Am 20. November 2020, dem Internationalen Tag der Kinderrechte, gründete Anke Burfeind in Hamburg Childhood in Freedom, ein Sozialunternehmen, das Gelder zur Bekämpfung von Kindersklaverei generieren möchte. Ein gutes Jahr danach zieht die Gründerin ein erstes Fazit: Es bleibt viel zu tun.

Ein ganz normaler Fernsehabend: Anke Burfeind zappt durch die TV-Kanäle und bleibt bei einer Dokumentation hängen. Es geht um Kindersklaverei in Indien und Afrika. Sie ist schockiert über die Zustände, die Zahlen und die teilweise Ohnmacht der Hilfsorganisationen, die gegen Windmühlen zu kämpfen scheinen. Das Thema brauche mehr Geld und noch viel mehr Öffentlichkeit, damit es effektiv angegangen werden kann, kommt in dem Beitrag klar heraus. In der Diplom-Ökonomin wächst das Bedürfnis, etwas dagegen zu tun. Die Idee zu Childhood in Freedom wird geboren, einem Sozialunternehmen mit einem ungewöhnlichen Business- und Finanzierungsplan.

Kunst und Soziales verbinden

Die Hamburgerin studierte neben Diplom-Ökonomie auch Schauspiel, Gesang und Songwriting, und nach dem Studium arbeitete sie in verschiedenen Sozialunternehmen. Für Childhood in Freedom entschied sie sich für eine Kombination aus beidem. Die Idee: Ein Musical für Kinder und Jugendliche schreiben, das sich mit Kindersklaverei auf altersgerechte und doch realitätsnahe Art und Weise auseinandersetzt. Die Ziele: Die jungen Zuschauer für das Thema sensibilisieren und ihre Multiplikatorfunktion in Familien und Freundeskreis nutzen. Und über eine hohe Medienpräsenz rund ums Musical andere Menschen erreichen. Zu diesem Zweck gründete sie die Childhood in Freedom (CIF) gUG.

Geld regiert auch die Sozialwelt

Doch gute PR und Aufmerksamkeit reichen nicht – CIF soll natürlich auch finanziell einen Beitrag zur Bekämpfung der Kindersklaverei leisten. Und da sei eine Idee einfach nicht genug, findet Anke Burfeind. „Mir war es sehr wichtig, bei der Unternehmensgründung bereits ein Produkt in den Händen zu halten, mit dem sich Umsätze generieren lassen.“ Ein Musical zu schreiben, ist eine langwierige Angelegenheit – und so entscheidet sie sich, die Story aus dem Musical zuerst als Roman für Kinder und Jugendliche zu veröffentlichen. Mit Erfolg: Das Buch „Baku und der weiße Elefant“ wird 2021 zum Spitzentitel im Ueberreuter Verlag gewählt, in einigen Schulen als Lektüre gelesen und sowohl von Kindern als auch von den Lehrkräften „sehr gut aufgenommen“, erzählt sie. In Zukunft, so hofft Burfeind, gesellen sich zu den Buchverkäufen andere Finanzierungsquellen hinzu: Sobald das Musical bühnenreif ist, will sich CIF über die Eintrittsgelder, Sponsoring, Merchandising und natürlich auch Spenden finanzieren, die zu 100 Prozent an Partnerorganisationen fließen sollen.

„Vor allem auf der Seite der Unterstützer dürfen es viel, viel mehr sein.“ Anke Burfeind

„Direkte Projektarbeit vor Ort kann ich als Einzelunternehmerin nicht leisten“, gibt Burfeind zu bedenken. Deshalb sind Kooperationen für CIF sehr wichtig, und zwar in alle Richtungen: „Das fängt bei Hilfsorganisationen an, die wir mit Geld unterstützen, und hört bei Institutionen und Influencern auf, die meine Arbeit gut finden und nach außen kommunizieren.“ So hat sie in Checker Tobi vom Kindersender KiKA einen Unterstützer gefunden. Bachpan Bachao Andolan (BBA) wiederum, die größte Volksbewegung gegen Kinderarbeit in Indien, ist die erste Organisation, die Spenden von CIF erhält. „Vor allem auf der Seite der Unterstützer dürfen es viel, viel mehr sein“, wünscht sich Burfeind. Sie zu finden, steht für 2022 ganz groß in ihrem Kalender.

