Die erarbeiteten Werte über Generationen hinweg zu schützen, ist eine Herausforderung für viele vermögende Familien. Entscheidend ist es, eine Lösung zu finden, die zur jeweiligen Situation passt.

Die Nachfolgeplanung für das eigene Vermögen ist etwas sehr Persönliches und damit naturgemäß auch emotional geprägt. Viele Vermögensinhaber bereiten sich darauf vor, ihr womöglich über mehrere Jahrzehnte aufgebautes Vermögen in andere Hände zu geben. Die Beschäftigung mit diesem Gedanken fällt aber selten leicht. Kein Wunder also, dass die Planung und noch mehr die Umsetzung oft nur sehr zögerlich und langsam vonstatten gehen. Dies mag menschlich nachvollziehbar sein, die Folgen eines permanenten Vor-sich-her-Schiebens können jedoch fatal sein – für die Vermögensnachfolger und den -inhaber.

Frühzeitig aktiv werden

Eine Nachfolgeplanung zu Lebzeiten ist jedoch vor allem dann essentiell, wenn das Vermögen, die Familienverhältnisse oder sogar beides eine gewisse Komplexität aufweisen. Dabei gilt es, frühzeitig das gesamte Vermögen und alle relevanten Akteure im Blick zu haben, um Schritt für Schritt alle zu klärenden Fragen zu definieren.

Wenn auch noch eine unternehmerische Nachfolge zu regeln ist, kommt eine weitere Dimension hinzu. Auch hier sind zahlreiche Befindlichkeiten zu berücksichtigen sowie Interessen und Ziele abzuwägen. Es bedarf keiner ausgeprägten Phantasie, um sich vorzustellen, dass teils gravierende Konflikte vorprogrammiert sein können, die schon mehr als einmal zum Bruch innerhalb von Familien geführt haben, wenn man den Dingen einfach ihren Lauf lässt. Umso wichtiger ist es, möglichst große Klarheit über die Ziele und Vorstellungen des Vermögensinhabers und der beteiligten Personen zu haben.

Geht es beispielsweise primär um die finanzielle Absicherung der Familie? Sollen die Kinder möglichst frühzeitig eigenständig agieren? Soll das Familienvermögen gebündelt bleiben oder ist die Gründung verschiedener eigenständiger Vermögenssphären der richtige Weg?

Familienstiftung: über Generationen hinweg

Um auf diese Fragen eine zufriedenstellende, belastbare und dauerhafte Antwort geben zu können, hat sich in vielen Fällen die Errichtung einer Familienstiftung als geeigneter Lösungsweg erwiesen. Rechtlich gesehen handelt es sich dabei um eine ganz normale Stiftung, was wiederum bedeutet, dass sie eine eigentlich eigentümerlose Vermögensmasse ist. Nach der – in der Regel unumkehrbaren – Übertragung gehört das in der Stiftung liegende Vermögen dauerhaft der Stiftung.

Diese Hürde müssen die Beteiligten emotional verarbeiten, da ihnen das betreffende Vermögen nun im engeren Sinne nicht mehr gehört. Gegen diesen Punkt gibt es natürlich auch Vorbehalte, daher muss er ausführlich und offen diskutiert werden. Dem Wegfall von Eigentumsrechten einzelner Personen steht im Gegenzug jedoch der gebündelte Bestand des Vermögens über Generationen hinweg gegenüber. Diese Entscheidung kann also erst nach umfassender Abwägung des Für und Wider getroffen werden.

Nicht jeder Inhaber eines hinreichend komplexen Vermögens verfügt auch automatisch über die nötige „Stiftungsreife“, die eine lange und gründliche Beschäftigung mit dem Thema voraussetzt.

Ist dieser sicher nicht für alle einfache Schritt erst einmal vollzogen, bietet die Nachfolgelösung über eine Stiftung eine ganze Reihe handfester Vorteile. Übrigens entfällt der Zugriff auf das Vermögen auch nicht gänzlich, sondern kann etwa über die Ausübung von Rechten fortbestehen – etwa als Mitglied des Stiftungsvorstands oder eines etwaigen Stiftungsrats.

