es nicht tun.

Eine Frage, vier Antworten

Deutliche Unterschiede hingegen zeigten sich bei den Ansätzen der vier Stiftungsfonds, die deren Vertreter dem Publikum vorstellten: Während der Hamburger Stiftungsfonds mit einer klassischen 70/30-Verteilung in Anleihen und Aktien investiert, hat das BKC Treuhand-Portfolio eine 70/15/15-Verteilung in Anleihen, Aktien und alternative Anlagen, der BRW Balanced Return Plus gar ein Aktienminimum von 51 Prozent, der nordIX Treasury plus wiederum investiert ausschließlich in Anleihen (ebenfalls mindestens 51 Prozent) und Derivate zur Absicherung.

Bernhard Matthes von der Bank für Kirche und Caritas (BKC) in Paderborn betonte unter anderem die langfristige Perspektive des Treuhand-Portfolios, bei dem gemeinnützige und kirchliche Anleger „unter sich“ seien. Für die Einschätzung der Lage am Kapitalmarkt wählte er das Bild von den sieben mageren Jahren, man halte sich „so weit wie möglich entfernt von Herrn Draghi und der Europäischen Zentralbank“. Aktien habe der Fonds in der aktuellen Lage untergewichtet.

Einen anderen Ansatz wählt der BRW Balanced Return Plus. Der Fonds der BRW Finanz AG ist mit einer Aktienquote von mindestens 51 Prozent stark auf Unternehmenswerte ausgerichtet. BRW-Vorstandschef Thomas Ritterbusch stellte das Drei-Säulen-Modell vor, das sich aus aktivem Zyklusmanagement, der Wertseite sowie einer Preissicherungsstrategie zusammensetzt. Es gelte nicht, den Markt zu schlagen, so der Finanzexperte aus Braunschweig, sondern absoluten Erfolg zu erzielen.

Das Leitmotiv der Stabilität zieht sich durch alle Präsentationen. Achim Lange, der den Hamburger Stiftungsfonds vorstellt, betreut mit 550 Millionen Volumen Euro einen der größeren Fonds auf dem deutschen Markt, der inzwischen sein zehntes Jahr erlebt. Ein fundamentaler Investmentprozess soll hier für stabile Erträge sorgen. Während die Rentenseite mit einem Prozent Rendite für Grundstabilität sorgt, erwirtschaftet der Aktienanteil eine Dividendenrendite von 4,5 Prozent.

Ein Mischkonzept verfolgt der nordIX Treasury plus, den Claus Tumbrägel präsentierte. Das Vorstandsmitglied der ebenfalls in Hamburg ansässigen nordIX AG stellte den defensiven Rentenfonds vor, der zu mindestens 51 in Anleihen investiert und Derivate zur Absicherung gegen Emittentenausfall verwendet – und zugleich Kreditausfallversicherungen längerer Laufzeit an andere Marktteilnehmer verkauft. Hohe Liquidität und Risikominimierung sind Stärken dieses Konzepts.

Gesprächskreis Stiftungsfonds
Austausch am Ende der Veranstaltung

Kritische Fragen

So unterschiedlich die Ansätze, in der Bewertung der Bedingungen für konservative Anleger waren sich die Fondsvertreter einig – und gingen offen mit kritischen Fragen zur erwartbaren Rendite um. Denn viel mehr als ein realer Kapitalerhalt – vor Erfüllung des Stiftungszwecks – ist mit dem konservativen Ansatz nicht zu erwarten. Auch mit Blick auf die Stabilität wird selbst in guten Jahren angesichts der unklaren Lage am Ende der Hausse bei den Ausschüttungen wohl keine Drei vor dem Komma stehen. Auch wenn die Experten die Chancen etwa mit Blick auf Aktien gemäß ihrer Strategien unterschiedlich bewerteten – bezüglich des kritischen Blicks auf die Folgen der Niedrigzinspolitik herrschte Konsens.

Beim Thema Nachhaltigkeit zeigte sich, dass individuelle Vorstellungen entscheidend sind, was unter dem allgegenwärtigen Begriff zu verstehen ist. Kirchlich geprägte Anleger mögen hier andere Ansätze verfolgen als eine Stiftung zur Förderung des Umweltschutzes oder der Bekämpfung von Kinderarmut. Wie komplex die Fragestellung ist, zeigte eine kurze Kontroverse um die Rolle der Atomkraft, die einerseits CO2-neutral ist, andererseits für Anleger gerade in Deutschland mitunter ein rotes Tuch ist.

Am Ende, das wurde aus der Diskussion mit dem Publikum ebenfalls deutlich, hängt die Entscheidung für oder gegen einen Stiftungsfonds nicht zuletzt davon ab, was die Alternativen sind. Stiftungsvertreter, die etwa in der Lage sind, zu günstigen Konditionen renditestarke Immobilien zu kaufen, stellen bei 2,x Prozent Ertrag verständlicherweise die Sinnfrage. Doch die aktiv gemanagten Fondsprodukte verfolgen einen anderen Ansatz, haben andere Stärken. Sie legen ihren Schwerpunkt nicht auf Renditemaximierung, sondern auf langfristige Stabilität und Berechenbarkeit – und bieten nicht zuletzt die Möglichkeit, das Stiftungskapital, das es zu bewahren gilt, zu geringen Kosten zu diversifizieren. Je nach persönlichem Risikoprofil.

Präsentationen zum Gesprächskreis finden Sie hier:

Nächster Gesprächskreis Stiftungsfonds in Braunschweig

Der nächste Gesprächskreis Stiftungsfonds wird am 19. Juni 2019 in Braunschweig stattfinden. Mehr Informationen gibt es unter: https://www.die-stiftung.de/event/gespraechskreis-stiftungsfonds-braunschweig

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