29.09.2015 | Von Die Stiftung

Wie viel Wirkung braucht eine Benchmark?

Seit einigen Wochen ist der Geist des Performance-Vergleichs aus der Wunderlampe. Mit der Veröffentlichung des Berichts The Impact Investing Benchmark, einer Kooperation des Global Impact Investing Network (GIIN) und Cambridge Associates (CA), ist für einige wirkungsorientierte Macher ein tief gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Endlich der Beweis, dass Anleger in diesem Bereich einfach alles haben können, soziale Wirkung und marktgerechte Rendite. Kein Wunder also, dass es seitdem euphorische Kommentare regnet und die Stanford Social Innovation Review eigens eine Rubrik dafür eingerichtet hat.

Wenn man sich in der Impact Investing-Szene tummelt, beweisen viele Experten-Gespräche, dass es kein einhelliges Votum darüber gibt, ob der berüchtigte Konflikt zwischen Rendite und Wirkung nun existiert oder nicht. Die ehrlichste Antwort: Es kommt darauf an. Auf die konkrete Anlagestrategie. Auf unterschiedliche Wirkungs-Sektoren. Auf bestimmte Geografien (zum Beispiel globaler Süden oder Norden). Auf Finanzierungsinstrumente und Innovationsgrade, Laufzeiten und Exit-Wege, Wirkungspotenziale und noch so vieles mehr. Von der adäquaten Impact-Messmethode einmal ganz zu schweigen. Existieren also nicht eher verschiedene Wahrheiten nebeneinander, alle mit ihrer ureigenen Daseinsberechtigung? Oder sollten wir uns zu Recht an dieser neuen Impact Investing Benchmark orientieren?

Grafik Gregor
Erklärungsgrafik zu Impact Investing

 

Wünsche mit Risiken und Nebenwirkungen
Luciano Balbo, Gründer und Vorsitzender von Oltre Venture, warnte auf der letzten Jahreskonferenz der European Venture Philanthropy Association (EVPA) in Berlin davor, den jungen Impact Investing Markt zu früh mit zu hohen Erwartungen zu überfrachten. Als sozialer Investor der ersten Stunde genießt sein Appell für moderatere Ziele in Sachen Rendite und Wirkung durchaus Gewicht.

Noch hat das Gros der interessierten Investoren – zumindest in Deutschland – nicht einmal heraus, wo Impact Investing eigentlich anfängt und wo es genau aufhört. So auch das Kredo eines Interviews, das ich gerade mit einem Impact Investing Pionier der deutschen Stiftungsszene führte. Die meisten Neulinge seien noch gefangen im definitorischen Dschungel, lautet dessen Erfahrung mit Kollegen. Derselbe Umstand ließ sich auch auf dem diesjährigen Deutschen Stiftungstag in Karlsruhe sehr gut beobachten: Da wirbelten die Worte eher um Begriffsunklarheiten herum als um praktische Erfahrungs-PS auf der Straße.

Selbst bei den Impact-„Frühzündern“ ist es nicht anders: Vermögende Privatanleger und Family Offices, die bei innovativen Anlageformen häufig als Erste nach vorne preschen, sehen laut einer Befragung der Bertelsmann Stiftung und der Universität Stuttgart in Impact Investing derzeit nur „eine kleine akzeptable Beimischung“ zu ihrer Vermögensanlage. Nicht selten wird diese irgendwo unter den Alternative Investments abgelegt oder sogar im Spendentopf verortet. Eine neue Anlagephilosophie? Pustekuchen.

Manche Stimmen sehen noch eine weitere Gefahr: „Kommt nach dem Greenwashing jetzt das Sozial-Washing?“, fragte ein französischer Artikel gerade kritisch und warf damit ein recht unerfreuliches Szenario an die Wand. So weit muss man meines Erachtens noch nicht gehen. Doch Vorsicht ist sicher geboten in einem Markt, der sich gerade aus der Nische heraus in den Mainstream entwickelt. Es wäre nicht das erste Mal, dass schöne Labels benutzt werden, um auf gesellschaftlichen Trends herumzureiten.

Fazit: Bitte kritisch durchleuchten!
Eine Benchmark in einem noch recht jungfräulichen Markt erfordert vom Anleger einen differenzierten Blick auf unterschiedliche Spielarten. Impact Investing bedeutet nicht zwangsläufig Private Equity oder Venture Capital Fonds, wie viele immer noch meinen. Die Bandbreite an wirkungsorientierten Instrumenten wächst stetig. Es lohnt sich also genau hinzuschauen, wessen Wunsch der Geist hier erfüllt.

Für einen Großteil der weltweit aktiven, institutionell geprägten Impact Investoren ist die GIIN-CA-Benchmark sicher sinnvoll. Meist parkt ein sehr hoher Anteil an Impact Private Equity und Venture Capital Fonds in ihren Portfolien, die Marktrenditen ansteuern und deren Performance verglichen sein will. Doch die Bedeutung der Benchmark-Übung ist begrenzt: durch ihren Datenpool.

Wer also das Wunder darin sieht, dass Impact Investing dem Anspruch gerecht werden kann, darf dieses Ergebnis in aller Seelenruhe feiern. Wer der Übung jetzt schon zu mehr Strahlkraft verhelfen will, sollte sich zunächst der Wirkung widmen – im doppelten Sinn. Das wäre zumindest mein zweiter Wunsch an den mächtigen Dschinn aus der Wunderlampe.

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