Diejenigen Familienmitglieder, die von der Stiftung begünstigt werden sollen, partizipieren an den erwirtschafteten Erträgen der Stiftung. Darüber hinaus können sie in der Stiftung tätig sein und sich zum Beispiel bei der Verwaltung des Stiftungsvermögens einbringen. Die ehemaligen Vermögensinhaber können diese Aufgabe selbst wahrnehmen oder eine aus ihrer Sicht qualifizierte externe Person benennen. Die Einsetzung externer Personen kommt gar nicht mal so selten vor und ist oft eine ebenso sachdienliche wie salomonische Lösung. Gerade im Kontext eines Familienunternehmens können etwa innerhalb einer unternehmenstragenden Stiftung die Stiftungsorgane dabei helfen, die Kinder schrittweise an die Unternehmensleitung heranzuführen. In der Praxis ist dies ein bewährtes Konstrukt.

Keine Steuerbefreiung, aber mitunter steuerliche Vorteile

Wie erwähnt, soll eine Familienstiftung die Absicherung der finanziellen Bedürfnisse der Familie gewährleisten. Das ist ihr Stiftungszweck. Sie ist daher nicht gemeinnützig und folgerichtig auch nicht steuerbefreit. Die erstmalige Vermögensausstattung der Stiftung, also die Einbringung des Vermögens in die Stiftung, wird erbschafts- und schenkungssteuerlich ähnlich behandelt wie eine unmittelbare Übertragung auf die begünstigten Personen: je enger das familiäre Verhältnis, desto günstiger die Besteuerung.

Steuerliche Vorteile können sich bei Familienstiftungen aber in anderen Zusammenhängen ergeben. Sie kann beispielsweise vor der sogenannten „Wegzugsbesteuerung“ schützen. Diese ist eine Besonderheit im deutschen Steuerrecht: Verlegt eine Person, die eine Beteiligung an einem Unternehmen in der Rechtsform der Kapitalgesellschaft (zum Beispiel GmbH) besitzt, ihren Wohnsitz ins Ausland, kann der deutsche Fiskus eine Veräußerung dieser Beteiligung unterstellen. Die Folge wären tatsächliche Steuerzahlungen auf einen fingierten Veräußerungsgewinn. Befindet sich die Beteiligung im Stiftungsvermögen, greift diese Regelung nicht.

Ein weiteres Beispiel bietet sich im Kontext unternehmerischer Großvermögen: Hier sieht der Gesetzgeber für die Übertragung von unternehmerischem Vermögen unter bestimmten Voraussetzungen weitgehende Steuerbefreiungen vor. Diese Befreiungen sind pro Erwerber grundsätzlich auf einen Gesamtbetrag von 26 Millionen Euro beschränkt. Ist die Erbschaft höher, müssen die Beschenkten des Vermögensinhabers zunächst eigenes verfügbares Vermögen aufwenden, um die Steuerlast zu begleichen, bevor der Staat einen Nachlass auf die Erbschaft-Schenkungsteuer gewährt.

Eine Familienstiftung könnte als weiteres „Kind“ fungieren und somit beschenkt werden. Dies hätte zur Folge, dass der Anteil aller Abkömmlinge gegebenenfalls unter den kritischen Schwellenwert rutscht. Bei entsprechender Ausstattung der Stiftung kann unternehmerisches Vermögen auch in größerem Umfang oder gar vollständig steuerfrei unter Inanspruchnahme der gesetzlich vorgesehenen steuerlichen Befreiungen übertragen werden.

Abschließend lässt sich sagen, dass eine Familienstiftung aufgrund ihrer rechtlichen und organisatorischen Komplexität zunächst wie ein eher schwergängiges Vehikel anmutet. Nicht jeder Inhaber eines hinreichend komplexen Vermögens verfügt auch automatisch über die nötige „Stiftungsreife“, die eine lange und gründliche Beschäftigung mit dem Thema voraussetzt. Dennoch gibt es im Zusammenspiel von Vermögensübertragung, Nachfolgeregelungen, Familien- und unternehmerischem Vermögen eine ganze Reihe an Konstellationen, für die die Familienstiftung ein sinnvolles und bewährtes Instrument sein kann.

Dr. Olaf Henß
Head Estate Planning,
Bethmann Bank
Kontakt

Alen Nalbandian
Wealth & Estate Planning,
Bethmann Bank
Kontakt

 

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