30.09.2014 | Von Die Stiftung

Was Stiftungen vor einer Private Equity-Investition beachten sollten

Die Investition in Private Equity erlebt nach der zwischenzeitlichen Flaute infolge der Finanzkrise 2008 – getrieben durch das niedrige Zinsniveau und die Suche nach Realwerten – eine Renaissance. Speziell für Stiftungen kommt als weiterer Aspekt hinzu, dass Investitionen im Rahmen des Impact- oder Mission Investing oft die Gestalt einer Beteiligung an einem oder mehreren Sozialunternehmen annehmen. Die Investition in Private Equity-Strukturen bringt jedoch eine Vielzahl von Fragestellungen mit sich, mit denen sich eine Stiftung vor der Investitionsentscheidung eingehend befassen sollte.

Die Investition in Private Equity erlebt nach der zwischenzeitlichen Flaute infolge der Finanzkrise 2008 – getrieben durch das niedrige Zinsniveau und die Suche nach Realwerten – eine Renaissance. Speziell für Stiftungen kommt als weiterer Aspekt hinzu, dass Investitionen im Rahmen des Impact- oder Mission Investing oft die Gestalt einer Beteiligung an einem oder mehreren Sozialunternehmen annehmen. Die Investition in Private Equity-Strukturen bringt jedoch eine Vielzahl von Fragestellungen mit sich, mit denen sich eine Stiftung vor der Investitionsentscheidung eingehend befassen sollte.
von Felix Wallenhorst

 

Am Anfang steht die Frage nach der für eine Stiftung sinnvollen Beteiligungsform. Aufgrund der hohen operationellen Komplexität sind direkte Private Equity-Beteiligungen bei Stiftungen die Ausnahme. Vielmehr ist der geschlossene Investmentfonds das klassische Vehikel, um an der Wertentwicklung von Private Equity zu partizipieren. Direkt in Unternehmen investierende Fonds sind überwiegend als Spezialfonds aufgelegt, während Dachfonds zumeist Publikumsfonds darstellen. Ob in einen Spezial- oder einen Publikumsfonds investiert wird, hat – neben zahlreichen wirtschaftlichen Überlegungen – auch aufsichtsrechtliche Aspekte. Mit Umsetzung der AIFM-Richtlinie im Rahmen des Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) haben sich Private Equity-Fonds vom weitgehend unregulierten grauen Kapitalmarkt hin zu einer umfangreichen Überwachung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht entwickelt. Es wurden umfangreiche Regelungen eingeführt, die vornehmlich unter dem Aspekt des Anlegerschutzes konzipiert wurden, jedoch auch zu einer Beschränkung der Investitionsmöglichkeiten für kleine und mittelgroße Stiftungen führen.

Um in einen Private Equity-Spezialfonds investieren zu können, muss eine Stiftung nun kumulativ folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Investition von mindestens 200.000 EUR,
  • schriftliche Bestätigung in einem (von den Zeichnungsunterlagen getrennten) Dokument, dass man sich der Risiken im Zusammenhang mit der beabsichtigten Investition bewusst ist,
  • die Kapitalverwaltungsgesellschaft (oder eine beauftragte Vertriebsgesellschaft) muss im Rahmen einer Kompetenzprüfung
    • eine Bewertung von Sachverstand, Erfahrungen und Kenntnissen des Anlegers vornehmen,
    • hinreichend davon überzeugt sein, dass der Anleger in der Lage ist, die Anlageentscheidung selbst zu treffen, die damit einhergehenden Risiken versteht und die eingegangene Verpflichtung für den betreffenden Anleger angemessen ist, und
    • diese beiden Punkte schriftlich bestätigen.

Damit stehen kleineren Stiftungen Investitionen in Private Equity nur noch mittels Publikumsfonds offen, da ansonsten eine sinnvolle Diversifikation des Gesamtvermögens aufgrund der Mindestinvestitionssumme von 200.000 EUR nicht gewährleistet werden kann.

