29.09.2015 | Von Die Stiftung

Wie viel Wirkung braucht eine Benchmark?

Seit einigen Wochen ist der Geist des Performance-Vergleichs aus der Wunderlampe. Mit der Veröffentlichung des Berichts The Impact Investing Benchmark, einer Kooperation des Global Impact Investing Network (GIIN) und Cambridge Associates (CA), ist für einige wirkungsorientierte Macher ein tief gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Endlich der Beweis, dass Anleger in diesem Bereich einfach alles haben können, soziale Wirkung und marktgerechte Rendite. Kein Wunder also, dass es seitdem euphorische Kommentare regnet und die Stanford Social Innovation Review eigens eine Rubrik dafür eingerichtet hat.

Endlich eine Benchmark für Impact Investing (II) – diese Nachricht löste in den vergangenen Wochen  Euphorie aus. Doch sagt der Performance-Vergleich noch nichts darüber aus, wie hoch die erreichte gesellschaftliche Wirkung ist. Eine differenziertere Debatte tut Not.
Von Christina Moehrle

 

Seit einigen Wochen ist der Geist des Performance-Vergleichs aus der Wunderlampe. Mit der Veröffentlichung des Berichts The Impact Investing Benchmark, einer Kooperation des Global Impact Investing Network (GIIN) und Cambridge Associates (CA), ist für einige wirkungsorientierte Macher ein tief gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Endlich der Beweis, dass Anleger in diesem Bereich einfach alles haben können, soziale Wirkung und marktgerechte Rendite. Kein Wunder also, dass es seitdem euphorische Kommentare regnet und die Stanford Social Innovation Review eigens eine Rubrik dafür eingerichtet hat.

Doch halt: Kenner der Geschichte wissen, dass man mit Wünschen vorsichtig sein sollte. Der Geist hat seine eigene Agenda. Was auf den ersten Blick wie der erhoffte Katalysator für mehr Kapitalzufluss in gesellschaftliche Problemlösungen aussehen mag, könnte sich bei allzu unkritischer Anwendung womöglich negativ auswirken. Was passiert eigentlich, wenn ein Impact Investment weniger als die Benchmark-Rendite erwirtschaftet? Sollte man dann die Finger davon lassen? Und bricht dann nicht eher ein beträchtlicher Teil des Impact Investing-Markts weg statt wie gewünscht zu expandieren?

Aladin und die Wirkungs-Wunderlampe
Vielleicht lohnt es sich, die Lampe etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, bevor man an ihr reibt. Allein die Definition des Pools wirft viel Licht ins Daten-Dunkel: 51 impact-orientierte Private Equity und Venture Capital Fonds, die eine marktgerechte, risikoadjustierte Finanzrendite ansteuern. Insofern lässt sich das Ergebnis auch wie folgt interpretieren: Das Ziel dieses speziellen Typs von Impact Investments wurde erreicht. Gratulation! Ein sehr schöner Anlass, der absolut zum Feiern einlädt – aber auch nur einen Teil des II-Spektrums erfasst. Denn der tatsächlich erzielte Impact bleibt außer Acht. Man verlässt sich darauf, dass die in der Benchmark enthaltenen Impact Fonds diese Messung schon selbst vornehmen und ihre Ergebnisse auch so ausfallen wie erhofft. Wie hoch genau? Völlig offen. Oder anders ausgedrückt: Das Streben nach gesellschaftlicher Wirkung genügt. So auch das Fazit eines ersten vorsichtig kritischen Kommentars des erfahrenen Impact Funds Root Capital. Nette Intention, begrenzte Ausführung.

Eine Dimension auszuklammern, mag vielleicht ein notwendiger Schritt sein, um der Komplexität des Unterfangens Herr zu werden. „Glaubwürdige Daten über Risiko und Rendite können sowohl existierenden als auch zukünftigen Impact Investoren dabei helfen, diejenigen Strategien zu identifizieren, die am besten zu ihren sozialen, ökologischen und finanziellen Kriterien passen“, argumentiert die Studie. Doch wenn ausgerechnet die Impact-Messung in der Analyse fehlt, sollte man als Investor hellhörig werden. Wie weit kann die Bedeutung dieser Benchmark sinnvoller Weise reichen? Und wie sieht eigentlich der Maßstab für solche Anlageziele aus, die ein deutlich höheres Wirkungs-Niveau ansteuern –sogenannte „Impact First“ Investments? Die Kernfrage aber, die eigentlich darunter vergraben liegt, ist diese: Wie gestaltet sich ein vernünftiges, marktgerechtes Verhältnis zwischen Wirkung und Rendite. Die Antwort darauf liefert die Benchmark jedenfalls nicht. Die Wunderlampe bleibt dahingehend getrübt.

Löbliche Absichten
Trotz des Dämpfers auf die Feierlaune muss keine Ernüchterung eintreten. Die Benchmark ist ein sehr guter Anfang. Auch die Urheber räumen ein, dass es hier nur um einen ersten Aufschlag gehen kann: „In der aktuellen Phase erfüllt die Analyse die wichtige Aufgabe, den ersten Diskussionen zur Performance wirkungsorientierter Private Equity und Venture Capital-Fonds einen Rahmen zu verleihen.“

Dass es der Impact-Branche danach dürstet, ist absolut legitim. Viele Anleger tun sich noch schwer mit dieser Art des Investierens und tasten sich in kleinen, überschaubaren Schritten voran. Da sind Beweise für die Attraktivität gefordert, soll sich das Tempo des Mittelzuflusses verschärfen. Dass der Druck dahingehend wächst, steht völlig außer Frage. Die jüngst veröffentlichten Sustainable Development Goals brauchen laut Aussage der OECD und dem World Economic Forum nicht weniger als geschätzte 4,5 Bio. USD an jährlichen Investitionen für ihre Umsetzung. Unvorstellbare Beträge, die aus öffentlichen Töpfen allein nicht mehr zu stemmen sind. Der private Sektor muss ran. Doch zu welchem Preis, zu welcher Erwartungshaltung der Investoren?

Artikel teilen