Networking, Networking, Networking

Hilfreich bei der Suche nach Kooperationspartnern ist meist das eigene Netzwerk. Doch auch für alle Themen rund um Gründung und laufenden Betrieb ist dieses unerlässlich, vor allem wenn man wie Anke Burfeind ein Eine-Frau-Sozialunternehmen gründet. Vom Medienanwalt über eine Webdesignerin bis zu Schauspielern und Sängern waren an der Gründung von CIF Menschen aus den verschiedensten Branchen beteiligt. „Da merkte ich auch, wie wichtig es ist, dass das eigene Netzwerk sehr heterogen ist“, erklärt Burfeind. „Es ist optimal, wenn die Leute verschiedenste Kompetenzen und idealerweise alle Bereiche abdecken, die man für ein derartiges Projekt benötigt. Durch meine Arbeit konnte ich spannende, tolle Menschen für mein Netzwerk dazu gewinnen.“ Die Suche nach Experten für bestimmte Themen sei auf diese Weise sehr viel einfacher, was Zeit und auch Kosten spare.

Diese Unterstützung und die bereits eingegangenen Kooperationen verbucht Burfeind unter „Das lief im ersten Jahr gut“. Auf der Haben-Seite stehen auch andere Erfolge: Der große Verlag, der ihr Buch veröffentlichte, die Resonanz auf den Roman, Lesungen an Schulen und eine Kooperation mit Unicef: Von jedem verkauften Buch geht ein Euro an die Kinderhilfsorganisation. Dass mit Checker Tobi ein bei Kindern bekannter und beliebter Moderator mit an Bord ist und kürzlich sogar CNN für ein Interview anklopfte, macht die Gründerin stolz.

Anke Burfeind lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

Anke Burfeind lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Foto: Anne Oschatz

Rückschläge? „Gab es eigentlich nicht“, sagt sie. Als kontraproduktiv empfand sie rund um die Gründung die vielen Zahlungsaufforderungen von Verbänden, Kammern und weiteren Institutionen. „Hier wünschte ich mir weniger Bürokratie und eine automatische Freistellung.“ Apropos Geld: „Eines meiner wichtigsten Learnings war, dass weniger Menschen als gedacht pro bono arbeiten können oder wollen“, berichtet Burfeind von ihren Erfahrungen mit Dienstleistern. „Ich musste lernen, dass es eben mein Herzensprojekt ist und nicht zwangsläufig das anderer Leute, dass nicht jeder so dafür brennt, wie ich es tue.“ Oft gelang es ihr, das Feuer weiterzugeben, einige Aufgaben rund um die Gründung und den laufenden Prozess wurden von anderen ohne Bezahlung übernommen. Andere musste sie in Auftrag geben und bezahlen, bisher stets aus eigener Tasche. „Ich bin dankbar, dass ich mich Vollzeit ehrenamtlich meinem Unternehmen widmen kann und mir mit eigenen finanziellen Mitteln die bisher notwendigen Schritte ermöglichen konnte.“ So manches Mal wünschte sich die Sozialunternehmerin einen Marktplatz, auf dem ehrenamtliches Engagement „gehandelt“ werden könnte. „Viele wollen etwas tun, wissen aber nicht wie oder dass sie zum Beispiel ihr berufliches Know-how ‚spenden‘ könnten.“

2022 will Anke Burfeind das Musical Baku fertig schreiben, damit es so bald wie möglich auf die Bühnen der Republik kommt. Dazu stehen jetzt Gespräche mit Drei-Sparten-Häusern an. „Darüber hinaus liegt mir schon die Anfrage eines Verlages vor, der mein Musical in die Schulen bringen möchte“, sagt die Songwriterin. Sobald das Stück vollständig komponiert ist, will sie alle Wege ausprobieren, die in diesem Bereich zur Verfügung stehen, und sich dann für die mit dem größten Impact entscheiden, finanziell und auch in Bezug auf Medien und PR. Und damit ihren Beitrag zur Abschaffung der Kindersklaverei leisten.

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