Stiftungen können durch digitale Anwendungen lästige Arbeitsschritte vermeiden, etwa in der Prüfung der Förderfähigkeit von Antragstellern. Das Haus des Stiftens arbeitet an einer App, die dem gesamten gemeinnützigen Sektor doppelte Arbeit ersparen könnte.

Stiftungen sind nicht als große Innovatoren bekannt. Da aber auch sie durch die Digitalisierung einzelner Arbeitsschritte viel Arbeitsaufwand einsparen können, sind manche bereits dazu übergegangen, eigene digitale Lösungen zu entwickeln. So können gemeinnützige Vereine und Nichtregierungsorganisationen bei der Deutsche-Bank-Stiftung ihre Förderanträge in ein Formular eingeben. Bei der Mahle-Stiftung gibt es sogar einen kurzen „Antragscheck“ – fünf Fragen, in denen die Website anzeigt, ob der Antrag überhaupt den Förderkriterien der Stiftung entspricht.

Philipp Hof, Geschäftsführer des Hauses des Stiftens, begrüßt die Digitalisierungstendenzen zwar, sieht die Entwicklung von Einzellösungen aber kritisch: „Ich finde es bedenklich, wenn jetzt jede Stiftung anfängt, ihre eigene Seite für die Antragstellung zu bauen. Das führt dazu, dass die Non-Profit-Organisationen von Internetseite zu Internetseite hüpfen und dort jedes Mal erneut ihre Daten eingeben.“

Keine Lust, zu prüfen

Um dem vorzubeugen, hat sich das Haus des Stiftens mit Unternehmertum zusammengetan, einer GmbH, die Start-ups dabei hilft, eigene Produkte zu entwickeln. Für das Haus des Stiftens arbeiten deren Programmierer an einer App, die Ende Juni fertiggestellt sein und Förderern lästige Arbeitsschritte ersparen soll. „Wir wollen Hilfsorganisationen und Förderer auf Datenebene zusammenbringen“, sagt Hof. Die fertiggestellte App soll Fördersuchern erlauben, sich nur einmal zu registrieren und mit den registrierten und im Anschluss verifizierten Daten Zugang zu verschiedenen Förderportalen zu erhalten. Alleine das Haus des Stiftens betreue 80.000 Organisationen, die als geprüfte Organisationen in die Datenbank der App eingehen könnten.

Das soll für beide Seiten Entlastung schaffen: Fördersucher müssen sich nicht mehr bei unterschiedlichen Onlineportalen verschiedener Anbieter anmelden. Und die Förderer, etwa Förderstiftungen, erhalten von den Antragstellern Daten wie die Steuernummer und die Bestätigung, dass ihr Freistellungsbescheid geprüft wurde. Sie sparen sich damit die eigene Prüfung dieser Daten. Bedarf für eine solche Entlastung sieht Hof: „Wir kriegen jeden Monat bestimmt zwei Anfragen von Leuten, die uns sagen: ‚Ich habe keine Lust mehr, die Prüfung selbst zu machen.‘“ Optional soll für Förderer zudem die Möglichkeit bestehen, weitere Informationen anzufordern. Die eigentliche Antragstellung soll dadurch jedoch nicht entfallen. Oder anders gesagt: Die App prüft die Förderfähigkeit der Antragsteller, die Förderwürdigkeit müssen die Fördergeber beurteilen und abwägen.

Auch für weitere große Geldgeber, wie internationale Konzerne, deren Mitarbeiter über Spendenprogramme gemeinnützige Projekte finanzieren, ermögliche dies einen besseren Zugang zum Matchmaking. Denn die Konzerne seien nicht willens, Freistellungsbescheide deutscher Organisationen zu prüfen. „Das wäre für sie ein Wahnsinn, in Deutschland separat zu prüfen“, sagt Hof. Kooperationen mit großen Portalen für Mitarbeiterspendenprogramme seien bereits abgeschlossen. Das Potential einer solchen App beschränkt sich dabei nicht auf finanzielle Unterstützung. Ebenfalls könnten Wissensspenden in Form kostenloser Workshops über eine solche Plattform vermittelt werden

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