Bilanzierung des Investments

Ist die Investition erfolgt, wird diese in der Handelsbilanz mit ihren Anschaffungskosten (inklusive Anschaffungsnebenkosten) erfasst. Die Folgebewertung nach § 253 Abs. 1 HGB erfolgt nach dem gemilderten Niederstwertprinzip grundsätzlich mit den Anschaffungskosten, es sei denn, es liegt eine voraussichtlich dauernde Wertminderung vor. Anders als beim liquiden Vermögen erfordert die Bewertung von Private Equity-Fonds mangels Notierung an einer Börse zuweilen individuelle Ermessensausübung. Hierbei entspricht der Wert einer Private Equity-Beteiligung theoretisch der Summe aller diskontierten, zukünftigen Ausschüttungen. Dies macht nach Auffassung des Instituts der Wirtschaftsprüfer zu jedem Abschlussstichtag eine umfassende Unternehmensbewertung nach den Grundsätzen des IDW S 1 notwendig, was jedoch in der Praxis mit erheblichem Aufwand verbunden ist. Da der Bilanzierende meist lediglich den Nachweis führen muss, dass keine dauernde Wertminderung im Vergleich zu den Anschaffungskosten vorliegt – eine deutlich leichtere Aufgabe als eine eigenständige Bewertung –, sollte dies in der Praxis regelmäßig auch ohne eine eigenständige Bewertung der Beteiligung möglich sein. Geeignete Nachweise können insbesondere der allgemeine Geschäftsverlauf, die Liquiditätssituation sowie der Eigenkapitalausweis des Private Equity-Fonds sein. Gesellschaften, für die die Regelungen des KAGB anzuwenden sind, steht ohnehin eine mindestens jährliche Bewertung zur Verfügung.

Herausforderungen auf steuerlicher Seite

Während die Bilanzierung von Private Equity-Investitionen damit vergleichsweise unkritisch ist, sind steuerliche Aspekte sehr sorgfältig zu prüfen. Private Equity-Fonds können sowohl als vermögensverwaltend als auch als gewerblich klassifiziert werden. Oftmals ist Stiftungsorganen hierbei weniger die steuerliche Belastung einer – auch nach Steuern attraktiven – Vermögensanlage ein Dorn im Auge, sondern vielmehr die gemeinnützigkeitsrechtlichen Folgen der Begründung eines wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes. Denn mit der Qualifikation als wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko verbunden, dass infolge einer Fehlinvestition Mittel des ideellen Bereichs benötigt werden, um Vermögensverluste auszugleichen. Dies würde eine schädliche Mittelfehlverwendung darstellen und hat das Potenzial, die Gemeinnützigkeit der Stiftung zu gefährden. Die Finanzverwaltung hat im sogenannten Private Equity-Erlass Kriterien festgelegt, die bei der steuerlichen Einkünftequalifikation heranzuziehen sind. Diese sind jedoch in der Praxis mit erheblichem Ermessensspielraum behaftet und bieten oftmals – umso mehr bei Sachverhalten mit Auslandsbezug – keine abschließende Sicherheit, um eine gewerbliche Tätigkeit definitiv ausschließen zu können. Es bietet sich daher die Investition über eine „Blocker“-Gesellschaft an. Hierbei wird eine Kapitalgesellschaft – im einfachsten Fall eine GmbH – zwischen die Stiftung und den Private Equity-Fonds platziert. Obgleich bei einer derartigen Struktur Freigrenzen und Freibeträge unter Umständen verloren gehen, kann die Steuerbelastung durch eine geeignete Wahl des Sitzes und der Finanzierungsstruktur auf ein Minimum reduziert werden. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass Beteiligungen an Kapitalgesellschaften als Bestandteil der steuerbefreiten Vermögensverwaltung zu klassifizieren sind. Dies gilt selbst im Falle einer 100%-Beteiligung, sofern nicht zusätzliche Aspekte eine wesentliche Einflussnahme durch die Stiftung indizieren. Schädlich ist in diesem Zusammenhang insbesondere Organidentität zwischen Stiftung und Kapitalgesellschaft sowie eine übermäßige Einflussnahme auf die gewerbliche Tätigkeit der Kapitalgesellschaft. Diesbezüglichen Bedenken der Stiftungsorgane kann wirksam durch maßgeschneiderte Ausgestaltung der Gremien und der Satzung begegnet werden.

Fazit

Ist die Investition sorgfältig geprüft und die Frage der Strukturierung geklärt, steht einer Investition nichts mehr im Wege. So können Stiftungen den Vorteil ihres langfristigen Anlagehorizonts durch eine Beteiligung in Private Equity ausspielen und in dem aktuellen Umfeld attraktive Renditen erzielen.

 

 

Felix WallenhorstFelix Wallenhorst ist Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Chartered Financial Analyst (CFA). Neben Prüfung, Rechnungslegung und Veranlagung berät er Stiftungen auch zu strategischen Fragen der Vermögensanlage und zur Wirtschaftlichkeitsanalyse von Investitionen. Das Beratungskonzept gewährt eine umfassende Betreuung, die sich an den konkreten Bedürfnissen von Stiftungen orientiert und für jedes Thema eine pragmatische, individuelle Lösung sicherstellt.

 

 

VC Sp Stiftungen 14Dieser Artikel erscheint im Special Private Equity für Stiftungen, welches der Dezember-Ausgabe der STIFTUNG beiliegen wird. Wer so lange nicht mehr warten möchte, kann es ab jetzt im Shop bestellen.

Artikel teilen